Andere anzeigen oder das Gesetz ignorieren

8. Jänner 2009, 21:24
259 Postings

Dilemma und Abwarten bis Juni 2010 bei Wirten - Burgstaller für totales Rauchverbot

Bregenz/Innsbruck/Salzburg/Linz/ Wien - Gesetzestreue kostet 80 Prozent Umsatz. Diese Erfahrung machte ein Wirt in einem oberösterreichischen Einkaufszentrum. Sechs Gastronomen gibt es dort, fünf ignorieren das dort eigentlich geltende totale Rauchverbot, berichtet Peter-Paul Frömmel, Geschäftsführer der Gastronomie-sparte in der Wirtschaftskammer Oberösterreich. "Er hat bei uns angerufen und gefragt, was er machen soll - die Mitbewerber anzeigen oder selbst das Gesetz ignorieren."

Man habe die Betreiber des Centers informiert, die nun auf die unwilligen Wirte einwirken sollen. Das Dilemma des Anrufers sei eine Sollbruchstelle des Gesetzes, sagt Frömmel. "Die andere ist die willkürliche Beschränkung der Wahlfreiheit auf eine Lokalgröße von 50 m². Die Hälfte unserer Betriebe, die größer sind, sind die Verlierer."

Wie der Linzer Szenewirt Günter Hager: "Es werden mehr Wirte sterben als Nichtraucher in Raucherlokalen", meint er verärgert. In seinem weitverzweigten Stadtbräu "Josef" hatte er zwar keine Probleme, eine Nichtraucherzone einzurichten, aber sie werde (bisher) nicht angenommen. Am Mittwoch habe dort schon um 21.30 Uhr der letzte Gast gezahlt. Hager: "Dann hab ich die Kellner heimgeschickt und den Raum geschlossen."

Einige wollen es auf eine Konfrontation ankommen lassen. Das Bregenzer "Kesselhaus" ist ein einziger großer Raum, eine räumliche Trennung der Bereiche würde die Atmosphäre nehmen, meint Wirt Dietmar Schönberger. "Deshalb darf an der Bar noch geraucht werden." Dafür nimmt Schönberger auch Anzeigen in Kauf. "Im schlimmsten Fall klage ich den Staat, denn das Gesetz bevorzugt kleine Lokale." Anderswo echauffiert man sich weniger - und lässt alles so, wie es ist. "Wir haben Umbaupläne eingereicht und damit eine eineinhalbjährige Übergangsfrist", stellt der Innsbrucker Gastronom Ander Cammerlander fest. Allerdings habe ihm sogar die Kammer geraten, mit dem Umbau zuzuwarten, da es vielleicht noch zu Gesetzesänderungen komme.

Im besten Café Salzburgs, dem "Bazar" neben dem Hotel Sacher, setzt man ebenso auf die fristverlängernde Umbauvariante. Im überwiegend von jungem Publikum besuchten "Republic" (ehemals Stadtkino) hat man das Rauchverbot eingeführt. Aber nur kurz: Nach einwöchigem Testlauf im Vorjahr wurde der Umsatzrückgang spürbar, so die Betreiber. Jetzt wird dank Bauantrags bis Juni 2010 weitergeraucht. Auch Salzburgs wahlkämpfende Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) hält das Gesetz für unpraktikabel, wie sie Österreich verriet. Sie will sich bei Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) für ein generelles Rauchverbot in Lokalen einsetzen. Stöger hat das derzeit nicht vor (Interview oben). (jub, ver, neu, ker, moe/jub, ver, neu, ker, moe, DER STANDARD - Printausgabe, 9. Jänner 2009)

Share if you care.