Haushalten wird Gas zuletzt abgedreht

7. Jänner 2009, 18:04
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Die 1,3 Mio. Haushalte, die in Österreich mit Gas heizen, werden am längsten geschont, wenn es um die Rationierung des Brennstoffs geht

Frage: Auf welcher Basis kann in Österreich Gas rationiert werden?

Antwort: Gesetzliche Grundlage ist das Energielenkungsgesetz. Dieses gibt dem Wirtschaftsminister diverse Möglichkeiten, auf eine Krise zu reagieren. Das reicht von einem allgemeinen Aufruf, Gas zu sparen, bis zur Rationierung von Gaslieferungen an Großverbraucher in der Industrie und Kraftwerke. Dafür ist eine Verordnung notwendig.

Frage: Was macht die E-Control?

Antwort: Sie bereitet im Auftrag des Wirtschaftsministers die Maßnahmen vor, d.h. sie konzipiert eine Schubladenverordnung, die bei Bedarf herausgezogen und vom Wirtschaftsminister unterschrieben werden kann.

Frage: Wer zahlt wie viel für Gas?

Antwort: Russland verlangt unterschiedlich viel für sein Gas. Weißrussland zahlt rund 200 Dollar je 1000 m3, Georgien 235 Dollar, Armenien nur 110 Dollar. Die Ukraine zahlte bisher 179,5 Dollar und soll künftig mindestens 250 Dollar je 1000 m3 zahlen.

Frage: Gas es schon einmal eine Rationierung der Gaslieferungen?

Antwort: Seit der Liberalisierung des Gasmarktes 1998 noch nie.

Frage: Müssen Österreichs Haushalte um ihr Gas bangen?

Antwort: Nein, die Haushalte sind die letzten in der Kette, denen das Gas abgedreht würde. Zuerst wäre die Stahl-, Chemie-, Zement- und Papierindustrie an der Reihe, dann die E-Wirtschaft.

Frage:
Wie viele Großkraftwerke werden mit Gas befeuert?

Antwort: In Österreich eine Handvoll, darunter das Kraftwerk Theiß, das von der EVN betrieben und jetzt auf Ölbetrieb umgestellt wird. Dürnrohr (Verbund/EVN) ist bereits auf Kohlebetrieb umgestellt worden.

Frage: Gibt es andere Gaskraftwerke, die wegen des Streits zwischen Russland und der Ukraine auf andere Brennstoffe umgestellt wurden?

Antwort: Ja, die Salzburg AG etwa hat einen Kessel von Gas auf Heizöl schwer umgestellt, dasselbe hat Wienenergie im Kraftwerk Simmering vor.

Frage: Wie lang dauert die Umstellung von einem Brennstoff auf einen anderen?

Antwort:
Das geht binnen Stunden. Voraussetzung aber ist, dass der entsprechende Brennstoff, Öl oder Kohle, vorhanden ist.

Frage: Wie viel Strom wird in österreichischen Gaskraftwerken erzeugt?

Antwort:
Im Jahresdurchschnitt fast jede sechste Kilowattstunde Strom. In Summe kamen zuletzt rund 10.000 der insgesamt erzeugten 64.000 Gigawattstunden aus Gaskraftwerken.

Frage: Wie kommt das Gas nach Österreich?

Antwort: Zum überwiegenden Teil über Pipelines aus Russland. Um Gas zum Verbraucher zu transportieren, wird ein bestimmter Druck benötigt. Fällt der Druck ab, wie es derzeit der Fall ist, kommt weniger beziehungsweise gar kein Gas mehr am Ende der Leitung heraus.

Frage: Wie lange ist das Gas von Westsibirien nach Österreich unterwegs?

Antwort: Bis das Gas nach etwa 5000km bei Baumgarten im Marchfeld ankommt, vergeht fast eine Woche.

Frage: Wie wird Gas gespeichert?

Antwort: In ehemaligen Lagerstätten, großen Kavernen mit porösem Gestein, in die das Gas mit Druck hineingepresst und bei Bedarf wieder abgezapft wird. (stro, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 8.1.2008)

 

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