Spinetta in Pension

7. Jänner 2009, 17:31
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Jean-Cyril Spinetta hat zum Jahreswechsel die Direktion von Air France altersbedingt abgegeben und bleibt nur noch Präsident des Verwaltungsrates

Der 65-jährige Korse Jean-Cyril Spinetta hat zum Jahreswechsel die Direktion von Air France altersbedingt abgegeben und bleibt nur noch Präsident des Verwaltungsrates. Seine Hinterlassenschaft ist gewaltig: Die französische Airline ist seit der Übernahme der holländischen KLM mit einem Umsatz von 19 Mrd. Euro die weltweit wichtigste. Auch in Europa hat sie die Nase vor Lufthansa und British Airways, und noch diese Woche könnte sie den Einstieg bei Alitalia schaffen.

Bei seinem Amtsantritt 1997 galt der Linkssympathisant nicht gerade als geeignet, um mit der aufsässigen Pilotenzunft und dem regelmäßig streikenden Bodenpersonal fertigzuwerden. Doch Spinetta überraschte alle. Von Beginn weg flog er den zuvor schwer defizitären Staatsbetrieb in die Gewinnzahlen. Als er 2004 KLM unter die Fittiche nahm, ließ er den Holländern trotzdem ihre Unabhängigkeit in Amsterdam. Durch den Aktientausch wurde Air France automatisch privatisiert. "Monsieur Nice Guy" kannte auch die harte Tour: Nachdem ihm Lufthansa bei der AUA 2008 zuvorgekommen war, reichte er in Brüssel Klage wegen angeblich unerlaubter Staatshilfen ein.

Subtil knüpfte er auch Beziehungen zu Alitalia. Auch wenn ihn Silvio Berlusconi mehrmals öffentlich brüskierte, hat Air France laut jüngsten Branchengerüchten offenbar beste Chancen auf einen Erfolg in Rom. Sollte es dazu kommen, überlässt Spinetta auch diese Lorbeeren seinem Nachfolger Pierre-Henri Gourgeon (62). (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2008)

 

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