Manuel Legris wird ab 2010 neuer Ballettdirektor für Staatsoper und Volksoper

8. Jänner 2009, 13:07
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Französischer Tänzer aus der Schule von Rudolf Nurejew wird Nachfolger von Gyula Harangozo

Wien/Paris - Der französische Tänzer Manuel Legris wird neuer Direktor des Balletts der Wiener Staatsoper und Volksoper ab 2010, gaben die Bundestheater am Donnerstag bekannt. Der Nachfolger des derzeitigen Ballettdirektors Gyula Harangozo erhält einen mit 1. September 2010 startenden Fünfjahresvertrag, der auch die künstlerische Leitung der Ballettschule der Wiener Staatsoper einschließt.

Der gebürtige Pariser Legris (44) wurde an der Ballettschule der Pariser Oper ausgebildet und mit 16 Jahren ins Corps de ballet der Pariser Oper aufgenommen. 1986 wurde er auf der Bühne der Metropolitan Opera in New York vom damaligen Ballettdirektor der Pariser Oper, Rudolf Nurejew, in den Rang eines Danseur Etoile erhoben. Als Tänzer war er an der Wiener Staatsoper bereits mehrfach zu sehen, ein enges Verhältnis verband ihn vor allem mit dem ehemaligen Ballett-Direktor Renato Zanella, der auch mehrere Werke für ihn kreierte. Vor einem Jahr wurde ihm der Vorschlag, nach Wien zu gehen, erstmals unterbreitet, für die Entscheidung nahm er sich allerdings Zeit. Mit Dominique Meyer ist er seit 20 Jahren aus der gemeinsamen Arbeit an der Pariser Oper bekannt.

Langjährige Wien-Kontakte

Legris war nicht nur einer der wichtigsten Tänzer an der Pariser Oper und tanzte in Choreographien von William Forsythe, John Neumeier, Jiri Kylian, Maurice Bejart oder Mats Ek, sondern absolvierte mit seiner Kompanie "Manuel Legris et ses Etoiles" auch regelmäßig internationale Gastspiele.

An der Wiener Staatsoper war Manuel Legris 1985 erstmals als Gastsolist zu sehen. Seinen bisher letzten Auftritt in der Staatsoper absolvierte er 2003 in der "Nurejew-Gala" mit dem Pas de deux aus "Der Nussknacker" und dem Pas de deux aus "Romeo und Julia". 2008 war er in der Ballett-Gala von ImPulsTanz in Auszügen aus Angelin Preljocajs "Le Parc" im Burgtheater zu sehen.

"Mit der Bestellung von Manuel Legris zum neuen Leiter des Balletts der Wiener Staatsoper und Volksoper ab September 2010 wird die Zukunft des Wiener Balletts einer Persönlichkeit anvertraut, die in der Ballettwelt höchstes Ansehen genießt", meinte Kulturministerin Claudia Schmied in einer ersten Reaktion, Legris habe eine Ruf "als einer der führenden Tänzer unserer Zeit".

Aus der Schule von Rudolf Nurejew

Mit dem künftigen Wiener Staatsoperndirektor Dominique Meyer ist Legris langjährig verbunden, "viele gemeinsame Auffassungen" begründeten für Meyer seine Wahl. Gutes Einvernehmen zwischen den Direktoren war in den vergangenen Jahren Mangelware, Legris' Vorgänger Gyula Harangozo hatte über fehlende Kommunikation mit der Operndirektion geklagt. "Ich kenne Manuel Legris seit 20 Jahren, seit ich Intendant an der Pariser Oper war. Wir haben viele gemeinsame Auffassungen und haben uns immer gut verstanden", begründete der designierte Direktor der Wiener Staatsoper, Dominique Meyer, seine Entscheidung, den französischen Tänzer ab 2010 zu seinem Ballettdirektor zu machen. "Legris kommt aus der Schule von Rudolf Nurejew, der ihn entdeckt hat. Das ist für Wien nicht unwichtig. Er ist ein großer Künstler mit großer tänzerischer Erfahrung. Er genießt dank seiner Gastspiele überall großes Ansehen und ist Garant für die künftige internationale Ausstrahlung unseres Balletts."

Legris habe als Tänzer selbst ein großes Repertoire, betonte der künftige Staatsoperndirektor. "Er hat fast alle klassischen Stücke in fast allen wesentlichen Versionen getanzt. Er hat mit den wesentlichen Choreographen gearbeitet. Das bedeutet für uns auch eine große Sicherheit, etwa was die Rechte angeht, denn sie vertrauen ihm und seiner Arbeit." Legris müsse im Frühling an der Pariser Oper als Tänzer in Pension gehen, weil dafür eine Altersgrenze von 45 Jahren vorgesehen sei, habe aber auch mit seiner eigenen Truppe bereits viel Auslands-Erfahrung gesammelt, etwa auf regelmäßigen Japan-Gastspielen. "Dadurch ist er gleichzeitig reif und frisch", schmunzelte Meyer.

Gemeinsamkeit des Balletts

Eine Verlängerung von Gyula Harangozo sei für ihn nicht zur Debatte gestanden, sagte Meyer. "Manuel Legris kennt Wien und das Wiener Ballett, weil er immer wieder hier gastiert hat. Ich werde ihm die größtmögliche Unterstützung zukommen lassen." Als Mentor und Lehrer ist Legris erprobt, in Wien wird der Tanzkünstler sich allerdings auch mit den zahlreichen organisatorischen Baustellen der Zwei-Häuser-Kompanie befassen müssen.

An den Strukturen, also an der Gemeinsamkeit des Balletts der Wiener Staatsoper und Volksoper, will Meyer zunächst nichts ändern: "Ich habe damit noch zu wenig Erfahrung. Wir bleiben bei dem heutigen System und werden uns in Ruhe ansehen, wie sich das entwickelt. Dabei ist zunächst vor allem der Inhalt wichtig. Ein Ballett wie in Wien soll in allen Bereichen erstklassig sein. Wir brauchen die klassischen Stücke in den besten Fassungen, daneben aber auch die wichtigen Stücke des 20. Jahrhunderts, von den Ballets Russes bis zu Balanchine. Und natürlich auch neue Stücke mit heutigen Choreographen."

Biografie Manuel Legris

Manuel Legris' bisherige Laufbahn war auf Paris konzentriert. Am 10. Oktober 1964 ebendort geboren und an der Ballettschule der Pariser Oper ausgebildet, wurde er mit 16 Jahren ins Corps de ballet aufgenommen, schon ein Jahr später avancierte er in den Coryphee-Rang, ein weiteres Jahr darauf zum Sujet. Unter dem damaligen Pariser Ballettdirektor Rudolf Nurejew erklomm Legris dann rasch eine steile Karriereleiter. Den Rang des "premier danseur" überspringend, machte Nurejew ihn 1986 auf der Bühne der Metropolitan Opera in New York zum Etoile.

In Paris hatte er bald alle bedeutenden Rollen des "grand repertoire" getanzt, nahm an beinahe jeder Uraufführung teil und erarbeitete sich den Ruf, bei fehlerloser Technik stets höchste Expressivität zu liefern. Neben klassischen und romantischen Rollen machte er sich mit den Jahren aber auch als Vertreter zeitgenössischen Tanzschaffens einen Namen. So arbeitete Legris mit Choreographen wie William Forsythe, John Neumeier, Jiri Kylian, Jerome Robbins, Roland Petit oder Maurice Bejart und gastierte auf allen wichtigen Bühnen der Welt: Neben der Mailänder Scala, der New Yorker Met, dem Moskauer Bolschoi-Theater und dem Mariinski-Theater in St. Petersburg war Legris auch schon einige Male in Wien zu sehen.

Seit Debüt an der Staatsoper gab er am 27. Jänner 1985 als Béranger in Nurejews "Raymonda". Neben Nurejew-Choreographien gastierte er allerdings auch mehrmals mit Werken von Kenneth MacMillan, John Neumeier und Roland Petit in Wien. Im Jahr 2000 nahm das Staatsopernballett Legris mit zu einem Gastspiel von "Manon" in Madrid, der ehemalige Direktor Renato Zanella kreierte für Legris das Solo "Angel" sowie die Partie "Kobold" für die ORF-Übertragung des Neujahrskonzerts 2001 der Wiener Philharmoniker. 2002 brachte Manuel Legris in Japan mit seinem Ensemble Zanellas "Alles Walzer" und "Angel" zur Aufführung. Zuletzt war der Etoile in Wien im Sommer 2008 im Rahmen des ImPulsTanz-Festivals mit Auszügen aus Angelin Preljocajs "Le Parc" im Burgtheater zu sehen.

Neben seinen Erfolgen als Tänzer widmet sich Legris schon seit vielen Jahren der Nachwuchsförderung. Bei Wiederaufnahmen an der Pariser Oper wurde Legris mehrmals als Probeleiter mit der Einstudierung beauftragt, junge Tänzer bereitet er für die Auswahlverfahren zum Aufstieg in der Ballett-Hierarchie vor und seit 1996 gibt er mit seiner eigenen Compagnie "Manuel Legris et ses Etoiles" jungen Tänzern die Möglichkeit, herausfordernde Solorollen zu lernen und auf großen, internationalen Bühnen aufzutreten. Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die Legris im Laufe seiner Karriere erhielt gehört etwa der Nijinsky-Preis, der ihm zweimal (1988 und 2000) zugesprochen wurde oder 1998 der Prix Benois de la Danse. Von der französischen Regierung wurde er zum Officier des Arts et Lettres und Chevalier de la Légion d'Honneur ernannt. (APA)

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