Naturklebstoff aus Salamander-Sekret

7. Jänner 2009, 14:03
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Biologen züchten Salamander, um verträglichere Kleber für die Wundheilung zu entwickeln

In früheren Jahrhunderten glaubte man, der Feuersalamander hätte die Gabe, Feuer unbeschadet zu überstehen. Das kann er zwar nicht, aber er verfügt über eine andere, weit nützlichere Fähigkeit: Zur Abwehr von Fressfeinden sondert er aus Hautdrüsen ein weißliches Sekret ab, das dem Angreifer durch die darin enthaltenen Giftstoffe gründlich den Appetit verdirbt. Die Berührung mit den Händen ist für Menschen harmlos, nur abschlecken sollte man die Tiere nicht - das kann zu Taubheitsgefühl im Mund und Übelkeit führen.

Viele Salamander-Arten verteidigen sich durch Sekrete - manche auf recht spektakuläre Weise: Die amerikanische Art Ambystoma opacum, deren deutscher Name Marmor-Querzahnmolch kaum leichter über die Lippen geht, sondert eine Art Klebstoff ab, der Feinden, wie z. B. Schlangen, das Maul verklebt. Es handelt sich dabei um eine gummiartige, zähe Masse, die innerhalb von Sekunden aushärtet.

Eine Gruppe von Forschern an der Universität Wien um den Biologen Janek von Byern untersucht derzeit diese Hautabsonderungen in der Hoffnung, den Klebstoff für medizinische Anwendungen nutzbar zu machen.

Die Untersuchungen sind erst angelaufen, fest steht aber: Der Klebstoff ist weder wasser- noch alkohollöslich. "Der Kollege, der ihn auf die Finger bekommen hat, konnte ihn nur durch gründliches Schrubben wieder loswerden", erzählt von Byern. Die Forscher wissen außerdem: "Das Sekret enthält Kohlenhydrate und sehr viele Proteine." Insgesamt elf Proteine wurden darin nachgewiesen - das ist fast doppelt so viel wie bei den Klebstoffen, die Muscheln oder Seepocken verwenden, um sich an den Untergrund zu heften. An diesen wird seit rund 15 Jahren geforscht, und eine Kombination aus den Klebern von Muscheln und Geckos gibt auch Anlass zur Hoffnung auf medizinische Verwendbarkeit. Allerdings sind sie sehr hart und am ehesten für die Verwendung in wässrigem Milieu - etwa im Zahnbereich - geeignet.

Für das Kleben von Verletzungen werden derzeit künstlich erzeugte Kleber verwendet, die allesamt den Nachteil haben, dass sie gesundheitsschädliche und nicht abbaubare Substanzen enthalten. Der einzige zur Verfügung stehende organische Kleber wurde in den 1940er- Jahren in Wien entwickelt, hält aber leider nicht so gut wie die synthetischen. Gesucht ist also ein Klebstoff, der dauerhaft wirkt, gleichzeitig aber elastisch genug ist, um das Gewebe bei Belastung nicht reißen zu lassen.

Von Byern, der sich auch mit den Klebstoffen von Tintenfischen befasst, hofft, "in einigen Jahren erste Klebstoff-Prototypen entwickeln zu können". Dafür untersucht seine Gruppe neben dem Marmor-Querzahnmolch noch eine zweite Salamander-Art mit dem gleichen Feindabwehr-Verhalten, den Dunns Winkelzahnmolch (Hynobius dunni).

Neben der Zusammensetzung des Klebstoffes soll dafür auch die Struktur der Drüsen untersucht werden. Dazu müssen die Tiere aber sterben, und da sie einigermaßen schwer zu halten und zu züchten sind, warten die Forscher auf ihren natürlichen Tod. Da die Salamander eine Lebenserwartung von nur drei Jahren haben und einige der Versuchstiere schon älter sind, dürfte das demnächst der Fall sein.

Das Forschungsvorhaben, das von der Jubiläumsstiftung der Stadt Wien unterstützt wird, soll ein Jahr dauern. Das klingt nach wenig Zeit, doch: "Die Technik hat in der Zwischenzeit enorme Fortschritte gemacht", erklärt von Byern. "Untersuchungen, für die man früher große Mengen gebraucht hat, gehen heute mit kleinsten Proben." (strn/DER STANDARD, Printausgabe, 7. 1. 2009)

  • Der Marmor-Querzahnmolch sondert zum Schutz vor Feinden einen Klebstoff ab, der innerhalb von Sekunden aushärtet.
    foto: günter schultschik

    Der Marmor-Querzahnmolch sondert zum Schutz vor Feinden einen Klebstoff ab, der innerhalb von Sekunden aushärtet.

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