Loitzl: "Mir wird das Gas nicht ausgehen"

7. Jänner 2009, 12:10
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Tourneesieger Wolfgang Loitzl revidiert seine Saisonziele nach oben - Schlierenzauer: "Mit so hohen Zielen kann man fast nur verlieren"

Bischofshofen - Wolfgang Loitzl hat sich binnen einer Woche vom sieglosen Geheimfavoriten zum überlegenen Tournee-Triumphator entwickelt. "Es ist in den vergangenen Tagen so viel Positives auf mich eingestürzt, ich werde eine gewisse Zeit brauchen, um das zu verarbeiten", erklärte Loitzl in Bischofshofen nach seinem dritten Erfolg in Serie. "Jetzt gehöre ich ganz vorne dazu. Man macht den Sport ja weil man gewinnen will, erfolgreich sein will. Das ist mir aber fast ein wenig zu schnell gegangen", so der Steirer, der erst bei seiner 13. Vierschanzen-Tournee so richtig aufblühte.

Saisonziele nach oben revidiert

Nach dem nicht erwarteten Tournee-Coup revidierte Loitzl seine weiteren Saisonziele nach oben. "Ich bin jetzt im Gesamtweltcup einen Punkt hinter Gregor (Schlierenzauer, Anm.) Dritter. Ich bin mir sicher, dass mir das Gas nicht ausgehen wird", lautet die Kampfansage Loitzls an Schlierenzauer und den führenden fünffachen Saisonsieger Simon Ammann. Auch für die Weltmeisterschaft in Liberec rechnet er sich nun einiges aus. "Ich habe jetzt die Gewissheit, dass ich jederzeit ganz oben stehen kann."

"Ich habe die ersten drei Springen zum wichtigsten Zeitpunkt gewonnen", stellte der frisch gebackene Tournee-Sieger klar. Loitzl, der in einer Woche seinen 29. Geburtstag feiert, hatte sich lange gedulden müssen, ehe ihm in seinem 223. Weltcup-Bewerb der erste Erfolg gelang. Eine verpatzte Landung im ersten Durchgang in Oberstdorf, die ihm 1,2 Punkte hinter dem späteren Gesamt-Zweiten Ammann Platz zwei eingebracht hatte, verhinderte im Nachhinein betrachtet Siege auf allen vier Schanzen. Den "Grand Slam" hat bisher nur der Deutsche Sven Hannawald geschafft (2001/02).

"Hätte nicht besser verlaufen können"

Dem weinte Loitzl aber keine Träne nach. "Wer weiß, was gewesen wäre, wenn ich schon in Oberstdorf gewonnen hätte. Es war eine Tournee, die nicht besser hätte verlaufen können", bekräftigte der Steirer. Nach dem Premierensieg in Garmisch-Partenkirchen und dem zweiten in Innsbruck habe er erst in Bischofshofen Druck verspürt. "Im Wettkampf hatte ich keine Probleme. Nach dem Probedurchgang hatte ich jedoch ein wenig Zweifel", so Loitzl, der fast zehn Meter kürzer als Ammann und Schlierenzauer gesprungen war.

Diese Zweifel räumte er dann im ersten Wertungsdurchgang mit einem 142,5-m-Flug, der ihm mit fünfmal 20,0 eine historische Höchstnote einbrachte, eindrucksvoll aus. "Das war der wichtigste Sprung der Tournee. Danach war ich mir erstmals ganz sicher, dass es reicht", so Loitzl. Eine weitere Höchstweite im zweiten Durchgang sicherte ihm endgültig den dritten Tagessieg und den schließlich überlegenen Tournee-Gesamterfolg vor dem Schweizer Ammann und Schlierenzauer.

Nächste Station: Kulm

Bereits in zwei Tagen, in denen er erst einmal zur Ruhe kommen wolle, um das Erreichte zu verarbeiten, geht es für den Tourneesieger mit dem Skifliegen in seiner Heimat am Kulm bei Bad Mitterndorf/Tauplitz weiter. "Mal schauen, ob sie mich noch nach Bad Mitterndorf hineinlassen werden", scherzte Loitzl.

"Das wird eine tolle Veranstaltung, mit viel Zuschauerzuspruch", sagte Loitzl, der seine Siegchancen auch im Skifliegen gestiegen sieht. Regen Zuspruch erlebte auch die ORF-Live-Berichterstattung aus Bischofshofen. Bis zu 1,430 Millionen TV-Zuschauer sahen den zweiten Durchgang, im Durchschnitt waren es 1,313 Millionen (58 Prozent Marktanteil). Was nach den Olympia-Bewerben 2002 bzw. 2006 den dritthöchsten Wert für ein Skispringen seit 1995 bedeutet.

Schlierenzauer konnte fast nur verlieren

Während Loitzl sich seiner Siege erfreut, verpasste Skiflugweltmeister Schlierenzauer das erste große Saisonziel und Weltcup-Titelverteidiger Thomas Morgenstern, der den WM-Titel als oberste Priorität genannt hatte, steht sechs Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaften weiterhin ohne Podestplatz da. "Schmecken tut es ihm garantiert nicht, er wollte die Tournee gewinnen. Gregor hat aber mit Anstand verloren. Es ist ein Stockerlplatz und er wird mit einer gewissen Distanz stolz darauf sein", sagte Springer Trainer Pointner.

"Wenn er so weiterarbeitet, wird auch der Tournee-Sieg einmal kommen, es ist nur aufgeschoben", so Pointner. Der seit Mittwoch 19-jährige Tiroler hatte es lediglich bei seinem Heimbewerb in Innsbruck auf das Podest geschafft, dreimal blieb dem zweifachen Saisonsieger nur Rang vier. "Gregor hat seine Genialität noch nicht ganz zeigen können. Aber wenn man in dem Alter bei der Tournee erneut am Stockerl ist, ist das allerhöchste Klasse", kommentierte Innauer die Auftritte des Tirolers. "Ich bin nicht enttäuscht. Mit so hohen Zielen kann man fast nur verlieren", meinte der Angesprochene.

Auf Morgenstern wartet Arbeit

Doppel-Olympiasieger Morgenstern war seinem ersten Top-3-Platz der Saison nur in Garmisch und Innsbruck als Sechster bzw. Fünfter nahe gekommen. "Es ist noch einiges an Arbeit nötig, das ist klar", meinte Poitner zu den WM-Chancen des Weltcupsiegers. "Er hat es im Moment wahrscheinlich am schwersten. Der Stand, auf dem er ist, ist ja handwerklich sehr gut. Da sind auch die Trainer gefordert, um ihn den fehlenden kleinen Schritt weiterzubringen", sagte Innauer.(APA)

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    Ein Siegerkuss für den Bischofshofener Boden.

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    Mit kühlem Kopf nimmt Loitzl den Erfolg zur Kenntnis.

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