Engagierte Musikalität

7. Jänner 2009, 20:35
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Daniel Barenboim im Klavierduo mit Elena Bashkirova

Seit fast sechs Jahrzehnten steht er auf der Bühne, 1950 debütierte der Sohn zweier Klavierlehrer in seiner Heimatstadt Buenos Aires, wurde als "kleiner Mozart" bejubelt. Daniel Barenboim selbst allerdings sieht sich nicht als Wunderkind. Geiger Yehudi Menuhin sei eines gewesen, ein "Kind mit einer außergewöhnlichen Intuition". Er, Barenboim, "hatte das Glück, nicht schon als Kind eine so außerordentliche Begabung zu haben. Ich hatte auch nicht diese enorme Anerkennung. Bei mir ging es nicht mit einem Schlag."

Dennoch war vieles in Barenboims Leben außergewöhnlich. Das begann mit der Überzeugung des Buben, alle Welt spiele Klavier. "Meine Eltern gaben in unserer Wohnung Klavierunterricht, und jeder Mensch, der bei uns klingelte, kam, um Klavier zu spielen. Also dachte ich, die ganze Welt würde Klavier spielen. Das war für mich damals natürlich."

Ebenso natürlich war es für Barenboim, der 1952 mit seinen Eltern nach Israel ausgewandert war, sechs Sprachen zu lernen und sich auch die unterschiedlichen "musikalischen Idiome" anzueignen.

In der Musikwelt gilt der Generalmusikdirektor der Berliner Oper unter den Linden als "einmalig", als "Weltbürger mit der Heimat Musik", auch als engagierter Zeitgenosse: 1989, 48 Stunden nach Öffnung der Berliner Mauer, dirigierte er die Berliner Philharmoniker in einem Benefizkonzert für Ostberliner Musikfreunde. Ein Jahr später leitete er die erste Israel-Reise des Orchesters. Und 1999 gründete er mit Edward Said das "West-Eastern Divan Orchestra", in dem Israelis und Araber "aufeinander hören lernen" - über die Musik hinaus. Um seinem Publikum die Ohren zu öffnen, provoziert er auch gerne Diskussionen, etwa, als er 2001 in Israel erstmals Wagner spielte, "weil Tabus keinen Platz haben in einer Demokratie".

Oder wenn er formuliert: "Musik gibt uns die Waffen, die Welt zu vergessen. Ich habe nichts dagegen, aber die Musik, die ich meine, gibt uns auch die Gegenwaffe: Dass wir die Welt besser verstehen, dass wir der Welt zugewandt sind. Musik ist subversiv." Für seine Musik braucht Barenboim aber weder Podium, Weltöffentlichkeit, noch ein Instrument. Sie klingt für ihn auch in der Stille. Auch im Eis der Antarktis, in dem er 2006 zwei Wochen lang unterwegs war. "Ich höre Musik in meinem Kopf. Ich habe viel über Musik nachgedacht in dieser Zeit." Musizierend denken wird er nun mit seiner Frau Elena Bashkirova, als Klavierduo wird man Mozart und Schönberg spielen. (Petra Haiderer / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2009)

 

1. 2., Stiftung Mozarteum, 15.00

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