Wiener Psychiatrie: Laut Spitälerchef keine "Missstände"

8. Jänner 2009, 14:52
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Eine Befragung von betroffenen Patienten ist in der Untersuchung nicht vorgesehen - Marhold: Inzwischen gibt es ein Beschwerdemanagement

Im Rahmen der von ÖVP, Grüne und FPÖ eingesetzten gemeinderätlichen Untersuchungskommission sollen mutmaßliche Missständen in der Psychiatrie erörtert werden. Eine Befragung von betroffenen Patienten ist nicht vorgesehen. Eine solche wird von der SPÖ, die in der Kommission über eine Mehrheit verfügt, nicht als sinnvoll erachtet.

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Wien - Gibt es nun, wie von der Opposition behauptet, "gravierende Missstände" in Bereichen der Wiener Psychiatrie, oder nicht? - Diese Frage stand am Donnerstag im Mittelpunkt der Vernehmung des Generaldirektors des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV), Wilhelm Marhold, in der Psychiatrie-U-Kommission. Von Marhold kam dazu heute ein klares Nein.

Sämtliche Prüfungen hätten ergeben, dass die im Herbst 2007 erhobenen Vorwürfe nicht zutreffen. Die internen Erhebungen seien dabei auch unangemeldet durchgeführt worden, berichtete Marhold: "Auch die Staatsanwaltschaft hat Vorfälle geprüft und das Verfahren mittlerweile eingestellt." Was es in der Psychiatrie gebe, sei ein seit vielen Jahren andauernder Umstrukturierungsprozess: "Das ist kein Missstand." Was nicht bedeute, dass keine Fehler passieren könnten. Um mit solchen umzugehen, gebe es im KAV inzwischen jedoch ein strukturiertes Beschwerdemanagement, erklärte der Spitälerchef.

Fachärztemangel am Otto-Wagner-Spital

Marhold gab in seiner Befragung auch Auskunft über die Ausbildungssituation am Otto-Wagner-Spital (OWS). Er gestand ein, dass es einen Fachärztemangel gebe, dem man allerdings mit Ausbildungsinitiativen entgegenwirken wolle. "Inhaltlich mache ich mir überhaupt keine Sorgen", so Marhold. Das OWS sei sehr anerkannt und habe sich zuletzt etwa mit Themen wie "Gewalt in der Psychiatrie" beschäftigt.

Jährlich 7.000 Patienten

Laut Marhold werden im OWS jährlich 7.000 Patienten stationär auf den psychiatrischen Abteilungen aufgenommen. Dazu kommen 25.000 ambulante Behandlungen. Dass viel Kritik von Angehörigen kommt, kann laut Marhold unter anderem mit deren spezieller Situation zusammenhängen: "Gerade in der Psychiatrie ist das Leid, das Angehörige miterleben müssen, ein sehr großes." Oft sei es nicht möglich, die Krankheit eines Betroffenen zu heilen, sondern nur zu lindern.

 Für den 22. Jänner ist unter anderem die Aussage von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) vorgesehen. Am 30. Jänner werden die frühere Gesundheits- und jetzige Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ) sowie Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) von der Kommission befragt. (APA)

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