Israel verstärkt Angriffe gegen Hamas

8. Jänner 2009, 12:20
52 Postings

Angriffe auf Gaza-Stadt und im Süden des Gazastreifens - Hamas setzt Raketenangriffe auf Israel fort

Gaza-Stadt - Ungeachtet der diplomatischen Bemühungen um eine Waffenruhe im Gazastreifen gehen die Kämpfe zwischen Israel und der Hamas weiter, das Vorgehen der Armee Israels im Süden des Gazastreifens verschärft sich. Nach palästinensischen Angaben flogen die israelischen Streitkräfte am frühen Donnerstagmorgen mehr als 20 Angriffe rund um Gaza-Stadt. Eine Person sei dabei getötet worden. Der UN-Sicherheitsrat in New York ringt unterdessen weiter um eine gemeinsame Haltung zum Gaza-Konflikt. In Kairo wurden am Donnerstag Vertreter Israels und der Palästinenser zu Gesprächen erwartet.

In Gaza-Stadt wurde nach palästinensischen Angaben in der Nacht zum Donnerstag eine Moschee bombardiert. 15 Menschen seien verletzt worden. In der Nähe der Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen warf die israelische Luftwaffe am Mittwochabend Flugblätter ab, auf denen die Bevölkerung vor einem Angriff gewarnt wurde. Mehr als 5.000 Menschen flohen daraufhin in zwei UN-Schulen.

Israel verschärft Vorgehen im Süden des Gazastreifens

Nach einer vorübergehenden Feuerpause hat die israelische Armee in der Nacht zum Donnerstag ihre Offensive im Süden des Gazastreifens verstärkt. Aus Israel drangen nach Augenzeugenberichten Dutzende Panzer in das Gebiet ein, während Kampfflugzeuge die Stadt Rafah an der Grenze zu Ägypten bombardierten, um von den Palästinensern gegrabene Tunnel zu zerstören. Diese werden unter anderem genutzt, um Waffen in das abgesperrte Gebiet zu schmuggeln.

Hamas setzt Raketenangriffe auf Israel fort

Gegen Mitternacht rollten die von Hubschraubern begleiteten Panzer über den Grenzübergang Kissufim in Richtung der Stadt Khan Younis, wie die Augenzeugen AFP berichteten. Khan Younis ist die größte Stadt im Süden des Gazastreifens und eine Hochburg der in dem Palästinensergebiet herrschenden radikalislamischen Hamas. In Rafah seien ein Haus und ein Tunnel getroffen worden, sagten Augenzeugen dort. Die Armee bestätigte Luftangriffe auf Rafah, äußerte sich zunächst aber noch nicht zu den Berichten über die Vorgänge bei Khan Younis.

Die radikalislamische Hamas setzte ihrerseits die Raketenangriffe auf Israel fort. In den Städten Ashkelon und Beersheba schlugen mehrere Geschosse ein. Israel hatte erklärt, so lange gegen die Hamas vorzugehen, bis diese keine Raketen mehr in den Süden Israels abfeuern kann.

Israelischer Offizier im Gazastreifen getötet

Bei Kämpfen im Gazastreifen ist am Donnerstag ein israelischer Offizier getötet worden. Ein israelischer Militärsprecher sagte, der Infanterist sei am Morgen mit einem Suchtrupp im Zentrum des Gazastreifens unterwegs gewesen. Militante Palästinenser hätten eine Panzerabwehrrakete auf die Truppen abgefeuert. Dabei sei der Offizier getötet und ein weiterer Soldat leicht verletzt worden. Es ist der siebente Soldat, der seit Beginn der israelischen Bodenoffensive am Samstagabend getötet wurde.

Gespräche in Ägypten

Der ägyptische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Maged Abdelaziz, teilte indessen mit, zu den Gesprächen über einen Waffenstillstand seien Israel, die Palästinensische Autonomiebehörde sowie die Hamas nach Kairo eingeladen worden. Jede Delegation werde mit ägyptischen Regierungsvertretern zusammenkommen, Begegnungen der Konfliktparteien seien aber nicht geplant. Bei den Gesprächen solle die ägyptisch-französische Initiative für eine Waffenruhe im Gazastreifen erörtert werden.

Der Plan sieht zunächst eine befristete Waffenruhe vor, der Gespräche über eine Lösung des Konflikts folgen sollen. Außerdem soll die Versorgung der Bevölkerung im Gazastreifen ermöglicht werden.

USA für Ägypten-Plan

Die USA unterstützen die Initiative, wie Außenministerin Condoleezza Rice am Sitz der Vereinten Nationen in New York versicherte. Dort konnten sich die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates am Mittwoch nicht auf eine gemeinsame Haltung zum Gaza-Konflikt einigen. Die arabischen Staaten wollen eine verbindliche Resolution, die eine sofortige Waffenruhe und den Rückzug der israelischen Truppen verlangt. Dagegen befürworten die USA, Großbritannien und Frankreich eine schwächere Erklärung, die auch den Waffenschmuggel durch die Hamas zur Sprache bringt.

"Es gibt heute keine Einstimmigkeit", sagte der amtierende Präsident des Sicherheitsrates, der französische UN-Botschafter Jean-Maurice Ripert am Mittwoch nach Beratungen hinter verschlossenen Türen. Weil aber eine gemeinsame Herangehensweise angestrebt werde, "haben wir entschieden, unsere Gespräche und Verhandlungen fortzusetzen". An den Beratungen in New York nehmen die Außenminister mehrerer arabischer Länder teil.

Österreichs Außenminister Michael Spindelegger sagte am Mittwochabend, er hoffe, die Sicherheitsratssitzung in New York mit einer "klaren Botschaft" zu verlassen - dass es für die humanitäre Situation in Gaza eine Lösung und vor allem eine Waffenruhe gäbe. Das hätten alle Gesprächspartner als die besondere Herausforderung gesehen. "Wir brauchen eine Waffenpause, weil die Gewaltspirale ein Ende haben muss - das ist ganz entscheidend - und dafür haben wir uns auch ganz besonders eingebracht". (APA/AP/Reuters)

Link:

Süddeutsche Zeitung: Unterirdische Lebenslinie

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die israelische Armee ließ im Süden des Gaza-Streifens Flugblätter abwerfen, auf denen die Bevölkerung vor einem Angriff gewarnt wird.

Share if you care.