Das Glück braucht einen Gönner: "Sieben Leben"

8. Jänner 2009, 17:40
22 Postings

Will Smith verkörpert in Gabriele Muccinos Sozialdrama einen Mann, der seine Schuld mit guten Taten tilgen will

Manövriermasse für den stärksten Kassenmagneten des US-Kinos, ab 9.1. im Kino

 

Wien - US-Star Will Smith brachte 2008 in den amerikanischen Kinos mehr als jeder andere Schauspieler die Kassen zum Klingeln, lautete unlängst das Ergebnis einer Umfrage unter Kinobetreibern. Seit Sidney Poitier war das keinem Afroamerikaner mehr gelungen - und dieser Erfolg liegt immerhin auch schon 40 Jahre zurück.

Ein Ergebnis, das in dem Jahr, in dem Barack Obama zum Präsidenten gewählt wurde, besondere Signifikanz gewinnt. Auch Smith, der zu den engeren Freunden der Obamas gehört und am Tag der Amtseinführung mit den "ersten Töchtern" ein Konzert geben will, verkörpert eine Erfolgsgeschichte, deren repräsentatives Strahlen zunahm: Vom Prinz von Bel-Air wuchs er über Ali allmählich zum leading man, der auch als der letzte Mensch auf der Erde in I am Legend nicht den Mut verlor weiterzumachen.

Mit dem Aufstieg in Hollywoods Liga der erfolgreichsten Darsteller wächst aber auch der Druck, sich als Charakterdarsteller zu profilieren. Das wird auch der Hintergrund für die Wahl der Rolle von Ben Thomas in Gabriele Muccinos Sozialdrama Sieben Leben (Seven Pounds) sein - eines Ingenieurs mit MIT-Abschluss, den ein fatal verlaufender Unfall aus seiner Lebensbahn schleudert und danach zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen lässt. Sieben Personen starben durch seine Unachtsamkeit, ebenso vielen Bedürftigen mit gutem Herzen will er nun zu einem glücklichen Leben verhelfen. Ein Schuldkomplex lodert hinter der Selbstlosigkeit von Ben Thomas, die religiös anmutet, weil sie bis zur Selbstauslöschung reicht.

Sieben Leben gibt die Informationen über die Motivation seines Helden erst nach und nach preis, allzu viel Spannung generiert dies dennoch nicht. Dabei hätte die Figur durchaus Potenzial, ließe man sie nur ein wenig abgründiger ihr Werk vollenden. Will Smith stattet seinen Wohltäter zwar mit einigem Nachdruck aus - er lässt ihn etwa in manchen Szenen die Grenzen der Privatsphäre seiner Auserwählten missachten -, aber die Zumutung seines Tuns bleibt nur angedeutet. Der altruistische Auftrag wird weder vom Drehbuch noch von der Regie je ernsthaft angezweifelt.

Im Zeichen der Nächstenliebe

Mit Gabriele Muccino hat Smith vor zwei Jahren bereits Das Streben nach Glück (The Pursuit of Happiness) realisiert, ein Sozialstück wie aus der Zeit der Depression: Er spielte darin einen Obdachlosen, der alles daran setzte, um seinem Sohn nicht die Illusionen zu rauben. Sieben Leben kennt soziale Verhältnisse nur noch als Kapital einer fragwürdigen Sühnepolitik. Ben Thomas gibt sich ausgerechnet als Steuerfahnder aus, als gälte es, dem Staat und seinen Institutionen wieder den Nimbus der Nächstenliebe zu verleihen.

Die melodramatische Bewährungsprobe kommt in Gestalt der herzkranken Emily - Gönner Thomas kommt ihr näher, als er eigentlich dürfte. Rosario Dawson verkörpert ihre Rolle mit wunderbarer Vertrautheit. Als einzige lebensnahe Figur macht sie so indirekt deutlich, wie überzogen die Anwandlungen dieses Films sind, in dem sie nur als Manövriermasse für einen Superstar gebraucht wird. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.1.2009)

  • Seriosität kommt mit dem Erfolg: Will Smith hört in "Sieben Leben"  genau zu und bringt anschließend Gutes in die Welt.
 
 
    foto: sony pictures

    Seriosität kommt mit dem Erfolg: Will Smith hört in "Sieben Leben"  genau zu und bringt anschließend Gutes in die Welt.

     

     

Share if you care.