Attentäter bekamen Telefon-Anweisungen aus Pakistan

7. Jänner 2009, 16:34
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Laut Ermittlungsdossier sechs Koordinatoren im Nachbarland - Angreifer sollten "größtmöglichen Schaden anrichten"

Neu Delhi - Die Attentäter von Mumbai, die im November in der indischen Finanzmetropole 163 Menschen töteten, haben während der zweieinhalbtägigen Anschlagsserie genaue Anweisungen per Telefon bekommen. Das berichtete die englischsprachige Zeitung "The Hindu" am Mittwoch unter Berufung auf Protokolle abgefangener Telefonate, die aus dem Ermittlungsdossier der indischen Behörden stammen.

Die Angreifer führten dem Bericht zufolge mehrfach Telefongespräche mit sechs "in Pakistan ansässigen" Koordinatoren. Die Angreifer in dem Luxushotel Oberoi Trident sollen auf diese Weise den Befehl erhalten haben, "den größtmöglichen Schaden anzurichten" und "alle Geiseln außer den beiden Muslimen" zu töten.

"Schüsse hören"

Ein Koordinator gab einem Angreifer in dem Hotel dem Bericht zufolge die Anweisung, beim Erschießen der Geiseln sein "Telefon eingeschaltet zu lassen, damit wir die Schüsse hören können". Den Angreifern in einem jüdischen Kulturzentrum befahl einer der Befehlsgeber, die dortigen Geiseln zu töten, da dies die Beziehungen zwischen Israel und Indien beeinträchtigen werde.

Dem Bericht zufolge enthält das Ermittlungsdossier, das nach indischen Angaben die Verantwortung pakistanischer Extremisten für die Anschläge beweisen soll, auch Angaben zu Waffen und anderen Ausrüstungsgegenständen der Angreifer, die in Pakistan hergestellt worden seien. In Navigationsgeräten sollen zudem die Koordinaten für den Seeweg von Pakistan nach Indien eingespeichert gewesen sein.

Der indische Regierungschef Manmohan Singh hatte gesagt, die Anschläge in Bombay seien eindeutig von der in Pakistan ansässigen islamistischen Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba verübt und mit Unterstützung pakistanischer Behörden vorbereitet worden. Indien hatte Pakistan am Montag die Ermittlungsakten zu den Terroranschlägen übergeben. Pakistan weist die Vorwürfe zurück.

Attentäter von Mumbai ist pakistanischer Staatsbürger

Der in Indien inhaftierte mutmaßliche Attentäter von Mumbai ist pakistanischer Staatsbürger. Das Informationsministerium in Islamabad bestätigte am Mittwoch, was Indien schon seit den verheerenden Anschlägen vom 26 November geltend macht. Bisher hatte es aus Islamabad immer geheißen, der Verdächtige sei nicht in Pakistan registriert.

Die Regierung in Neu-Delhi hat wiederholt dem pakistanischen Geheimdienst vorgeworfen, an Anschlägen gegen Indien beteiligt gewesen zu sein. Das indische Außenministerium hat am Montag Pakistan Beweismaterial übergeben, das die mutmaßliche Verwicklung pakistanischer Hintermänner belegen soll. Darunter seien Protokolle der Vernehmung des einzigen überlebenden Verdächtigen von Bombay sowie sichergestellte Waffen und Verbindungsdaten von Satellitentelefonen, hieß es.

Die Anschlagsserie in Bombay Ende November hat die Spannungen zwischen den Nachbarländern verschärft. Indien macht die in Pakistan ansässige Extremistengruppe Lashkar-e-Taiba für die Terrorwelle verantwortlich. Bei den Angriffen auf zehn Ziele, darunter zwei Luxushotels, kamen 164 Menschen ums Leben. (APA/AFP)

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    Das Taj-Hotel war eines der Ziele der Terroristen.

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