Mit Autoren in Büchern stöbern: "Zehn Seiten"

7. Jänner 2009, 19:29
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Gelungene Buchmarkt-Innovation per Internet-Plattform

Wien - Von zwei Buchhändlern stammt die Idee zur wunderbarsten und sinnvollsten Buchmarkt-Innovation dieser Saison. Auf der Internet-Plattform www.zehnseiten.de lesen Autoren vor einer Schwarz-Weiß-Kamera Ausschnitte ("Zehn Seiten") aus ihrem aktuellen Buch. Ohne Einleitung, ohne Moderation, ohne dem Vorgelesenen noch etwas hinzuzufügen.

Sie wollten Bücher im Internet wertfrei präsentieren, sagt Johannes Wörle, einer der Initiatoren des Projekts: "Keine Überladung, keine Werbung. Der Leser soll sich über zeitgenössische Literatur informieren können und den Autor, der hinter dem Gelesenen steht, ein bisschen kennenlernen." Durch die puristische Optik liegt die Konzentration ohnehin ganz auf dem Autor und seinem Text.

Ursula Krechel (Shanghai fern von wo) sieht ihrem Leser direkt in die Augen, ehe sie ihre Lesebrille zurechtrückt und beginnt, aus den vor ihr aufgeschlagen liegenden Seiten zu rezitieren. Rafik Schami (Das Geheimnis des Kalligraphen) hält den Blick auf den Leser gerichtet, untermalt seine frei vorgetragenen Geschichten mit vielen Gesten.

Etwas mehr als 20 Bücher werden derzeit auf der Seite vorgestellt, darunter auch der Österreicher Xaver Bayer mit Durchsichtige Hände, die deutsche Jungautorin Julia Zange, aber auch Norbert Gstrein und Thomas Palzer mit jeweils zwei Romanen, Andreas Neumeister und Thomas Meinecke. Mit der Zeit soll allerdings ein Archiv der Videolesungen entstehen - "der Stöbercharakter soll, wie in einer Buchhandlung, gegeben sein", sagt Wörle.

Zehn Seiten finanziert sich durch die Verlage, die für Lesungen zahlen müssen - immerhin bietet sich ihnen dadurch eine attraktive Plattform für gut verknüpfbare Werbung. Ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Autoren und Bücher behalten sich die Veranstalter allerdings vor: "Der Leser soll sich ja unabhängig vom Verlag über Bücher informieren können. Auch über Bücher, die nicht unbedingt in jeder Buchhandlung ausliegen." (Isabella Hager / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2009)

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