Hausverlosung voll im Trend

8. Jänner 2009, 15:16
115 Postings

Statt ihre Liegenschaft einfach über einen Makler zu verkaufen, veranstalten Hauseigentümer neuerdings private Lotterien. Beobachter raten zur Vorsicht

Per Los zum Traumhaus: Die "1. steirische Landhausverlosung" startet in wenigen Tagen mit dem Losverkauf, in Kärnten ist die Verlosung einer Landvilla bereits voll im Gang, am 20. Jänner wird der glückliche Gewinner gezogen. Und auch am Semmering gibt es neuerdings per Privat-Gewinnspiel ein Haus zu gewinnen.

Das Finanzministerium veröffentlichte am Mittwoch eine Stellungnahme (siehe unten), in der es klarstellt, dass das Glücksspielmonopol des Bundes von diesen Privatverlosungen nicht berührt wird - vorausgesetzt, es handle sich um keine nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen, wobei es vor allem auf die Wiederholungsabsicht ankommt: Diese darf nicht gegeben sein.

Experten raten ab

Konsumentenschützer beobachten diese Entwicklung dennoch wachsam und raten dazu, keine unüberlegten Schritte zu setzen. "Wenn jemand über den normalen Weg wie über einen Immobilienmakler eine Immobilie nicht loskriegt, wird es einen Haken geben", argwöhnt Karl Kollmann von der Wiener Arbeiterkammer.

Andreas Wollein, Maklersprecher des Österreichischen Verbands der Immobilientreuhänder (ÖVI), hält die Entwicklung überhaupt für "sehr gefährlich". Weniger für die Makler, wohlgemerkt, sondern für die Loskäufer. "Man weiß nicht, ob alle Lose an der Verlosung tatsächlich teilnehmen", meint er - nicht ohne explizit darauf hinzuweisen, dass er den bisherigen Anbietern keinesfalls solche Machenschaften unterstellen wolle.

Steuern und Gebühren nicht vergessen

Es bestünden aber weitere riesige Unsicherheiten: So sei etwa oft nicht klar, von welchem Betrag die Grunderwerbssteuer (üblicherweise 3,5 Prozent vom Kaufpreis) und die Gebühr für die Eintragung ins Grundbuch (1 Prozent) bezahlt werden müsse. Diese Gebühren werden außerdem normalerweise vom Käufer bezahlt, mehrere Hausverloser haben angekündigt, diese zu übernehmen - sie sind offenbar im erwarteten Losverkaufs-Erlös einkalkuliert.

Beachtet werden sollten auch die späteren Betriebskosten des Hauses, insbesondere dann, wenn die von den privaten Glücksspiel-Betreibern erstellte Homepage dazu keine oder unzureichende Angaben macht, sagt Kollmann. Dies gelte auch für den Fall, dass Interessenten das Recht verweigert wird, das begehrte "Traumhaus" zu besichtigen. Unbedingt empfohlen wird außerdem ein Blick in den Flächenwidmungsplan, ob nicht größere verkehrstechnische Umbauten in der näheren Umgebung des Hauses geplant sind.

Spekulationsfrist bei Weiterverkauf beachten

Falls man als Teilnehmer einer solchen privaten Lotterie ohnehin vorhat, die Immobilie nach dem glücklichen Erwerb sofort weiterzuverkaufen, muss noch ein weiterer Umstand beachtet werden: Wird eine Liegenschaft nämlich innerhalb von zehn Jahren (=Spekulationsfrist) nach dem Erwerb weiterverkauft, muss die Differenz zwischen Einkaufspreis und Verkaufserlös im Rahmen der Einkommensteuer versteuert werden. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn der Eigentümer seit der Anschaffung mindestens zwei Jahre seinen Hauptwohnsitz an der erworbenen Adresse hatte.

"Vorübergehender Hype"

AK-Experte Kollmann sieht in dem Trend zu Hausverlosungen einen "vorübergehenden Hype", ÖVI-Maklersprecher Wollein hält es überhaupt für "ausgeschlossen, dass das zu einer Vermarktungsform wird", und verweist darauf, dass es seit Jahresbeginn auf Grund des neuen "Feilbietungsrechtsänderungsgesetztes" (FRÄG) die Möglichkeit gibt, Liegenschaften im Rahmen eines privaten Versteigerungsverfahrens zu vermarkten. (Martin Putschögl, derStandard.at, 7.1.2009)

Linktipps

Stellungnahme des Finanzministeriums

www.meingrundstueck.at - Informationen der AK und der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten rund um den Hauskauf

Komment@r

Traumhauslotto mit Luftschlossgarantie

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.