1540 Opelianer in Aspern arbeiten bis Mai kurz

7. Jänner 2009, 17:29
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Die akute Automarktkrise erreicht den Standort Wien mit voller Wucht

Die akute Automarktkrise erreicht den Standort Wien mit voller Wucht: Bis Mai hat der Opel-Konzern einen Großteil der Belegschaft des Motoren- und Getriebewerks in Wien-Aspern zur Kurzarbeit angemeldet.

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Wien/Rüsselsheim/Detroit - Die General Motors Powertrain Austria GmbH, ein Unternehmen des schwer angeschlagenen US-Automobilkonzerns GM, schickt 1540 von 1850 Mitarbeiter in Kurzarbeit - und zwar bis Mai. Dies wurde am Mittwoch bekannt und vom Unternehmen bestätigt. Über Details will die Leitung des Motoren- und Getriebewerks die Belegschaft am Freitag informieren.

Sprecherin Elisabeth Schuller sagte dem StTANDARD am Mittwoch nur so viel, dass nur jene Teile der Verwaltung, die nicht unmittelbar an der Produktion hängen, nicht in Kurzarbeit geschickt werden. Auch Lehrlinge können von Gesetzes wegen nicht in solche Systeme einbezogen werden. 50 Leiharbeiter sind nach wie vor bei der früher Opel Austria GmbH genannten Firma (heute heißt nur mehr der ebenfalls in Aspern beheimatete Fahrzeugvertrieb so) beschäftigt, nachdem im Sommer 2008 rund 150 Zeitarbeiter abgebaut worden sind.

Die Automarktkrise hat das Werk im Norden Wiens ab dem September "voll getroffen" , so die Sprecherin weiter. Im Vorjahr sind nach vorläufigen Zahlen 1,37 Millionen Motoren und Getriebe hergestellt worden, ein Jahr zuvor waren es noch 1,58 Millionen. "Bis September waren wir noch voll ausgelastet" , hieß es am Mittwoch.

Laut Werkshomepage fahre "jeder zweite Opel mit einem Getriebe, jeder dritte mit einem Motor 'Made in Austria'".

Die Produkte werden von den Marken Opel, Suzuki Fiat und Saab in diversen Modellen verwendet - zu einem Gutteil in Modellen der Kleinwagen- und Kompaktklasse. Dass jetzt Kurzarbeit erforderlich ist, zeigt, dass die akute Absatzkrise auf dem Automarkt die gesamte Branche voll erfasst hat, da bisher angenommen wurde, dass der Bereich der günstigeren Kleinwagen weniger stark betroffen sein könnte.

Mit dem Abbau der Zeitarbeiter im Sommer und der Einführung eines Zeitmodells in Abstimmung mit dem Betriebsrat hätten Lohnverluste und Kurzarbeit vermieden werden können, hieß es noch im vergangenen November aus dem Wiener Werk. Eine gleichzeitige Schulung der Mitarbeiter, die in Kurzarbeit gehen, sei nicht vorgesehen.

Letzte Ausfahrt Rüsselsheim

Auch im Opel-Autowerk Bochum wird die Hälfte der 6000 Personen umfassenden Belegschaft für bis zu hundert Tage in Kurzarbeit geschickt. Zurückgefahren werden auf die eine oder andere Art europaweit alle Werke des Konzerns. Lediglich das Stammwerk in Rüsselsheim im deutschen Bundesland Hessen läuft auf Hochtouren - wegen des Marktstarts des neuen Mittelklassemodells Opel Insignia. Der Konzern verhandelt derzeit nach wie vor mit der Berliner Bundesregierung über Staatshilfen.

GM erwartet gegenwärtig eine weitere Talfahrt des US-Automarktes im laufenden Jahr auf insgesamt 10,5 bis maximal zwölf Millionen verkaufte Einheiten (aller Hersteller). 2008 lag der Gesamtabsatz bei etwa 13,2 Millionen Stück - ein Rückgang um 18 Prozent. GM selbst verkaufte 2008 in den USA 23 Prozent weniger Fahrzeuge.

GM und Chrysler hatten von der US-Regierung zusammen 17,4 Milliarden Dollar an Notkrediten zugesagt bekommen. Im Gegenzug müssen sie bis Ende März ihre Überlebensfähigkeit beweisen. Der Opel-Mutterkonzern bekommt direkt 13,4 Mrd. Dollar, weitere rund sechs Mrd. Dollar sollen dem für GM wichtigen Autofinanzierer GMAC (an diesem hält Bawag- und Chrysler-Eigentümer Cerberus die Mehrheit) helfen.

Die Krise der Autobranche und von General Motors im Besonderen hat indessen bis in die österreichische Provinz Auswirkungen: Der große oberösterreichische Autohändler Kirchberger mit Sitz in Rohrbach hat am Mittwoch Konkurs angemeldet. Betroffen sind 155 Dienstnehmer und rund 60 Gläubiger. Als Insolvenzursache wurden vom Unternehmen Umsatzrückgänge in den vergangenen beiden Jahren angegeben.

Das 1938 gegründete Unternehmen handelt mit Fahrzeugen der Marken Opel, Saab, Chevrolet und Skoda - bis auf letztere alles GM-Fabrikate. (APA, szem, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.1.2009)

  • Im Herbst glaubte man in Wien-Aspern noch ohne Kurzarbeit auskommen zu können. Man hatte sich getäuscht.
    foto: opel/bearbeitung s. druml

    Im Herbst glaubte man in Wien-Aspern noch ohne Kurzarbeit auskommen zu können. Man hatte sich getäuscht.

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