Ex-Finanzminister weist jede Schuld von sich

8. Jänner 2009, 14:46
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Ferdinand Lacina kritisiert geringe Streuung

Wien - Ferdinand Lacina, Aufsichtsratsmitglied der Bank Medici, hat vor dem Aufkommen des mutmaßlichen Milliardenbetrugs um den ehemaligen US-Finanzguru Bernard Madoff nicht gewusst, dass das kleine Wiener Geldhaus 80 Prozent seiner Provisionen mit Madoff-Fonds verdiente. Das sagte der ehemalige SP-Finanzminister laut der am Freitag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Format". Lacina gestand aber ein, "dass ein großer Teil der Provisionen aus einer Hand voll Fonds" gekommen sei. "Das kann man kritisieren."

"Kein Anlass zu Misstrauen"

Lacina habe den Namen Madoff zum ersten Mal gehört, als sein Schneeballsystem publik wurde, sagte er im Interview mit dem Magazin. Die von der Bank Medici verkauften Fonds "waren Fonds der Bank HSBC. Ich weiß nicht, ob irgendwer im Aufsichtsrat wusste, dass sich die eines zweiten Treuhänders bedient hatten", so der Ex-Politiker. Wenn Lacina von der Verbindung zu Madoff gewusst hätte, wäre "vermutlich auch kein Verdacht aufgekommen". Die Entwicklung der Fonds habe keinen Anlass zu Misstrauen gegeben.

Sonja Kohn, die Mehrheitseigentümerin und Aufsichtsratschefin der Bank Medici, stehe "vor den Trümmern ihres Lebenswerkes", sei "zutiefst enttäuscht und fühle sich "außerordentlich schlecht", so Lacinas Eindruck nach den Gesprächen der vergangenen Tage.

Am Freitagvormittag tagt der Aufsichtsrat der Bank Medici. Dieser wird sich mit dem Zukunftskonzept des Instituts in der Wiener Innenstadt befassen. Nach der Sitzung sollen die neuen Manager präsentiert werden. Bankchef Peter Scheithauer und Vorstand Werner Tripolt waren mit 2. Jänner 2009, an dem die Finanzmarktaufsicht (FMA) einen Aufpasser in die Bank schickte, zurückgetreten. Tripolt soll Kreisen zufolge wieder zurückkehren, Scheithauer von einem Banker mit internationaler Erfahrung ersetzt werden.

Der Regierungskommissär Gerhard Altenberger hat der Bank noch keine konkreten Geschäfte untersagt, hieß es am Donnerstag zur APA. Er hat die Aufgabe, Gelder von Gläubigern zu schützen. (APA)

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