Im Dezember deutlich mehr Arbeitslose in Deutschland

7. Jänner 2009, 10:08
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Über drei Millionen Arbeitssuchende im Dezember - Nachfrage nach Kurzarbeitergeld drastisch gestiegen

Nürnberg  - Die Wirtschaftskrise hat nun auch auf den deutschen Arbeitsmarkt übergegriffen. Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Dezember im Vergleich zum Vormonat um 114.000 auf 3,102 Millionen. Das sei der stärkste Zuwachs im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre, sagte der Vorstandsvorsitzende der deutschen Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, am Mittwoch in Nürnberg. Die Quote kletterte um 0,3 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent. Verglichen mit Dezember 2007 ging die Arbeitslosigkeit indes noch einmal zurück, und zwar um 304.000.

Insgesamt sei 2008 für den Arbeitsmarkt das beste Jahr seit der Wiedervereinigung gewesen, sagte Weise. Die Zahl der Arbeitslosen verringerte sich aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung im Jahresdurchschnitt um 508.000 auf 3,268 Millionen. Dabei nahm die Zahl der Empfänger von Arbeitslosengeld-I um 243.000 ab, die der Bezieher von Arbeitslosengeld II um 266.000. Die Arbeitslosenquote ging um 1,2 Prozentpunkte auf 7,8 Prozent zurück. "Wir blicken auf ein gutes Jahr 2008. Aber jetzt zeigen sich, wenn auch noch verhalten, erste Zeichen der Wirtschaftskrise", fasste Weise zusammen.

Nachfrage geht zurück

So sei zum einen die Nachfrage nach Arbeitskräften zurückgegangen. Zum anderen sei die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ersten BA-Schätzungen zufolge im Dezember nicht mehr gestiegen. Im Oktober habe es nach internen Hochrechnungen noch 28,02 Millionen dieser Stellen gegeben und damit 511.000 mehr als im Jahr davor.

Außerdem hätten drei Viertel von 176 Arbeitsagenturen in einer internen Befragung angegeben, dass die Unternehmen in ihrem Bereich Entlassungen planten, sagte Weise.

Ein wichtiger Frühindikator für den Abschwung am Arbeitsmarkt sei auch die erheblich gestiegene Nachfrage nach Kurzarbeitergeld: Lagen im November noch 164.000 Anzeigen dafür vor, so erhöhte sich diese Zahl im Dezember auf über 400.000. Verglichen mit Dezember 2007 habe sich die Zahl sogar vervierfacht, erklärte der BA-Chef.

Besonders deutlich sei der Anstieg beim konjunkturellen Kurzarbeitergeld: Hier habe sich die Nachfrage von über 9.000 im Vorjahr auf fast 295.000 vervielfacht. Beim sogenannten Saison-Kurzarbeitergeld für die Bau- und Landwirtschaft betrug der Zuwachs nicht ganz 20.000 auf knapp 104.000.

Die meisten Anzeigen kamen aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen sowie in Branchen unterteilt aus dem Baugewerbe, dem verarbeitenden Gewerbe mit der Automobilindustrie und ihren Zulieferbetrieben und der Logistik.

Vorsorgliche Maßnahmen

BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt sagte, die Anzeigen für Kurzarbeitergeld sagten noch nicht aus, in welchem Umfang dieses tatsächlich bezahlt werde. Die Unternehmen würden damit Vorsorge treffen, aber noch offenlassen für wie viele Mitarbeiter und über welchen Zeitraum sie wirklich Kurzarbeit beantragen.

Insgesamt habe die BA derzeit 300 Millionen Euro für Kurzarbeitergeld eingeplant, und damit fast 200 Millionen mehr als 2007. Es sei allerdings auch möglich, dass bis zu einer Milliarde Euro nötig würden. Auch in diesem Fall würden Alt zufolge die Finanzmittel der Bundesagentur ausreichen, da Kurzarbeit die BA zwei Drittel weniger koste als Arbeitslosigkeit.

Unternehmen könnten Kurzarbeit nutzen, um ihre Mitarbeiter zu qualifizieren. Die Bundesagentur konzentriere sich darauf, die noch immer vorhandenen offenen Stellen zu besetzen. "Das ist eine wirkliche Bewährungsprobe", betonte Weise. Denn allen sei klar: Nach der Krise komme wieder der Aufschwung. Und mit dem Aufschwung komme der Fachkräftemangel.

Zu den Finanzen sagte Weise, die Bundesagentur habe 2008 mit einem operativen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro abgeschlossen. Dadurch hätten sich die Rücklagen auf 17 Milliarden Euro erhöht. "Die BA geht gut gerüstet in schwierige Zeiten", sagte Weise. (APA/AP)

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