Krieg ohne Hoffnung

7. Jänner 2009, 18:46
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Was ist also das Ziel des groß angelegten Angriffes, wohl nicht zufällig vor den am 10. Februar fälligen Parlamentswahlen in Israel?

Weltbekannte und als unermüdliche linke Friedensaktivisten tätige israelische Schriftsteller von Amos Oz und A. B. Jehoschua bis David Grossman und Tom Segev haben den systematischen Raketenbeschuss der Zivilbevölkerung im Süden Israels als ein Kriegsverbrechen verurteilt. Wenn auch mit unterschiedlicher Intensität haben sie zumindest am Anfang, wie 93 Prozent der Israelis (laut Maariv), auch die Vergeltungsoffensive gegen den Raketenkrieg der „zynischen und bösartigen Verbrecherbande der Hamas" (so Oz), für gerechtfertigt gehalten. Amos Oz warnte allerdings auch, dass die Hamas geradezu darauf brennt, Israel in eine Militäraktion zu verwickeln und Israel aufpassen müsse, dass seine Militäraktion nicht der Hamas in die Hände spielt.

Die Bilder von den hunderten zivilen Opfern der Bombardierungen und von der inzwischen angelaufenen (und von den Autoren kritisierten) Bodenoffensive lösten indessen bereits eine weltweite Verurteilung der humanitären Katastrophe im dichtest besiedelten Gebiet der Erde aus. Es kam genau so, wie es Amos Oz vorausgesagt hatte: „Dieselbe internationale Meinung, die angesichts des systematischen Raketenbeschusses (mehr als 7000 Raketen und Granaten hat die Hamas seit Israels Abzug aus Gaza im August 2005 auf Südisrael abgefeuert - P. L.) völlig gleichgültig bleibt, wird Israel eilfertig des Kriegsverbrechens beschuldigen."
Was ist also das Ziel des groß angelegten Angriffes, wohl nicht zufällig vor den am 10. Februar fälligen Parlamentswahlen in Israel? „Ein für alle Mal dem andauernden Raketenbeschuss ein Ende zu setzen", lautet die offizielle Begründung. Die enorm gestiegene Reichweite der Geschoße schuf in der Tat eine untragbare Situation, da sie bereits die 110.000 Einwohner der 40 Kilometer von Gaza entfernten Stadt Ashkelon gefährden. Über eine Million Menschen leben unter den Bedingungen eines Ausnahmezustandes.

Die Hamas-Führer sind nicht bereit, Frieden zu schließen oder Kompromisse einzugehen. Die von der EU als „terroristisch" qualifizierte Bewegung schrieb sich, so wie die Hisbollah in Libanon, von Anfang an die Zerstörung des israelischen Staates auf die Fahnen. Ihr Gönner und Waffenlieferant, der als Holocaustleugner berüchtigte iranische Präsident Ahmadi-Nejad, erklärte vor kurzem im iranischen Parlament, der wahre Holocaust finde in Gaza statt. Mit den gleichen Parolen „Stopp den Holocaust, Israel!" demonstrierten bereits am Samstag hunderte Araber und ihre Sympathisanten - ausgerechnet in Düsseldorf!

Da, wie allgemein bekannt, die Hamas Zivilisten in Schulen, Wohnhäusern und sogar Moscheen als Schutzschilder benützt, zahlt Israel einen hohen moralischen Preis für die massiven Vergeltungsschläge, denen auch unweigerlich viele Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, zum Opfer fallen. Den Krieg der Bilder, den Kampf um die Unterstützung der Weltöffentlichkeit scheint Israel schon verloren zu haben. Die Eskalation um Gaza könnte sich aber auch diesmal letzten Endes als ein folgenschwerer politischer Fehlschlag erweisen. Nicht die Terroristenorganisation, sondern Israel wird durch die abstoßenden und empörenden Bilder als „Goliath" zum Täter gestempelt. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.1.2009)

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