Alexander Medwedew

7. Jänner 2009, 19:53
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Gasproms Sprachrohr im Westen lenkt das Exportgeschäft von Gasprom

Nicht nur sein bekannter Nachname verbindet Alexander Medwedew mit dem seit Mai 2008 amtierenden russischen Präsidenten Dmitri Medwedew. Beide Männer haben maßgeblich zum Aufstieg vom einst ausgegliederten verstaubten sowjetischen Energieministerium zum größten Gasexportunternehmen der Welt beigetragen.

Alexander Medwedew soll 2002 vom damaligen Präsidenten Wladimir Putin persönlich zu Gasprom geholt worden sein, um das Exportgeschäft aufzuräumen. Der streng wirkende Medwedew nahm seinen Job als Geldeintreiber anscheinend sehr ernst. Die Tochtergesellschaft, für die er seit 2005 verantwortlich ist, Gasprom-Export, erwirtschaftet mittlerweile 80 Prozent der Einnahmen von Gasprom.

Im Ausland ist der begeisterte Eishockeyspieler vor allem deshalb bekannt, weil er in Krisensituationen als Sprachrohr von Gasprom fungiert. Auch in der jüngsten Krise war es Medwedew und nicht etwa Gasprom-Chef Alexej Miller, der durch ganz Europa tourte. Medwedew kommt zugute, dass er sich sowohl fließend in Englisch als auch in Deutsch unterhalten kann. Deutsch spricht der 53-Jährige übrigens mit leicht österreichischem Einschlag.

Nach seinem Studium der Regeltechnik am Moskauer Institut für Physik und Technologie und der Ökonomie am Institut für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen wurde Mewedew im Jahr 1989 Chef der sowjetischen Donau Bank in Wien. Nach dem Zerfall der Sowjetunion knapp drei Jahre später wechselte der auf der Insel Sachalin im fernen Osten Russlands geborene Direktor der Ölhandelsgesellschaft zur Imag Investment Management & Advisory Group, ebenfalls in Wien ansässig. Die Internetseite stern.de berichtete, dass es bei der Imag mehrfach zu Merkwürdigkeiten wie "rätselhaft verschachtelten Firmenkonstruktionen und Problemen bei der Buchführung" kam. Kurz nach der Übernahme der Imag durch den einst größten Ölkonzern Russlands, Yukos, verließ Medwedew das Unternehmen, weil es zu Meinungsverschiedenheiten mit Yukos-Chef Michail Chodorkowski gekommen war.

Als Gasprom-Botschafter im Westen wird Medwedew nicht müde zu betonen, das Russland in den vergangenen 30 Jahren trotz aller Widrigkeiten wie etwa der Rubelkrise immer ein verlässlicher Energielieferant war. "Lieferverpflichtungen sind heilig wie die Bibel", sagte der Gasprom-Vizechef, der auch im Koordinationskomitee des umstrittenen Zwischenhändlers RusUkrEnergo sitzt. Verena Diethelm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2008)

 

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