Justiz stellt Konten mit Dividenden­einnahmen in Millionenhöhe sicher

8. Jänner 2009, 12:13
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Erste Entscheidung über strittiges S&T-Pflichtoffert in Kürze

Wien - In der Causa um die strudelnde Kärntner Beteiligungsgesellschaft AvW wurde einem weiteren Antrag des Anlegeranwalts Erich Holzinger stattgegeben. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt hat insgesamt 3,34 Mio. Euro Dividendeneinnahmen auf zwei AvW-Konten sicherstellen lassen, berichtete das "WirtschaftsBlatt" am Donnerstag. Holzinger will nun auch die Erlöse aus dem kürzlich erfolgten Verkauf der AvW-Anteile an der deutschen Software-Firma nextevolution beschlagnahmen lassen, sagte er am Donnerstag.

Ein entsprechendes Gesuch will der Jurist, der mehrere hundert Geschädigte vertritt, noch heute wegschicken. Per 30. Dezember hatte die AvW ihre Anteile an nextevolution von über 20 auf 0 Prozent reduziert.

Bei der Prüfung des strittigen Pflichtofferts der AvW an den IT-Dienstleister S&T durch die heimische Übernahmekommission soll es "in kurzer Zeit" eine erste Entscheidung geben, hieß es aus der Behörde am Donnerstag zur APA. Zumindest die weitere Vorgehensweise solle bald feststehen. Die AvW müsste wie berichtet ein Offert an alle S&T-Aktionäre legen, weil sie seit Ende Dezember 38,22 Prozent an dem Wiener börsenotierten Konzern hält, bestreitet aber das rechtmäßige Zustandekommen der Beteiligungserhöhung.

Sonderdividende

Bei dem von der Staatsanwaltschaft sichergestellten 3,34 Mio. Euro handelt es sich laut "WirtschaftsBlatt" um die Sonderdividende der deutschen Realtech AG, an der die AvW mit 16 Prozent beteiligt ist. Das Geld liege bei der Raiffeisen-Bezirksbank Klagenfurt sowie bei der Capital-Bank-Grawe-Gruppe AG in Wien. Die AvW Invest hatte den Mittelzufluss aus der Realtech-Beteiligung am 15. Dezember bekanntgegeben. AvW-Anwalt Franz Großmann hat gegen die Beschlagnahmung - wie auch gegen alle anderen bereits erfolgten Anträge von Anlegervertretern - bereits Rechtsmittel ergriffen, bestätigte er heute der APA.

Indes schilderte der ehemalige AvW-Vorstand und frühere Hauptvermittler von AvW-Genussscheinen, Hans Linz, bei der steirischen Kriminalpolizei die Vorgänge bei der AvW, wie das "WirtschaftsBlatt" weiter berichtete. Der ehemalige Präsident und langjährige Hauptsponsor des DSV Leoben will 2001 als AvW-Invest-Vorstandsmitglied mehrere Blanko-Unterschriften geleistet haben, gab er laut Zeitung bei den Ermittlern an. Wegen der Kapitalgarantie bei den Genussscheinen solle die AvW laut Linz damals ein "Problem" mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) gehabt haben. (Bei den alten, bis 1999 begebenen Papieren gab es eine Kapitalgarantie, bei den neuen nicht mehr, Anm.) Nach einem Treffen mit der FMA sei "dieses Problem plötzlich beseitigt gewesen", zitierte die Zeitung aus dem Vernehmungsprotokoll. Auf Druck der FMA sollen rund 30.000 Euro von der AvW-Privatstiftung in die AvW geflossen sein. Laut Großmann sind Linz' Aussagen an den Haaren herbeigezogen.

Linz hat laut dem Bericht unter anderem rund 30 Mio. Euro Anlegergelder bar einkassiert. Bei der Kriminalpolizei habe Linz zugegeben, Barbeträge "für verschiedene Geschäfte wie das Sponsoring des DSV Leoben, Kauf und Umbau meiner Ferienanlage und Werbung" verwendet zu haben. Allein in den Fußballklub sollen "ungefähr zehn Millionen" geflossen sein.

Der AvW war laut Eigenangaben aufgrund eigenmächtiger Geschäfte ihres Ex-Prokuristen ein "Liquiditätsengpass" entstanden. Der ehemalige Mitarbeiter wurde am 18. Dezember nach fast zwei Monaten aus der U-Haft entlassen. Ihm wurde Untreue vorgeworfen. Seit Oktober bleiben rund 12.000 Anleger auf mehr als 152.000 Genussscheinen der AvW Gruppe sitzen, weil die Firma von Wolfgang Auer von Welsbach den Rückkauf eingestellt hat. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat die AvW wegen gesetzeswidriger Klauseln bei den Papieren verklagt.

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