Nichts in der Pipeline

7. Jänner 2009, 19:08
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Anzeichen einer unabhängigen Energieversorgung gibt es im Österreich des 21.Jahrhunderts kaum - Von Michael Simoner

Saukalt und kein Gas mehr zum Heizen. Für Boulevardmedien ist das Zusammenspiel des polaren Hochs "Angelika" mit Russlands Machtdemonstration im Energiebereich ein wahrer Glücksfall. Je boulevardesker die Quelle ist, desto weniger Zeit bleibt uns. Bereits "in vier Wochen", hat ein heimisches Blatt ausgerechnet, "geht uns das Gas aus". Weitergedachte Folge: Die 1,3 Millionen gasbeheizten Haushalte in Österreich werden zu Eishöhlen, und ihre Bewohner müssen in kalten Küchen rohes Schnitzelfleisch verschlingen.
Man muss freilich gar nicht in die Horrorkiste greifen, um vorauszusagen, dass sich Engpässe fossiler Brennstoffe in Zukunft mehren werden. Und wer glaubt, dass ein gewisser Wladimir Putin allein die Temperaturen in heimischen Wohnzimmern regelt, glaubt auch noch an Väterchen Frost.
Auch wenn der Wirtschaftsminister betont, dass sich die Bevölkerung derzeit keine Sorgen zu machen brauche: Der Gedanke an alternative Heizmethoden huscht wohl dieser Tage allen Endverbrauchern durch den Kopf. Schnell noch einen Heizstrahler kaufen? Oder gleich den Hafnermeister bestellen? Wie auch immer. Grundessenz ist jedenfalls das, was selbst Captain Kirks Chefingenieur Scotty zum Beamen braucht: Energie.
Anzeichen einer unabhängigen Energieversorgung gibt es aber im Österreich des 21.Jahrhunderts kaum, das Regierungsübereinkommen setzt voll auf Gas. Da muss doch noch eine Alternative in der Pipeline sein.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2008)

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