"Life & Style" feministisch lesen?

7. Jänner 2009, 18:35
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Eine wohlwollende Lektüre fernab von jeglichem Kulturpessimismus soll Aufschluss über die große Nachfrage von sogenannten "Frauenmagazinen" geben

Sie sind teuer, voller Werbung und machen auch noch schlechte Laune (dieStandard.at berichtete: "Man kann sich nur als Verliererin fühlen").
Dennoch sind die Zeitschriftenregale voll davon und die Wenigsten können behaupten, dass sie nicht auch hin und wieder in diversen Wartezimmern nach den abgegriffenen Exemplaren greifen oder sich im Zeitschriftenhandel eines der bunten Hefte aussuchen würden, die mit Themen wie Kosmetik, Diäten, Mode oder Psychotests auf ihren Titelseiten werben. Themen, die die Feministin von heute nicht allzu brennend interessieren dürften. Ebenso scheint der Inhalt von Magazinen wie "Cosmopolitan", "Glamour" oder auch "Brigitte" nicht viel mit der eigenen Lebensrealität zu tun zu haben. Ausschließlich "perfekte" Menschen bekommt frau zu sehen. Bei beruflichen Tipps wird davon ausgegangen, dass alle Frauen im Business-Kostüm im mittleren oder oberen Management arbeiten. Und ebenso wird angenommen, dass endlos Geld für Kleidung und sonstigen Krimskrams auf dem Konto liegt.

Doch Spaß?

Ob die in der Studie nachgewiesene schlechte Laune nun bei allen Zeitschriften gleichermaßen um sich greift, soll folgende Exkursion durch einen kleinen Teil der Frauenzeitschriften-Landschaft zeigen. Worin besteht das doch auch vorhandene Vergnügen (vielleicht darin, dass praktisch keine Männer vorkommen?) diese Blätter zu durchforsten und wo hört sich der Spaß auf? Gibt es qualitative Unterschiede oder ist eine wie die andere?

Drei Kategorien von Frauenzeitschriften könnten unterschieden werden. Eine Kategorie sind etwa solche Magazine, die sich vorwiegend dem Star Gossip widmen und nebenbei dieses auch mit Mode- und Stylingtipps sowie Prognosen verbinden, so etwa das Blatt "Life & Style". Eine vergnügliche Rubrik ist darin das "Star-Styling". Eine Frau wird so wie ihr Lieblingsstar geschminkt und eingekleidet, das Ergebnis wird dann in einer Fotostrecke präsentiert. Auf der einen Seite der Star - im vorliegenden Fall Jessica Simpson - auf der anderen Seite eine 20-jährige Studentin, die auf mehreren Seiten mit nachgestelltem Posing, ähnlichen Klamotten, entsprechender Frisur und Schminke den Star imitiert - von allem jedoch die billigere Variante, denn das "Style-Budget" der Studentin wird mit 80 Euro, das von Jessica Simpson mit 11.000 Euro geschätzt. Die Arbeit am Äußeren und die Kosten dafür werden somit thematisiert, das Äußere wirkt also gar nicht mehr "naturgegeben".

Billig ist hier nichts

Auf Billigklamotten gänzlich verzichtet wird in der zweiten Kategorie, der "klassischen Frauenzeitschrift", wie "Cosmopolitan" eine ist.
Darin gibt es neben Unmengen von Modestrecken eine Kolumne - "Er sagt/Sie sagt" - über "typische Geschlechterfragen" zu lesen, die in der vorliegenden Ausgabe klären soll, ob Frauen besser mit Geld umgehen können. Eine Kolumne mit äußerst fragwürdigem Inhalt, die bestimmte Fähigkeiten auf das biologische Geschlecht reduzieren will. Die "männliche Meinung" vertritt Christian Clerici, der "als Prototyp von einem Mann" vorgestellt wird - schließlich sei er schon zweimal beim Iron-Man angetreten - und vermutet: Da Frauen schlechter bezahlt werden und sich trotzdem teure Schuhe leisten können, muss es wohl so sein, dass Frauen geschickter in Sachen Geld sind. Aha. Offen muss bleiben, ob Herrn Clerici sein Zynismus bewusst ist oder nicht.
Und in einer Fotostrecke werden schicke Ski-Outfits vorgeschlagen, eines kostet beispielsweise 5.794 Euro, tja - da aber Frauen so prima mit Geld umgehen können, dürfte das kein Problem sein. In diesem Magazin findet sich praktisch nichts, was nicht ärgerlich wäre - nicht einmal die männerfreie Zone wird gewahrt: Um einen Ausgleich zwischen der Objektivierung von männlichen und weiblichen Körpern zu versuchen wird ein Männermodel-Jahreskalender beigelegt.

In leichter Abwandlung gibt es von dieser Art Zeitschrift mittlerweile Unmengen: "Joy", "Glamour","Jolie" oder auch eine österreichische Variante, die sich "Miss - Österreichs ehrliche 22 cm" nennt.

"Brigitte" ist anders

Ganz anders verhält es sich mit Zeitschriften wie "Brigitte" oder "Freundin". "Brigitte" mischt ausführliche Artikel über Themen wie "Zum 60. Geburtstag der BRD und DDR", Genforschung, ein Interview mit der Rallye-Copilotin namens Tina Thörner (!) unter Kochrezepte (von denen "Cosmoplitan" & Co mittlerweile absehen). Auch die Beilage der mittlerweile berühmten "Brigitte-Diät" - die am Covertitel mit einem besseren "Lebensgefühl" in Verbindung gebracht wird - und die obligatorische Foto-Modestrecke, in der allerdings in "Brigitte" auch eine etwa 60-jährige Frau als Model mitwirkt, dürfen nicht fehlen.

Um schlechte Laune nach einer Lesestunde mit den bunten Blättern zu vermeiden, sind somit "Brigitte" oder "Freundin" am ehesten zu empfehlen: Darin wird trotz des Schwerpunktes auf das "weibliche" Erscheinungsbild nicht gleich Desinteresse an anderen Themen vorausgesetzt. Spaß machen können durchaus auch Magazine wie das eingangs beschriebene "Life & Style", die auch keinen Anspruch heucheln, wie etwa "Cosmopolitan" (von solchen Exemplaren muss wirklich dringend abgeraten werden), und die bezüglich ökonomischer Unterschiede zwischen den Dargestellten und LeserInnen nichts im Verborgenen lassen, wie etwa in der 80 Euro versus 11.000 Euro Gegenüberstellung. (beaha, dieStandard.at, 7.1.2009)

  • Einmal Original, einmal Kopie - eine ähnliche Rubrik wie in "Life & Style" hier in "Woman".
    foto: faksimile / woman

    Einmal Original, einmal Kopie - eine ähnliche Rubrik wie in "Life & Style" hier in "Woman".

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