Deutsche Zeitungsverleger erwarten harten Rückschlag

8. Jänner 2009, 11:19
posten

Aber keine Krise wie in den Jahren 2001/2002 - BDZV-Präsident Heinen: "Die Branche ist aus sich heraus stark genug, einiges zu überstehen", ein "wirtschaftliches Rettungspaket ist nicht nötig"

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) erwartet einen harten konjunkturellen Rückschlag für die Branche, aber keine Krise wie in den Jahren 2001/2002. "Für die erste Jahreshälfte 2009 gehen wir von einem Anzeigenrückgang bis zu zehn Prozent aus", sagte BDZV-Präsident Helmut Heinen. Nach dem Sommer sei aber eine Belebung durchaus möglich. "Ich erwarte keine nachhaltig katastrophale Entwicklung", betonte Heinen. "Die Branche ist aus sich heraus stark genug, einiges zu überstehen. Ein wirtschaftliches Rettungspaket ist nicht nötig."

Tageszeitungen in Ballungsräumen und Ostdeutschland besonders betroffen

Bereits im vierten Quartal 2008 sind laut Heinen die Anzeigenumsätze um etwa acht Prozent eingebrochen. Da die Rückgänge bei den Stellenangeboten überdurchschnittlich stark ausfielen, seien Tageszeitungen in Ballungsräumen besonders betroffen. Insgesamt sei aber derzeit noch viel Kaufkraft in Deutschland vorhanden. "Die Lage ist im Moment nicht so schlecht wie die Erwartungen." Zeitungen in strukturschwachen Gebieten - zum Beispiel in Teilen Ostdeutschlands - seien wegen des höheren Anteils der Vertriebserlöse und der geringeren Bedeutung des Stellenmarktes weniger konjunkturanfällig.

Trend zu Kooperationen von Mantelredaktionen

Heinen rechnet damit, dass angesichts der Einnahmerückgänge einzelne unrentable Lokalausgaben eingestellt werden. "Das wird aber keine flächendeckende Entwicklung sein, die Vielfalt ist nicht gefährdet." Außerdem sieht Heinen einen Trend zu Kooperationen von Mantelredaktionen, die überregionale Seiten für mehrere Zeitungen produzieren. "Ich halte solche Kooperationen für wünschenswert", betonte er. "Eine Zeitung aus Süddeutschland kann durchaus mit einer Zeitung aus Westdeutschland im Bereich der Auslandskorrespondenten, der Bundespolitik oder der Wirtschaft zusammenarbeiten." Wichtig sei, dass ein Verbund nicht nur innerhalb der Titel eines Verlags in Gang komme, sondern auch über Unternehmensgrenzen hinweg. Das würde auch kleineren Verlagen helfen.

Im Internet leicht steigende Einnahmen

Bei den Internetportalen rechnet Heinen mit leicht steigenden Einnahmen. Grund seien die rasant steigenden Nutzungszahlen und eine bessere Vermarktung. "Die Verlage werden sicher nicht die Fehler wiederholen, die sie nach dem Abschwung 2002 und 2003 gemacht haben, und ihr Online-Engagement einstampfen." Elektronische Zeitungen auf mobilen Lesegeräten werden aus Sicht Heinens erst in einigen Jahren eine größere Rolle spielen. "Da hängt alles von den Lesegeräten ab. Insgesamt haben wir aber eine rasante Entwicklung vor uns", sagte Heinen, der seit dem Jahr 2000 an der Spitze des BDZV steht. Er ist auch Herausgeber der "Kölnischen/Bonner Rundschau".  (APA/dpa)

Share if you care.