Althaus-Unfall: Zeuge sah nur Aufprall - fuhr hinter Opfern

7. Jänner 2009, 19:52
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Staatsanwaltschaft verärgert - Spekulationen stützen sich aber auf Material, das die Polizei den Medien präsentierte

Graz/Leoben/Wien - "Es wird dauernd falsch zitiert und spekuliert", macht sich der Sprecher der Staatsanwaltschaft Leoben, Walter Plöbst, im Gespräch mit dem Standard Luft. Woher vor allem deutsche Medien wissen wollen, dass der Ministerpräsident von Thüringen, Dieter Althaus, zu schnell gewesen sei, wisse er nicht. "Das basiert jedenfalls nicht auf Mitteilungen der Staatsanwaltschaft."

Tatsächlich seien die Gutachten der Sachverständigen - eines Gerichtsmediziners und eines Technikers - frühestens in vier Wochen zu erwarten. Sollte schon davor alles klar sein, werde man zu einer Pressekonferenz in Leoben laden. Dass derweil Medienvertreter selbst auf die Riesneralm fahren, "die Unfallstelle anschauen und eigene Schlüsse ziehen, kann ich nicht verhindern".


Die Aussagen jenes Zeugen, der erst kürzlich einvernommen wurde, deckten sich jedenfalls "mit dem bisherigen Stand der Ermittlungen". Dieser will gesehen haben, wie die beiden Unfallgegner aufeinander prallten, allerdings nicht, woher die beiden kamen. Der Zeuge fuhr hinter den Unfallopfern. Über seine Identität will der Staatsanwalt "nichts sagen. Der wird sonst von Journalisten gejagt".

Polizeiangaben

Freilich waren es nicht zuletzt Angaben der Polizei, welche die medial transportierten Thesen schufen. Unmittelbar nach dem Unfall hatte die Exekutive Bilder der angeblichen Unfallstelle präsentiert. Demnach lag der Ort der Kollision auf der von der getöteten Frau benutzten blauen Piste hinter einem Fangzaun, der Skifahrer vor einfahrenden Skifahrern von Althaus' (roter) Piste schützen sollte. Mehr noch: Um an den von der Polizei auf dem Foto markierten Crash-Ort zu kommen, hätte Althaus bergauf, der Frau entgegen, fahren müssen. „Geisterfahrer" nannte das der Spiegel.
Althaus selbst, erklärten seine Ärzte am Mittwoch, kann sich an den Unfall noch immer nicht erinnern. Der Genesungsprozess, erklärte der Leiter der Unfallchirurgie des Krankenhauses Schwarzach, Franklin Genelin, verlaufe aber „so, wie wir es uns gewünscht haben". Eine Verlegung des Patienten nach Thüringen sei nicht vor dem Ende der Woche zu erwarten.

Sicherheitsmaßnahmen

Zäune wie jener auf der Riesner-alm seien üblich, um gefährliche Pistenstellen zu entschärfen, erklärt Tomas Woldrich, der beim ÖSV für den Breitensport zuständige Experte: „Es gibt einen umfangreichen Katalog von Sicherheitsmaßnahmen auf Pisten. Schon um Haftungsklagen zu vermeiden, halten sich Liftgesellschaften daran." Raserunfälle könne man so eindämmen, „aber nie ganz verhindern. Wenn das möglich wäre, gäbe es keine Unfälle."


Aus diesem Grund weise der ÖSV Skifahrer immer wieder auf ihre Eigenverantwortung hin: „Ich würde nie ohne Helm auf die Piste gehen - aber die Diskussion um die Helmpflicht ist kontraproduktiv: Man tut so, als wären dann alle Probleme gelöst." Ins gleiche Horn stößt auch Luis Töchterle, der Jugendbeauftragte des Alpenvereins: „Die Politik gibt eine einfache Antwort auf eine komplexe Frage. Die Helmpflicht löst die wahren Probleme nicht: Die Leute fahren zu schnell, müde und über die Verhältnisse. Und oft betrunken." (Colette M. Schmidt,Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 8.1.2009)

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    Glaubt man polizeilichen Angaben unmittelbar nach dem Unfall, dürfte Dieter Althaus der getöteten Frau bergauf entgegengekommen sein. Die Staatsanwaltschaft weist derlei aber zurück

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