Multiple Ich-Projektionen

7. Jänner 2009, 22:59
posten

Die Personen, die Bertram Hasenauer porträtiert, sind nicht fest am Boden verankert. In seiner ersten Ausstellung bei Mario Mauroner zeigt der ehemalige Galerie-Hohenlohe-Künstler neue Porträts von Personen, die der Welt "entglitten" sind

"You somehow slip away" titelt eine mehrteilige Serie von Bertram Hasenauer, der sich seit Langem dem Porträt verschrieben hat. Vor weißem Hintergrund mit feinen Strichen gemalt, sind die Haare das hervorstechendste Merkmal der Porträtierten, denen zudem ein gepflegtes Äußeres und der starre Blick ins Leere gemeinsam ist. Männer wie Frauen wirken in sich gekehrt und weltabgewandt - so als ob sie sich einer anderen Sphäre jenseits der Realität befänden.

Der quasi naturalistische Stil dient dem Künstler dabei nicht zur Individualisierung der von ihm ausgewählten Personen, sondern vielmehr zu einer allgemeinen Typologisierung der Gesten und Körperhaltungen seiner jugendlichen Protagonisten. Über das Zwischenmedium der Fotografie vereinen seine Modelle Merkmale und Charakteristika unterschiedlichster Personen, wodurch einem diese gleichsam vertraut wie befremdlich erscheinen.

Dass der Künstler damit aber noch lange nicht fertig ist, zeigen in der Ausstellung zwei neue Werkserien: "Still hanging on to what may be" und "You thought you held yesterday" titeln die beiden Serien, in denen er seine Modelle nicht nur spiegelverkehrt präsentiert, sondern zugunsten adäquater zeitgenössischer Ich-Konstruktionen auch kaleidoskopartig multipliziert. (cb / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2009)

MAM Contemporary, 1010 Wien, Weihburggasse 26. Bis 21. 2.

  • Eisler-Preis-gekrönte Malerei: Bertram Hasenauer, "Long ago and far away", 2008. 
 
 
    foto: mam contemporary

    Eisler-Preis-gekrönte Malerei: Bertram Hasenauer, "Long ago and far away", 2008.

     

     

Share if you care.