DIW senkt deutsche Konjunkturprognose

7. Jänner 2009, 11:13
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Wirtschaft in Deutschland schrumpft laut Experten 2009 um 1,1 Prozent

Berlin  - Das Berliner DIW sieht die deutsche Wirtschaft vor einer langen Schwächephase. Im laufenden Jahr werde die Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent zurückgehen, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch mit. Erst Ende des Jahres könnte es leicht bergauf gehen, und auch bis Ende 2010 bleibe die deutsche Wirtschaft unter ihrer Produktionskapazität. Damit würde das Bruttoinlandsprodukt so stark schrumpfen wie noch nie seit Gründung der Bundesrepublik: Im bisher schlechtesten Wirtschaftsjahr 1975 lag das Minus bei 0,9 Prozent.

Die Rezession hinterlässt nach DIW-Einschätzung ihre Spuren auch am Arbeitsmarkt: Bis 2010 werde die durchschnittliche Arbeitslosenzahl um 450.000 steigen und bei 3,74 Millionen liegen. "Diese Zahl bleibt allerdings deutlich unter den 1,5 Millionen zusätzlichen Jobs, die in den Jahren 2006 bis 2008 entstanden sind", schrieben die Forscher.

Warnung vor "kurzatmigem Aktionismus"

DIW-Chef Klaus Zimmermann warnte die Politik vor vorschnellen Konjunkturprogrammen. "Mit kurzatmigem Aktionismus laufen wir Gefahr, Milliarden zu verbrennen, die uns für dauerhafte Investitionen in Bildung, Forschung und ökologische Infrastruktur fehlen", sagte er. "Mit dem derzeitigen Konjunkturrettungswettlauf droht der teuerste Bundestagswahlkampf aller Zeiten."

Noch im Oktober waren die Wirtschaftsforscher für 2009 von einem Wachstum um 1,0 Prozent ausgegangen. Trotz ihrer neuen Prognose gehören sie immer noch zu den Optimisten unter den Forschungsinstituten. An der Spitze der Pessimisten steht das Kieler IfW, das ein Minus von 2,7 Prozent für möglich hält. Allerdings bewegten sich alle Vorhersagen auf einem extrem unsicheren Fundament, schrieben die DIW-Experten. "Deshalb können derzeit lediglich Szenarien erstellt werden, die mögliche Entwicklungen skizzieren."

2008 dürfte die deutsche Wirtschaft noch um 1,6 Prozent zugelegt haben. 2010 sei wieder mit einem Wachstum um 1,1 Prozent zu rechnen. Schub für den erwarteten Aufwärtstrend dürfte der private Konsum liefern, auch die Staatsausgaben stabilisierten die Wirtschaft. Ab Ende des Jahres dürften zudem die Exporte wieder anziehen, für das gesamte Jahr 2009 sei hier aber mit einem Minus von 2,9 Prozent zu rechnen. Die Unternehmensinvestitionen blieben dagegen schwach. Bei den Ausrüstungsinvestitionen erwarten die Experten einen Einbruch um fast sechs Prozent. (APA/Reuters)

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