Bank sucht Chef und neues Geschäftsmodell

7. Jänner 2009, 17:43
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Die Privatbank wurde unter staatliche Aufsicht gestellt, Gerüchte wonach Bank-Chefin Kohn untergetaucht sei, wurden dementiert

Wien - In der Wiener Bank Medici wird auf allen Ebenen gesucht. Die in den US-Anlageskandal rund um Bernard Madoff verwickelte Privatbank, der beide Vorstandsmitglieder gleichzeitig davonlaufen wollten, wurde unter staatliche Aufsicht gestellt. Noch diese Woche sollen erste Weichen gestellt werden. Hauptaktionärin Sonja Kohn (75 Prozent minus eine Aktie) will amFreitag einen neuen Vorstand präsentieren - so sich das zeitlich ausgeht. Jedenfalls müsste ein Neuer (Werner Tripolt könnte imVorstand bleiben) dann den Fit-and-Proper-Test der Finanzmarktaufsicht FMA bestehen. Regierungskommissär Gerhard Altenberger hat bei diesenBesetzungsfragen kein Mitspracherecht.
Parallel dazu versuchen die Banker (Gerüchte, wonach Kohn aus Angst vor russischen Investoren untergetaucht sei, wurden dementiert: weder Russen noch Ukrainer hätten bei der Bank Fonds gekauft), ein neues Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen.Was bei Mitaktionärin Bank Austria, die die Sperrminorität hält und sich über Networkerin Kohn über Jahrzehnte den Zugang zu Kunden aus dem Nahen Osten verschafft hatte, auf wenig Gegenliebe stößt: Dem Vernehmen nach plädiert man dort eher für die Abwicklung der Bank.

Ärger in der Nationalbank

In der OesterreichischenNationalbank (OeNB) sorgt die Causa Medici auch wegen personeller Verquickungen für Ärger: Dabei geht es um Philip Göth, Aufsichtsratsmitglied bei Medici. Dass der Kontrollor einer nun staatlich beaufsichtigten Bank (Wirtschaftstreuhänder Göth leitet den Raum Asien für Deloitte&Touche - und zwar von Peking aus) im Generalrat der OeNB trotzdem noch Sitz und Stimme hat, sorgt ebendort für "erheblichen Unmut" , wie es heißt. Umso mehr, als Göth 2007 bei Meinl European Land prominent gutachterlich tätig war. Seit rund einem halben Jahr sei er bei keiner einzigen Generalratssitzung dabei gewesen, "allein deswegen hätte er den Hut nehmen sollen" , sagen nun führende Notenbanker.
Auch die Wiener Vermögensverwaltungsgesellschaft Anaxo (gehört zu je einem Viertel Ex-Bank Austria-Manager Peter Fischer, Ex-Erste-Bank-Chef Hans Haumer und den Brüdern Helmut und Otto Randl und ist Vermögenverwalter der Spekulationsverlust-gebeutelten Gemeinde Hartberg) leidet nach wie vor unter den Folgen der Madoff-Affäre. Die Gesellschaft, die bereits 2007 einen Ergebnisrückgang um fast 490.000 Euro hinnehmen musste, hat nicht nur Kunden wie Hartberg zu Madoff-Investments (Alpha-Prime-Fonds) verholfen, sondern auch selbst einen Teil ihres Eigenkapitals in von Madoff gemanagte Fonds gesteckt.

Lizenz auf dem Prüfstand

Nun überlegt man bei Anaxo (bis vor kurzem saß Ex-Börse-Chef Stefan Zapotocky im Aufsichtsrat; er unterhielt enge Geschäftskontakte zu Kohn), wie man das Unternehmen neu strukturieren könnte - auch die Rückgabe der Lizenz steht imRaum. Hintergrund: Es könnte sein, dass Anaxo die gesetzlich vorgeschriebenen Eigenkapitalvorschriften nicht erfüllen kann; in dem Fall müsste auch die seit März 2005 bestehende Lizenz zurückgelegt werden. "Akut" sei diese Frage aber nicht, wird versichert.
Apropos gemeldet: Bernard Madoffs Versuch, Wertgegenstände auf dem Postweg beiseite zu schaffen, wurde von seinen Söhnen den zuständigen Behörden gemeldet. Die Söhne waren es auch, die Mitte Dezember mit dem 50-Milliarden-Dollar-Betrugsskandal an die Öffentlichkeit traten. (gra, kasp)

 

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