Frauenanteil bei Teilzeitarbeit 2007 bei 85,9 Prozent

8. Jänner 2009, 12:36
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Auch geringfügige Beschäftigung und freie Dienstverträge Frauendomäne: Spiegelbild der Anforderungen, Familie und Beruf zu vereinbaren - Institut plädiert für mehr Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Erwerbs- und Lebensformen

Wien - Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat am Donnerstag Zahlen zur gerungfügigen Beschäftigung und Teilzeitarbeit vorgelegt: Beide waren auch 2007 weiblich dominiert. Der Frauenanteil in der Teilzeitbeschäftigung machte 85,9 Prozent aus, in der geringfügigen Beschäftigung 69,4 Prozent und die freien Dienstverträge (51,9 Prozent) wurden ebenfalls überdurchschnittlich stark von Frauen genutzt. Dagegen waren die selbstständigen Tätigkeiten und die Leiharbeit (Frauenanteil: 18,7 Prozent) überproportional von Männern besetzt.

Steigerung der Durchlässigkeit von Nöten

Diese große geschlechtsspezifische Konzentration spiegle die Anforderungen wider, Familie und Beruf zu vereinbaren, so das Wifo. Eine vorausschauende Arbeitsmarktpolitik sollte daher einer beschäftigungsspezifischen Aufteilung auf dem Arbeitsmarkt durch Steigerung der Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Erwerbs- und Lebensformen entgegenwirken. Es bedürfe daher den Zugang und die Teilnahme an Aus- und Weiterbildung, die Neuausrichtung von Betreuungseinrichtungen oder die Bereitstellung öffentlicher Infrastruktur, so das Wifo.

Knapp 780.000 Personen teilzeitbeschäftigt

Insgesamt wurden im Jahr 2007 in Österreich durchschnittlich 3,344.000 aufrechte unselbstständige Beschäftigungsverhältnisse beziehungsweise 3,227.400 aktive Beschäftigungsverhältnisse (ohne Präsenzdiener und Personen mit Kindergeldbezug) verzeichnet, so das Wifo, das sich dabei auf Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger bezog.

Der Mikrozensus der Statistik Austria wies hingegen 3,450.200 unselbstständig Beschäftigte aus (davon 137.500 geringfügig Beschäftigte). 779.200 Personen gaben an, im Jahr 2007 teilzeitbeschäftigt gewesen zu sein. Die Zahl der Leiharbeitskräfte machte nach Angaben des Wirtschaftsministeriums 66.688 aus. Knapp 40 Prozent waren in der Industrie tätig und 37,1 Prozent in Gewerbe, Handwerk und Dienstleistungen.

Im Jahr 2007 verzeichnete der Hauptverband laut Wifo 26.100 freie Dienstverträge. Sie sind eine Hybridform zwischen unselbstständiger und selbstständiger Beschäftigung.

Zahlen zu Selbstständigkeit unklar

Wie viele ÖsterreicherInnen selbstständig tätig waren, könne hingegen nicht exakt gesagt werden. Laut Ministerium gab es 392.400 hauptbeschäftigte Selbstständigen, nach Wifo-Schätzung waren es 395.800 Selbstständige (einschließlich der freien Berufe). Der Hauptverband verzeichnete 458.700 pflichtversicherte selbstständige Beschäftigungsverhältnisse (einschließlich 38.100 neuer Selbstständiger). Der Mikrozensus wies 577.700 Selbstständige auf.

Die Beschäftigungsquote der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung reichte 2007 von 64,5 Prozent beziehungsweise 66,6 Prozent (aktive Unselbstständige laut Hauptverband plus Wifo-Schätzung der Selbstständigen) bis 71,4 Prozent (Mikrozensus).

Relativ breite soziale Absicherung

Im europäischen Vergleich sind die einzelnen Beschäftigungsformen laut Wifo in Österreich relativ breit sozial abgesichert. Zahlreiche verbliebene Ungleichbehandlungen zwischen den einzelnen Formen im Arbeitsrecht gehen auf die zunehmend verschwimmende Grenze zwischen abhängiger Beschäftigung und Selbstständigkeit zurück, so die WirtschaftsforscherInnen. Die sozialrechtliche Integration sowie die Ausdehnung der Arbeitslosenversicherung, die verpflichtende betriebliche Altersvorsorge und ähnliche Maßnahmen für freie Dienstverträge seien wesentliche Schritte in Richtung einer gleichberechtigten Absicherung auch alternativer Beschäftigungsformen. (APA)

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