
Ein weltweit bekanntes Porträt des designierten US-Präsidenten Barack Obama ist bereits vor dessen Amtsantritt ins Museum gekommen. Das Motiv des jungen kalifornischen Künstlers Shepard Fairey, das auf T-Shirts, Pickerln und Postern schon während des US-Wahlkampfes in der ganzen Welt zu finden war, hängt nun in der National Portrait Gallery in Washington.
Der NLP- und Rhetoriktrainer Stefan Gössler hat über den Erfolg Barack Obamas ein Buch geschrieben. Der "Mythos um die begeisternde Rhetorik" des künftigen US-Präsidenten werden dort gelüftet, verspricht der Klappentext. Jedermann könne von den Obamaschen Kniffen und Tricks lernen und im Alltag davon profitieren, ist sich Gössler sicher. Im Interview mit derStandard.at erklärt er, wie das funktionieren soll.
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derStandard.at: Dass Barack Obama ein guter Redner ist, ist landläufig bekannt. Was soll daran neu sein?
Stefan Gössler: Man kann Barack Obama als einen Leonardo da Vinci der Worte bezeichnen. Was er mit Worten macht, konnten bisher einfach wenig andere. In den USA ist eine emotionalere Sprache üblich als in Europa, man kennt das etwa von "axis of evil" (George W. Bushs Formulierung für Staaten, die die Sicherheit der USA bedrohen, Anm.) . Politiker dürfen dort emotionaler sprechen und eine Sprache verwenden, die in Österreich oder Deutschland nicht denkbar ist.
Während Hillary Clinton ihre Botschaft sehr viel komplexer hinüberzubringen versucht hat, hat es Obama geschafft, mit sehr einfachen Worten seine Zielgruppe zu erreichen. Er hat es geschafft, die Gemeinsamkeiten mit seinem Publikum hervorzustreichen und hat die Assoziation geweckt, er wäre sozusagen einer von ihnen, obwohl er als Harvard-Absolvent ein topausgebildeter Jurist ist. Obama scheut bisweilen auch vor billigem Populismus nicht zurück.
derStandard.at: Warum springen Sie auf den Obama-Zug auf und haben Ihr Buch nicht zum Beispiel über Heinz-Christian Strache geschrieben, der sein Publikum offenbar ebenfalls zu fesseln versteht?
Stefan Gössler: Ich analysiere seit sechs Jahren Politikerreden, um herauszufinden, wie sie die Menschen überzeugen. Was an Obama so neu ist, ist seine Gabe, verschiedene Kommunikationsmuster zu kombinieren wie kein anderer vor ihm. Wenn man sich seine Reden genauer ansieht, findet man sofort eine Anapher (Wortwiederholung am Satzanfang, Anm.) gefolgt von einer Brevitas (eine plötzliche Verkürzung, Anm.). Und so eine Verkürzung wirkt wie ein Katapult, das die Botschaft nach Hause bringt. Diese Kombination verstärkt die Aussage und bringt die Botschaft viel besser ans Publikum.
Zum Beispiel, wenn er 92 Wörter lang mit vielen Wortwiederholungen die rhetorische Frage stellt, warum John McCain die US-Mittelklasse als Menschen betrachtet, die weniger als fünf Millionen Dollar im Jahr verdienen. "How else", "why else", Obamas Sätze beginnen immer so, fast so wie in Martin Luther Kings "I have a Dream"-Rede. Am Schluss sagt Obama: "It's not because John McCain doesn't care, it's because John McCain doesn't get it." Indem er am Ende eine kurze Antwort liefert, wirkt Obama so glaubwürdig, so einprägsam auf sein Publikum.
derStandard.at: Warum wirft man in Europa guten Rednern manchmal reflexartig Dinge wie Demagogie oder Populismus vor?
Stefan Gössler: Dieser Vorwurf kommt nicht nur in Europa, sondern galt in den USA ja auch Barack Obama. Das liegt meiner Meinung nach an der Einstellung, dass, wenn man eine Sache gut kann, man unmöglich auch in einer zweiten Sache gut sein könne. Ich würde diesen Vorwurf umdrehen. Wer einem guten Rhetoriker Manipulation vorwirft, betrachtet Rhetorik als Mittel, Menschen zu manipulieren und würde es selbst auch dazu einsetzen und nicht dazu, Ideen besser zu formulieren und unser Leben zu bereichern. Obama hatte ja durchaus komplexe Botschaften, aber er hat es geschafft, allesamt anhand von Geschichten, Metaphern und Vergleichen zu erklären. Etwa wenn er auf die Mauer von Jericho, also ein alttestamentarisches Thema, zurückgreift, oder die Gründungsväter der USA zitiert, um aktuelle Themen in Geschichten einzubetten.
derStandard.at: Worin liegt das spezifisch Amerikanische an Obamas Redekunst?
Stefan Gössler: In Österreich und Deutschland haben wir nach dem Zweiten Weltkrieg aufgehört, Rhetorik zu lernen, aus Erschütterung darüber, was Rhetorik anrichten kann. Das ist aber etwa so, als würde man aufhören, Fieber zu messen, wenn man Fieber hat. In den USA ist es üblich, dass Kinder in Debattierklubs gehen, wo sie lernen zu debattieren und zu überzeugen. Deshalb haben gut ausgebildete Amerikaner meist andere rhetorische Fähigkeiten als wir und sind uns, was Rhetorik betrifft, weit voraus. Auch was das Bewusstsein in der Bevölkerung betrifft, was Sprache bewirken kann. Bei uns wird so etwas gerne als Manipulation stigmatisiert, etwa, wenn man NLP (Neurolinguistische Programmierung, Anm.) ins Spiel bringt.
derStandard.at: Stichwort NLP: warum wird diese Schule in unseren Breiten oft mit eher rechten Parteien wie FPÖ oder BZÖ in Verbindung gebracht?
Stefan Gössler: Das stimmt ja nicht, jede Partei führt NLP-Trainings durch, auch wenn sie diese mitunter anders nennt. Im Gegenteil finden manche Jungpolitiker NLP schon eher als abgeschmackt oder veraltet. Im Prinzip ist NLP ja nichts anderes als eine Therapieschule, die man dazu verwenden kann, Argumente aufzubauen. Zauberkraft ist etwas anderes. Die liegt eher in den Grundfesten der Argumentationsschule, zum Beispiel Aristoteles, Cicero oder Schopenhauer. NLP hat diese alten Meister teils vereinnahmt, Schopenhauer würde sich zum Beispiel im Grab umdrehen, wenn er wüsste, wie er oft von NLP-Trainern zitiert wird.
derStandard.at: Was soll sich der Normalverbraucher von Barack Obamas rhetorischer Kraft abschauen? Sind daran nicht schon Generationen an Politikertrainern gescheitert?
Stefan Gössler: Rhetorik besteht daraus, sich zu überlegen, was meine Botschaft ist, wie ich sie inhaltlich transportieren kann, welche Themen es rundherum gibt, und erst ganz zum Schluss, wie bringe ich sie rüber, wie stehe ich da, welche Körpersprache benutze ich. Was Rhetorik uns helfen kann ist, mehr Klarheit über die eigene Sicht der Dinge zu bekommen und die eigene Fachkompetenz besser zu transportieren. Viele Rhetorikkurse folgen einfachen Regeln, da geht es oft um die Frage, wie sage ich es, wo stehe ich und wie halte ich meine Hand, dabei sollte es um die Frage gehen: was sage ich überhaupt, mit welchen Worten kommen meine Kompetenz, Erfahrung, Wissen besser an. (flon/ derStandard.at, 11.1.2009)
Das Buch "Barack Obama: Seine Sprache, Seine Stärke, Sein Charisma" von Stefan Gössler ist kürzlich erschienen.
Link: Barack Obama
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Also ich hab mir das Buch jetzt von durchgelesen und muss sagen - es ist wirklich empfehlenswert.
Locker geschrieben, kein schwerer Rhetorik-Schinken.
Interessante Vergleiche zwischen Obama und anderen Politikern (Schröder, Lafontaine, Churchill etc).
Anschauliche Beschreibung von Obamas Erzählkunst und welche Körpersprache und Gesten er da einsetzt.
Lediglich die Übersetzung der Reden im Anhang ist eher holprig - nur da wollte der Autor halt möglichst 1:1 übersetzen und das klingt weniger gut.
Hier gibts weitere Kritiken
http://tinyurl.com/9mj7c3
ein talentierter redner - seine rede bzgl. der wright-vorwürfe war eine leistung.
aber mit seinem predigerstil kann er bei den amis punkten, in europa wäre dieser stil kaum angekommen.
erstaunlich finde ich immer noch, daß es den leuten genügt, wenn jemand immer wieder das wort change wiederholt, die leute in dieses wort alles mögliche hineinphantasieren, obwohl der sonstige inhalt sich von den anderen kandidaten so gut wie nicht unterscheidet.
mich erinnert das frappant an jelzins "in 500 tagen zum kapitalismus" - das wollten die leute genauso glauben und sind dem jelzin hinterhergerannt, bis sie bemerkten, daß das bloß ein wahlgag gewesen war.
und die ernüchterung war gewaltig.
eine ähnliche situation könnte in den usa auftreten.
auf unsere Politiker übertragen läßt sich das nur insoweit, dass ich bei keinem den Eindruck habe, jemals an seiner Rhetorik wirklich gearbeitet zu haben. Warum: weil jede Rhetorik, respektive jedes spezifische Training letztlich auf Kompetenz beruht - und auf diesem Fundament kann leider hier schon lange keiner mehr aufbauen.
Das Aufsagen von Schlagwörtern mit emotionaler Tünche ist für mich sicher keine Rhetorik!!
Obama und McCain über Abtreibung:
http://www.youtube.com/watch?v=Mem_xEcZHVY (50s)
Langfassung: http://www.youtube.com/watch?v=X... re=related
es ist fast zum Lachen, andererseits aber auch zum Weinen.
Obama möchte am 21. Jänner 2009 ein Gesetz verabschieden, das Abtreibungen fördert.
Mehr dazu hier: „USA: Präsident nur der Geborenen“:
http://www.zenit.org/article-1... 4?l=german
grundsätzlich und überhaupt halte ich nlp-gelabere für überflüssig. es fällt mir schwerstens auf die ****.
herr gössler, dieser trittbrettfahrer, erwähnt jedenfalls in diesem interview kein einziges mal die körpersprache des redners obama. damit ist zu gösslers rhetorikverständnis alles notwendige gesagt.
"Jedermann könne von den Obamaschen Kniffen und Tricks lernen und im Alltag davon profitieren, ist sich Gössler sicher. "
Zur Präzision: Jeder einzelne hat grundsätzlich die Fähigkeit, die Kniffe zu lernen, jedoch bringen sie nur einen Vorteil, wenn die Leute, die das tun, wenige bleiben - denn wenn alle denselben Vorteil haben, ist es kein Vorteil mehr.
Den scharfen Verstand als Rednergabe zu betrachten, die der Rhetorik diene, ist ein guter Anfang für den Nebel der Verschleierung die Obama als brillianter Denker auswiese.
Die Unterscheidung zu unseren Polittrucks liegt in dem was er drauf hat, das hat er auch drinnen.
Ohne Spitzfindigkeit gedacht, er braucht der Lüge Unterstützung nicht, weil eine Vision keine Lügen braucht.
Allen die mit nun mit "Hä?" fragen der freundliche Rat - ich spiele weiter was ich will - ihr tanzt weiter immer Walzer.
Von Obama kann man nur seine Show lernen, solange man selber nicht weis, was dahinter steckt.
Ich will ja nichts böses unterstellen, aber wenn da nur von Sprachmustern die Rede ist, dann zweifle ich schon vorab ein bisschen, ob in dem Buch auch die Inhalte zu Wort kommen, oder doch nur die Verpackung.
gerlernte schreiber sind schlecht, gelernte redner sind lügner und natürlich auch schlechte redner können auch lügner sein und natürlich auch gerlernt, heißt nicht gut aber auch nicht schlecht.
obama ist sicher ein lügner. der vergleich mit dem populären präsidenten in den sechzigern ist gut, den wer hat den Viatnamkrieg angefangen und keiner weiß es? trotzdem ist es sehr bemerkenswert das amerika einen schwarzen gewählt hat.
"Im Prinzip ist NLP ja nichts anderes als eine Therapieschule, die man dazu verwenden kann, Argumente aufzubauen."
muß man dazu noch etwas sagen?
ja vielleicht: ich bin ein sehr friedliebender mensch, aber mich wundert wirklich, dass agressivere zeitgenossen nicht nlp-lern wie herrn gössler öfter einfach mit der faust antworten.
ich würde es wirklich verstehen, wenn auch selber niemals machen.denn: was soll man da noch sagen? wenn der sprecher nicht weiß was für einen unsinn er da redet, hilft kein darüber reden, und wenn er es weiß, lügt er sowieso weiter.
http://www.nlpzentrum.at/prop/
Neurolinguistische Psychotherapie ist in Österreich eine eigene Therapieform.
NLP an und für sich anrechenbarer Teil des Propädeutikums.
Wissen SIe nicht oder lügen Sie weiter?
Und sollte er vor allem in dem Bereich keine Erfolge vorzeigen können, kann er seine Wiederwahl wahrscheinlich vergessen. Da werden ihm dann auch alle Redekünste nichts helfen.
"Er hat es geschafft, die Gemeinsamkeiten mit seinem Publikum hervorzustreichen und hat die Assoziation geweckt, er wäre sozusagen einer von ihnen"
Das ist doch völliger Unsinn. Gerade seine Abgehobenheit, sein elitäres Auftreten sind doch im Wahlkampf eines seiner großen Probleme gewesen (siehe beispielsweise "Bittergate").
Und wenn die Lage im Herbst 2012 ähnlich oder sogar noch schlechter als heute ist, wird Obama die Wahl 2012 verlieren, weil er in dem Falle mit seinen großen Versprechungen kläglich gescheitert wäre.
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