Teures Luxus-Dinner im Super-Zug

7. Jänner 2009, 20:32
  • Je mehr ÖBB-Railjets auf Schiene sind, desto weniger Speisewagen sind unterwegs. Das spart Kosten für teureres Essen im Railjet
    foto: apa/ urban

    Je mehr ÖBB-Railjets auf Schiene sind, desto weniger Speisewagen sind unterwegs. Das spart Kosten für teureres Essen im Railjet

Premium-Verpflegung durch E-Express/Meinl am Graben kostet viermal so viel wie die Verpflegung in herkömmlichen Speisewagen

Wien - Das Essen im neuen ÖBB-Schnellzug Railjet hinterlässt bei den Eisenbahnern einen bitteren Nachgeschmack. Der Grund: Es kommt der hochverschuldeten und speziell mit ihrem Teilkonzern Personenverkehr operativ an den roten Zahlen schrammenden Staatsbahn deutlich teurer als herkömmliche Speisewagenservices.

Laut Standard-Recherchen kostet die Railjet-Bewirtschaftung durch Express Restaurant & Catering/Meinl am Graben im Zeitraum Dezember 2008 bis Ende 2012 insgesamt 63 Millionen Euro, also vier Jahre lang im Schnitt 15,75 Millionen Euro pro Jahr.

Vertrag läuft bis Ende 2011

Der 2007 von (dem mittlerweile vorzeitig verabschiedeten) Personenverkehr-Vorstandsdirektor Stefan Wehinger abgeschlossene Vertrag läuft laut Angaben aus dem Aufsichtsrat bis Ende 2011, es gibt jedoch eine Option auf Verlängerung um ein Jahr, die in den Gesamtkosten von 63 Millionen Euro bereits inkludiert ist.

Zum Vergleich: Die Bewirtschaftung aller anderen ÖBB-Schnellzüge kostete laut dem Vorläufervertrag mit E-Express für den Zeitraum 2007 bis 2013 insgesamt rund 24 Millionen Euro, also rund vier Millionen Euro pro Jahr.

Subventioniertes Service

Zusammen belaufen sich die Kosten für das Essen in allen ÖBB-Zügen über die Gesamtlaufzeit also auf schlanke 87 Mio. Euro, monieren ÖBB-Aufsichtsratsmitglieder, die die ÖBB in unselige Zeiten zurückversetzt sehen, in der die Verkostung der Fernverkehrsfahrgäste massiv subventioniert werden musste - und die Services von der fahrenden Kundschaft trotzdem massiv kritisiert worden waren. Diese Praxis wurde Ende der 1990er-Jahre vom ehemaligen ÖBB-Generaldirektor Helmut Draxler abgestellt.
In der ÖBB relativiert man diese Kritik ebenso wie die im Aufsichtsrat seinerzeit vorgelegten Zahlen. Es sei gelungen, die Brutto-Gesamtkosten für die Bewirtschaftung aller ÖBB-Züge in der Periode 2007 bis 2012 auf 78,12 Millionen Euro zu senken.

Davon würden 56 Millionen Euro auf den Railjet entfallen, der Rest, also 22,12 Millionen Euro, auf den klassischen Speisewagen und mobile Bord-Services, also Wagerl, mit denen Löskaffee, Getränke, Weckerl und Süßigkeiten verkauft werden.

Viele Gäste, viel Geld

Überhaupt könne man die Bewirtschaftungskosten so nicht rechnen, argumentiert man bei der ÖBB. Denn mit den Preisaufschlägen für First- und Premium-Class-Tickets (Premium-Gäste zahlen einen zwanzigprozentigen Aufschlag zum Erste-Klasse-Ticketpreis, der wiederum um 30 Prozent über der zweiten Klasse liegt, Anm.) würde man Mehreinnahmen in Höhe von 32,06 Millionen Euro lukrieren, mit denen die Kosten für die Railjet-Bewirtschaftung deutlich gedrückt würden. Hinzu kämen Umsatzprovisionen im Volumen von 1,8 Millionen Euro. Die bekomme die ÖBB von E-Express / Meinl am Graben, wenn der Railjet das vertraglich angestrebte Gesamtvolumen von 78 Millionen einfährt. Zusammen mit 15 Millionen Euro an Einsparungen bei Logistik und Personal würden sich die Nettokosten der Railjet-Bewirtschaftung auf 28,9 Millionen Euro reduzieren, das sind 4,81 Mio. Euro pro Jahr, rechnet ein ÖBB-Sprecher vor.

Und: Railjet und mobile Bord-Services kämen unglaublich gut an. Allein in drei Dezember-Wochen seien die Umsätze gegenüber 2007 um 41 Prozent gestiegen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD Printausgabe 8.1.2009)

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Neues vom Superzug

am 23.01.2009 wurde beim Umlauf rj 66T in Wien die gesamte Garnitur getauscht und Alle Fahrgäste mussten umsteigen,weil im Taurus die Heizung ausgefallen war?!Hätte man nicht einfach die Lok abkoppeln/austauschen können?!Als aber vor ca.3-4 Wochen 2 EconomyClasswagen ohne Klimaanlage geführt wurden,war es lt.ÖBB nicht möglich,die Garnitur zu tauschen,d.h.wichtiger ist,der überbezahlte Triebfahrzeugführer hat es mollig warm und die zahlenden Fahrgäste können frieren :) super Einstellung von der ÖBB! Lg

Ich kenn mich nicht aus.

Im Railjet gibt's doch nicht einmal mehr einen echten Speisewagen, nur mehr ein "Bistro" - was ist dann so teuer?

Bistro

Klein aber fein teuer!

hm

na man muss doch bedenken,daß MEINL AM GRABEN auch kräftig mitkassiert,obwohl selbiger nichts mit dem Bistro zu tun hat,also muss man das Geld für die Provision von den Kunden reinholen ;)

wurde dies ausgeschrieben?

da waeren doch do&co, kaefer et al. sicher auch interessiert gewesen.

essen kann ich mir auch billiger vorher besorgen.
da muss ich mir keinen kornspitz um 3,5€ auch noch selbst querfinanzieren.

und wenn schon querfinanzieren, wie wärs mit wlan ? zwar gibts mobiles inet, aber alle paar min. neu einloggen weil man beim nächsten mast ankommt ist doch recht nervend.

WestBahn

Leider dauerts noch ein Weilchen, bis WESTBAHN kommt:

Die WESTbahn Management GmbH ist das erste operative Tochterunternehmen der RAIL Holding AG.
Dieses Unternehmen wird ab Dezember 2011 Intercity-Verkehre zwischen Wien und Salzburg anbieten (Vmax 200 km/h, 5-8 Halte)

Es ist geplant mit modernsten Doppelstock-Triebzügen im Stundentakt zu verkehren. Im Zug wird ausschließlich Komfort der ersten Klasse geboten, die Preise orientieren sich an der zweiten Klasse des heutigen Marktführers.

Pro Wagon wird sich ein Kundenbetreuer um Service und Sicherheit der Passagiere kümmern. Der Fahrkartenverkauf findet im Zug und online statt.

http://www.westbahn.at/

Mit der Prämisse, dass die Tickets so viel kosten wie jetzt bei der ÖBB mit VC, frage ich mich: Wer entlohnt die Angestellten im Zug? Was für nen Hungerlohn sollen die kriegen?

Ist bei dieser Firma nicht der Herr Wehinger dabei, der schon bei den ÖBB Schiffbruch erlitten hat ?? Oder irr ich mich ? Falls nicht - nein danke!

Ähm

Hat der Wehinger bei der ÖBB nicht schon genug Schaden angerichtet?Wie kann man sich einen solchen "Möchtegern-Manager" überhaupt in ein Team holen?!

in ein Team holen?!

na freunderlwirtschaft - was sonst.

5 - 8 Halte

5 - 8 Halte: Da freue ich mich aber für WELS usw. Schön wäre es dann natürlich auch wenn eine gute Tagesrandverbindung von Wien in den Westen bestünde. Dann bräuchte die ÖBB-Kunden nicht mehr betteln, dass ein wichtiger Zug ("Kalman Imre") auch tatsächlich stehen bleibt.

eben genau das minderheitenprogramm nachtzug und damit auch solche tagesrandverbindungen sind Für solche anbieter absolut uninteressant.

Warum nicht McDonalds im Zug?

schmeckt so schlecht auch nicht.

Ein CheeseBurger und ein paar Pommes, frisch gemacht?



Sehr gesunde Kost. Zukunftsweisend. ;-)

Das gab es schon mal wo. Ich glaube, in Deutschland oder der Schweiz war das.

Nur kurz. War flop. Qualitativ und kommerziell.

Super-Zug

Dass der Super-Zug mit seinem Luxus-Dinner in WELS durchfährt, ist ja aus ÖBB-Sicht nachvollziehbar. Dass die ÖBB aber den letzten Taktzug von Wien in den Westen (neu: 0:09, "Kalman Imre") in Wels durchfahren lässt, ist absolut unverständlich und unerträglich. So wird mutwillig ein an sich sehr guter Taktfahrplan auf der Westbahn ruiniert.

und...

... was hat der letzte Zug nach Wels mit dem Catering im RJ zu tun?

Ja stimmt, denn ...

... der "Kalman Imre" fährt seit 14.12.08 auch in AMSTETTEN, ST. VALENTIN und ATTNANG-PUCHHEIM durch. Auch diese Städte an der Westbahn haben eine wertvolle Tagesrandverbindung verloren. Nicht nur WELS.

43750€ pro Tag

des warad 602000€
nur

602000 SCHILLING

diculpa me

wenn alles so schlecht ist

dann fahrts bitte nicht mit dem überteuerten Zug und konsumiert das überteuerte Essen nicht. Diese ewige Suderei ist wirklich nicht auszuhalten, es ist ja niemand gezwungen so ein Angebot anzunehmen.

Das Problem ist: auch wenn ich den Zug nicht benütze, muß ich das (als Normalreisender und/oder Steuerzahler) mitbezahlen, denn offenbar ist es ein mutwillig oder fahrlässig herbeigeführtes Verlustgeschäft für die ÖBB...

Nein Irrtum!

Die machen schon keine Verluste. Seit der Fahrplanumstellung habens uns Tagespendlern den Wiesel wieder weggenommen und eine dreissig Jahr alte Schnellbahngarnitur hingestellt.Erster Zug von Krems nach Wien-teiweise nicht einmal Kopfstützen und generell keine Armlehnen mehr.Feeling wie auf einer Rüttelplatte. Letzter Zug von Wien nach Krems so ca. 21:30. Mach gerade einen Kurs in der Wifi Beginn:17:30 ,Ende 21:30. Bin leider gezwungen mit dem Auto zu fahren da ich sonst nicht mehr nach Hause komme. Und als Belohnung darf ich dann auch noch zusätzlich mein Geld in die WIFIgarage tragen da ein parken in der Kurzparkzone nicht möglich ist.Max.Parkdauer 2Std. Ich kann ja vom Kurs auch nur schlecht weg.Also,keine Sorge ist alles schon bezahlt!

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