Grüne "Fußabdrücke" im Büro

12. Jänner 2009, 17:00
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Auch im Büroalltag ist es wichtig, auf eine bewusste Ressourcennutzung zu achten - Einige Tipps können helfen, das Büro umweltfreundlicher zu nutzen

Arbeit am Compter, Ausdrucken von Dateien, Beleuchtung, Benutzung der Luftzufuhr: all das sind Faktoren, die einen wesentlichen Unterschied in der Nachhaltigkeit von Büros machen können. Im Vorjahr wurde eine Studie veröffentlicht, die den enormen Energieverbrauch von Büros aufzeigt. Die Durham Business School und JBA haben im Auftrag von Regus erforscht, dass die Büronutzung einen Anteil von 40 Prozent am gesamten Kohlenstoffausstoß ausmacht. Laut dieser Studie werden Büros nur rund 30 Prozent der Zeit effektiv genutzt.

RespACT ist als Unternehmensplattform im Bereich Corporate Social Responsibility und nachhaltige Entwicklung tätig. Geschäftsführer Roman Mesicek nennt im Wesentlichen zwei Dimensionen der bewussten Ressourcennutzung im Büro. "Zum einen gilt es Arbeitsweisen, Ausstattung und IT möglichst umweltfreundlich zu gestalten. Das geht vom Papierverbrauch, über der Kaffee bis hin zur sogenannten Green IT." Vor allem in der IT-Branche lässt sich in diesem Sektor der digitale ökologische Fußabdruck optimieren. Beispielweise der Einsatz von Ökostrom zur Kühlung oder auch die Beschaffung von Geräten mit möglichst geringem Stromverbrauch können die CO2-Ausstoßwerte reduzieren.

Wer trägt die Verantwortung?

"Zum anderen geht es auch um die Gebäudeeffizienz der Büros", sagt Mesicek zur weiteren Dimension des Umweltschutzes. "Das ist klar ein Arbeitgeberbereich und in vielen Fällen ist auch der Arbeitgeber nicht Eigentümer, sondern nur Mieter der Bürogebäude."

Der Verantwortungsbereich für umweltbewusste Büroarbeit hängt vom Teilbereich der Arbeit ab. In gemieteten Büros führt oft eine Heizkostenpauschale dazu, dass auch der Arbeitgeber keinen Grund zu Einsparungen sieht. Geht es um kleinere Maßnahmen, wie die Abfalltrennung oder das Ausschalten der Geräte, geht die Initiative zu nachhaltigem Handeln allerdings oft vom Arbeitnehmer selber aus. "Besonders die Trennung von Papier und anderen Abfällen hat sich in den Köpfen schon sehr stark verankert, Bedarf gibt es hingegen noch beim Drucken. Hier sollte der Kostenfaktor für Papier und Druck als Einsparungspotential eine Motivation für den Arbeitgeber sein", sagt Angelika Hackel von der Umweltberatung.

Initiativen und Förderprogramme

Die Stadt Wien fördert mit dem Öko-Businessplan seit über zehn Jahren eine nachhaltige Entwicklung in Unternehmen. "Der Öko-Businessplan zielt zwar in erster Linie auf Produktionsunternehmen ab, kommt aber auch oft bei reinen Bürobetrieben zum Einsatz. In Büros sind es oft nur kleine, simple Maßnahmen, die aber sehr viel bringen", erzählt Programmmanager Thomas Hruschka. Zu einem geringen Selbstkostenbeitrag können Unternehmen von externen Beratern das Einsparungspotential analysieren lassen. In einem weiteren Schritt kann man entweder die vorgeschlagenen Maßnahmen selbst umsetzen, oder weitere Unterstützung und Beratung in Anspruch nehmen. "In fast allen Bundesländern gibt es mittlerweile vergleichbare Projekte, mit denen wir auch teils zusammenarbeiten. Der Wiener Öko-Businessplan ist das älteste und größte von ihnen und wurde auch schon mehrfach ausgezeichnet", sagt Hruschka. Nach zehn Jahren Arbeit verzeichnet der Öko-Businessplan eine ansehnliche Bilanz: "Die bisher eingesparte Kohlendioxid-Menge würde mehr als 12.600 Heißluftballons füllen."

Um einen ersten Schritt in Richtung ökologisch nachhaltiger Büroarbeit zu gehen, lohnt es sich die folgenden Tipps zu beachten:

Richtig Lüften und Schimmel vorbeugen

Frischluft im Büro macht munter und die arbeitenden Menschen aktiver und effizienter. Wichtig ist allerdings, richtig zu Lüften. "Ein paar Minuten Stoßlüften bringt viel mehr, als das Fenster dauernd gekippt zu lassen" empfiehlt Sabine Seidl von der Umweltberatung. "Ein durchgängig geöffnetes Fenster im Winter erhöht nicht nur den Heizverbrauch, sondern förderd zudem die Bildung von Schimmel."

Leitungswasser bei Besprechungen

Österreich hat in vielen Regionen eine hervorrangende Qualität des Leitungswassers. Die Umweltberatung empfiehlt aus dem Grund: "Wird bei Besprechungen statt Mineralwasser Leitungswasser serviert, so kann man neben Kosten auch möglichen Abfall durch Plastikflaschen sparen." Zusätzlich entfällt dabei die oft umständliche Getränkelieferung ins Büro.

Kaffee aus der eigenen Tasse

In vielen Bürogebäuden gibt es Kaffeeautomaten, die, solange man nichts anderes wählt, jeden Kaffee in einem kleinen Plastikecher zubereiten. Kleine Maßnahmen, wie eine eigene Tasse zu verwenden, können auf Dauer große Unterschiede machen.

Bildschirm ausschalten

Dass Geräte auch im Standby-Modus Strom verbrauchen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Dennoch vergessen viele immer wieder den Bildschirm abzuschalten. Hier liegt die Verantwortung bei jedem einzelnen Arbeitnehmer und nicht nur in der Hand der Arbeitgeber. Ein Sticker zur Erinnerung an das Ausschalten kann vor allem in der Umgewöhnungsphase hilfreich sein.

Doppelseitig drucken und kopieren

"Den Drucker standardmäßig auf doppelseitiges Bedrucken einzustellen, ist zwar ein kleiner Schritt, bringt aber in mittelgroßen und großen Unternehmen oft beachtliche Einsparungen", sagt Mesicek von RespACT. Die ökonomische Perspektive der nachhaltigen Ressoursennutzung, also Einsparungen an Material und Kosten, sei letzendlich auch ein effizienter Treiber im Engagement eines Unternehmens. Immer häufiger finden sich bei Mails zum Beispiel auch Signaturen, die darauf hinweisen, dass man die Wichtigkeit abwägen soll, bevor man das Dokument ausdruckt.

Stromverbrauch kontrollieren und optimieren

RespACT empfiehlt Gratissoftware, mit Hilfe derer der Stromverbrauch bei jedem einzelnen Arbeitsplatz optimiert werden kann. Die Software wird am Rechner installiert und rechnet immer den aktuellen Stromverbrauch hoch. So lässt sich für jeden einzelnen Arbeitnehmer leichter schätzen, wieviel Strom er verbaucht, und wieviel davon wirklich benötigt wird.

Ökologische Reinigung

Zu einem nachhaltigen Umgang mit der Umwelt im Büro zählt natürlich nicht nur die Büroarbeit an sich. Auch die Reinigung der Räumlichkeiten macht einen Unterschied. Die Umweltberatung bietet zu diesem Thema Workshops und Beratung an. Eine Liste von empfehlenswerten Reinigungsmitteln auf der Website der Umweltberatung soll helfen, die Umweltbelastung umfassend zu reduzieren.

Geschäftsreisen: Abwägen und "fair" fliegen

"Aktuell versuchen viele Unternehmen aufgrund der Finanzkrise ihre Geschäftsreisen zu reduzieren. Aber auch schon davor hat sich ein Trend abgezeichnet, dass genauer abgewogen wird, ob die Reise nicht durch eine Videokonferenz ersetzt werden könnte", erklärt Mesicek. Muss die Reise dennoch angetreten werden, so gibt es bei Online-Buchungen die Möglichkeit, klimaneutral zu buchen. Das bedeutet, dass die Fluglinie einen Aufpreis verlangt und diesen für ausgleichende Maßnahmen einsetzt. So werden Projekte finanziert, die in anderen Bereichen zum Klimaschutz beitragen.

Richtig beleuchten

"In Büros kommt es oft auf die kleinen Maßnahmen an, wie bespielweise die richtige Beleuchtung", erklärt Hruschka von der MA22. Eine einfache interne Organisation, wer für das Abschalten des Lichtes zuständig ist, hilft mit, Strom zu sparen. "Wichtig ist auch, dass die Arbeitsplätze separat beleuchtet sind und nicht, wenn nur mehr einer bis zehn am Abend arbeitet, im ganzen Stock das Licht brennen muss." (Sophie Preisch, derStandard.at, 12.01.2009)

Links

Die Umweltberatung ist eine Bildungs- und Beratungsinstitution für ökologischen Lebensstil. www.umweltberatung.at

Hier kann man kostenlos Sticker herunterladen, die einen im Büro an umweltschonende Maßnahmen erinnern.

RespACT ist eine Unternehmensplattform für Corporate Social Responsibility und nachhaltige Entwicklung. www.respact.at

Die MA22 bietet in Wien ein Förderprogramm unter dem Namen "Öko-Businessplan" an. Es werden Beratungen zu nachhaltiger Entwicklung im Unternehmen gefördert. Unter www.oekobusinessplan.wien.at gibt es mehr Informationen dazu.

 

 

  • Ein Büro im Grünen ist für Viele nicht möglich, dennoch kann man die Büroarbeit so "grün" wie möglich gestalten.

    Ein Büro im Grünen ist für Viele nicht möglich, dennoch kann man die Büroarbeit so "grün" wie möglich gestalten.

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