Viele Wiener Obdachlose nächtigen weiter im Freien

8. Jänner 2009, 15:06
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Einige mussten bereits wegen Erfrierungen medizinisch versorgt werden

Wien - Temperaturen von unter minus 20 Grad bescheren Österreich in den kommenden Tagen sibirische Wetterverhältnisse. Das sind lebensbedrohliche Witterungszustände für Obdachlose. Obwohl es genügend Plätze in den Notquartieren gibt, schlafen etwa in Wien viele auch bei Minusgraden im Freien. Der Körper kühlt schnell aus. Einige von ihnen mussten bereits wegen Erfrierungen an Fingern und Zehen medizinisch versorgt werden.

Die Helfer sind in Alarmbereitschaft: "Wir verteilen winterfeste Schlafsäcke und versuchen die Betroffenen zu überreden, ein Quartier für die Nacht aufzusuchen," erzählte Susanne Peter, Sozialarbeiterin in der Caritas-Einrichtung Gruft. Eigentlich müsste in Wien niemand auf der Straße schlafen - denn laut den Betreibern der Quartiere seien ausreichend Plätze vorhanden. Der Fonds Soziales Wien (FSW) fördert 320 Plätze, zusätzlich stehen in der Gruft 120, im Vinzi-Bett 50, in der Vinzi-Rast 55 sowie im "KuckucksNest" 45 Plätze zur Verfügung.

Doch Tatsache ist: Rund 300 Menschen nächtigen trotzdem in der klirrenden Kälte. "Die wenigsten schlafen freiwillig im Freien. Aber aus unterschiedlichen Gründen wollen sie die vorhandenen Angebote nicht annehmen", erzählte Peter. Meistens handelt es sich dabei um psychische Probleme, die die Betroffenen haben. "Schwere Depression und Schizophrenie", nannte sie als Beispiele. "Viele schaffen es nicht Amtswege zu erledigen oder haben grundsätzlich kein Vertrauen in Fremde."

Zusätzlich leiden viele an Suchtprobleme mit Alkohol und Drogen. "Viele Schlafstellen ein Minimum Reglements wie zum Beispiel Alkoholverbot oder Haustierverbot", erzählte Hannes Schindler von Verein Wiener Sozialprojekte. Auch das hält die Betroffenen davon ab, einen Nächtigungsplatz aufzusuchen.

"Die Kälte ist ein großes Problem für diese Menschen", meinte Antonia Schubert von der Notschlafstelle KuckucksNest, "Für sie ist das Erfrieren eine größere Gefahr als das Verhungern." Peter stimmte zu: "Die Gefahr ist besonders dann gegeben, wenn sich die Obdachlosen nicht auf geschützte Plätze zuzurückziehen können." (APA)

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