Diakonie-Chef Chalupka: Globale Ethik der Ökonomie

6. Jänner 2009, 20:03
  • Artikelbild
    foto: standard/kat

    "Das Finanzsystem und der Kapitalismus sind in den letzten 15 bis 20 Jahren zu einer Religion geworden", sagt Diakonie-Direktor Michael Chalupka. Die Finanzkrise entmythologisiere diese.

Diakonie-Chef Michael Chalupka sieht in der Finanzkrise die Chance, dass das Primat der Politik wieder erkannt wird

Standard: Was ist für Sie der Sinn von Geld und dessen Vermehrung?

Chalupka: Das Leben mit möglichst wenig existenziellen Krisen leben zu können, sodass persönliche Verwirklichungschancen, Freiheiten nicht dadurch unmöglich werden, dass sie am Dringendsten und Überlebensnotwendigsten scheitern.

Standard: Hat Sie die Finanzkrise überrascht?

Chalupka: In den letzten 15 bis 20 Jahren habe ich beobachtet, dass das Finanzsystem und der Kapitalismus zu einer Religion geworden sind. Insofern hat mich das als Theologe nicht überrascht, weil ich natürlich an Gott und das Evangelium und nicht an die heilenden Kräfte des Marktes glaube. Es war eine Frage der Zeit, wann diese Religion, dieser Religionsersatz Kapitalismus brüchig wird. Ich sehe deswegen diese Krise als Entmythologisierung eines falschen, angeblich nach Naturgesetzen funktionierenden Konzepts, dass der Markt alles macht, sich selbst heilt, der Staat nur stört, dass sozialstaatliche Maßnahmen die Wirtschaft am Wachstum hindern, dass man geglaubt hat, Geld könne arbeiten, ohne dass es den Umweg über die Produktion und die Arbeit nimmt.


Standard: Dem Soziologen Max Weber zufolge war es der protestantische Geist, der den Kapitalismus zur vollen Entfaltung gebracht hat.

Chalupka: Max Weber hat eine Herleitung des Kapitalismus aus der protestantischen Ethik gemacht, das aber gleichzeitig schon als Kritik an dem Kapitalismus, wie er ihm begegnet ist, verstanden. In der protestantischen Ethik war der Genuss des Reichtums, waren Gewinne nie Ziel, sondern es ging verkürzt gesagt darum, durch wirtschaftlichen Erfolg die eigene Erwählung durch Gott bestätigt zu bekommen. Deswegen wurde das Kapital wieder direkt in die Produktion reinvestiert und dadurch auch das Gemeinwohl gestärkt. Und das nennt Weber die Geburtsstunde des Kapitalismus.

Standard: Also doch.

Chalupka: Nicht ganz. Weber kritisiert den profitorientierten Kapitalismus seiner Zeit. In seiner protestantischen Ethik geht es ihm immer auch um das Los der Schwächsten und Ärmsten. Zudem zeigen neueste Forschungen, dass Weber nur halb recht hatte. Der Bildungsökonom Ludger Wößmann zeigt in einer Vorabpublikation seiner Studie mit dem Titel 'Lag Weber falsch?' in der Zeit auf, dass sich der wirtschaftliche Vorsprung, den es in protestantischen Gebieten gegeben hat, vor allem auf den Bildungsvorsprung dort zurückgeführt werden kann.


Standard:
Der Kapitalismus, aber auch der Kommunismus, ist gescheitert. Was für Alternativen sehen Sie?

Chalupka: Was gescheitert ist, ist der Kapitalismus als System von quasi naturgesetzlichen Vorgaben, in dem sich viele Politiker als Opfer gesehen haben. Alle haben beteuert, sich um die Verlierer, die Ärmsten kümmern zu wollen, aber die Sachzwänge seien ja so groß, und deswegen müssten die sozialen Kosten gesenkt werden. Die Krise hat aber etwas Positives: Die Politik kommt wieder darauf, dass sie das Primat hat, dass Regeln, unter denen Marktwirtschaft passiert, von Menschen geschaffen, eine gesellschaftliche Übereinkunft sind und diese auch geändert werden kann.


Standard: Wie soll das in einer globalisierten Welt gehen?

Chalupka: Globalisierung heißt, dass das, was Marktwirtschaft ist, in einem globalen Rahmen passiert. Also brauchen wir globale Regeln und eine Ethik der Ökonomie, die global ist. Was wir brauchen, ist eine zukunftsfähige, soziale und ökologische Marktwirtschaft. Allerdings bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob die Politik diese Lektion schon gelernt hat. Oder ob sie im Moment nur versucht, mit enormem Kapitaleinsatz ein gescheitertes System weiterzuhalten.


Standard: Was erwarten Sie sich für Signale seitens der Politiker?

Chalupka: Vor allem, dass sie Wirtschaft und demokratischen Diskurs wieder zusammenführen. Globale Wirtschaft galt bisher als etwas Mystisches. Es war undenkbar, dass irgendjemand demokratisch mitdenken konnte. Auch die Bürger sind dabei zu Zuschauern mutiert worden, weil die Banker und Wirtschaftsexperten uns vermittelt haben, dass das für Normalsterbliche viel zu kompliziert zum Verstehen sei. Und das halte ich für enorm gefährlich. Weil auch dieser Glaubenssatz, dass freie Marktwirtschaft automatisch Demokratie fördert, sich als falsch erwiesen hat. Siehe etwa das heutige China.


Standard: Die Banken haben Riesensummen erhalten. Wie wird sich das auf die sozialen Ausgaben auswirken?

Chalupka: Man möchte ja meinen, dass der Satz "Wir können uns nicht mehr leisten" für Politiker jetzt streng verboten sein müsste, wenn es um eine Valorisierung von sozialen Ausgaben geht. Das Gegenteil ist der Fall. Dabei bräuchte es jetzt dringend ein drittes Konjunkturpaket, um die Menschen, die in Österreich in Armut leben, zu stützen. Teil dieses Konjunkturpakets müsste die bedarfsorientierte Mindestsicherung sein, die ja nur am Einspruch Kärntens hängt.


Standard:
Was würden Sie noch in ein drittes Konjunkturpaket packen?

Chalupka: Was es noch braucht, ist ein Ausbau der sozialen Infrastruktur, in der Kinderbetreuung etwa oder im regionalen Ausbau von kleinen Einheiten in der Altenhilfe. Damit kann nicht nur die Bauwirtschaft gefördert, sondern auch Arbeitsplätze für Frauen geschaffen werden, die ja jetzt bei den Maßnahmen überhaupt nicht vorkommen. Gerade im Gesundheits- und Pflegebereich gibt es einen enormen Wachstumsmarkt, auch für Beschäftigung.


Standard: Die Weltwirtschaftskrise 1929 hat zu einem Auftrieb populistischer rechter Parteien geführt. Sehen Sie diese Gefahr jetzt auch?

Chalupka: Die Menschen sind frustiert und verängstigt, weil sie die Vorgänge nicht verstehen können, und suchen nach Halt. In dieser Sphäre haben die Propheten der leichten und schnellen Antwort ein leichtes Spiel, weil sie vorgeben, einfache Lösungen und immer einen vermeintlichen Sündenbock zu haben, etwa die Ausländer. Diese Tendenz kann man nur auflösen, indem es wieder einen Diskurs gibt, in dem soziale Marktwirtschaft und Demokratie als zusammengehörig gesehen werden.


Standard:
Friedensnobelpreisträger Martti Ahtisaari hat einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz gefordert. Kann es so etwas geben?

Chalupka: Wenn man davon ausgeht, dass die Marktwirtschaft dem Menschen dient und nicht umgekehrt. Dazu braucht es klare Zielbestimmungen. Etwa, dass sich eine Gesellschaft daran misst, wie sie mit den Schwächsten, wie mit der Chancengleichheit zwischen Frau und Mann sowie zwischen Nord und Süd umgeht. (Karin Tschentke, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.1.2008)

 

Zur Person: Der evangelische Theologe Michael Chalupka (48) ist seit 15 Jahren Chef der Diakonie Österreich, des Sozialwerks der evangelischen Kirchen. Die Diakonie beschäftigt hierzulande 5600 Mitarbeiter.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
1 2
Alina Zak
00
12.12.2010, 19:56
Glaubt er echt an Gott?

"weil ich natürlich an Gott ...und nicht an die heilenden Kräfte des Marktes glaube.... Religionsersatz Kapitalismus ... angeblich nach Naturgesetzen funktionierenden Konzepts, dass der Markt alles macht, sich selbst heilt "

seltsam, wer an Gott glaubt, muss doch glauben das Gott eine sich selbst reinigendes System erschaffen hat und keines wo Menschen überall nachbesseren und alles kontrollieren müssen.... und Glück hat wenig mit Reichtum zu tun. dann wären wir hier in mitteleuropa extrem zufriedene stets lächelnde Menschen

als Gläubige , muss ich sagen; Chalupka und Konsorten zeigen einen Mangel an glaube. bzw glauebn sie nur an den Teufel, den sie bekämpfen müssen....

V.Er. Naderer
 
00
"Gott ist Capitalist" Wiegleb 1721

Es ist im Sternen-Saal
Ein Banco angeleget,
Da ist manch Capital,
Das viel an Zinsen träget,
Man legt ein Schärfgen ein,
Die Zinsen aber geben
Was ewig Noth mag seyn
Aufs herrlichste zu leben.
GOTT ist Capitalist,
Der keinen hat betrogen
Und so es wenig ist,
Es keinem vorgezogen.
Wer Armen guts gethan Mit eifrigem Bemühen,
Denselben sieht er an, Als wenn ers ihm geliehen.


Das Gedicht des jung verstorbenen Johann Andreas Wiegleb wurde von August Hermann Francke zu einem Nachruf auf Wieglebs Schwester Johanna Eleonora unter dem Originaltitel »Wer sich des Armen erbarmet« 1721 in Halle veröffentlicht.

Max Ist
01
Wir müssen einfach aufhören, wie in einer Religion daran zu glauben, dass die Beschränktheit von Mitteln ein Naturgesetz wäre! Wir stimmen einfach darüber ab, dass jeder alles haben kann, und dann passiert das!


Demokratische Marktwirtschaft, wo Budgets, Mittel, Zeit und Aufwand einfach nicht mehr exisitieren, weil es ja kein Naturgesetz ist, dass es Einschränkungen gibt!

Und überhaupts, wer wem einen Kredit gibt, kann doch nicht behaupten, dass man keine Mittel hätte, um einfach alles auf Kosten der Steuerzahler irgendwem zu schenken!
Schenken und Kredite geben ist das gleiche!

Und wenn Sie was anderes behaupten...
... Sie wissen ja, das ist kein Naturgesetz, der Kaptialismus muss über Abstimmung besiegt werden, und schon fliegen einem die gebratenen Tauben in den Mund, von denen es unendlich viele gibt, wenn wir nur darüber abstimmen...


Mein Gott, zum Glück stehen nicht alle engagierten Menschen so meilenweit neben sich....

Mike Freeman
00
Ich glaube, dass die Politik ihre Lektion aus dieser Krise noch nicht gelernt hat …

… und derzeit tatsächlich nur mit enormem Kapitaleinsatz ein gescheitertes System zu erhalten versucht. Und zwar weil sich Politiker nicht mit ihrer Aufgabe befassen einen möglichst guten Kompromiss zwischen gesellschaftlichen Interessen herzustellen, sondern eher versuchen ihre eigenen Interessen zu befriedigen und sich dafür von den stärksten Gruppen innerhalb der Gesellschaft kaufen lassen.

avision
00
Wirtschaftskrise und Sibirische Temperaturen ...

... Das Klima bestimmt: Beziehungen, jedoch auch anderes. Seltsame Daten? Die Sibirische Kälte erfasst bis Sonntag 11. Januar 2009 ganz Österreich. Den österreichischen Kälterekord gab es im Februar 1929.

caverde
00
Ein kleiner Hinweis

auf interessante Veranstaltungen
http://www.nwo.de/termine.htm

Toni Meister
01
Auf die richtige Mischung kommt es an

Primat der Politik ja, aber nicht mit einer überwiegenden Mehrheit von Lobbisten des Finanzmarktes und der restlichen Wirtschaft.

Ernst Guevara
14
wenn man nur den neoliberalismus kritisiert und nicht den kapitalismus an sich, und das tut ja der herr chalupka im kern,

dann kommt man zu der fehleinschätzung, dass "soziale" marktwirtschaft eine sinnvolle zielvorstellung sei. aber das greift viel zu kurz. ein bisschen mehr marx statt max weber täte gut. und bezüglich protestantische ethik: die dependenztheorie hat das längst widerlegt. nicht so sehr das eifrige streben von individuen nach wirtschaftlichem aufstieg war der motor der kapitalistischen ökonomie, obwohl das auch dazu gehört. der aufstieg des kapitalismus ist nicht zu denken ohne die ausbeutung der kolonien und dem enormen mehrwerttransfer von den kolonien in die zentren des kapitalismus. die ausbeutung der afrikanischen sklaven und die aneignung der rohstoffe in asien, lateinamerika und afrika hat den aufstieg des kapitalismus erst ermöglicht.

re flexion
01
???

" nicht so sehr das eifrige streben von individuen ..."

Was genau glauben sie ist die Ursache - die Motivation - hinter dem Kolonialismus und der Ausbeutung? Eben dieses Streben!

Marxismus anwenden zu wollen und dieses Streben als menscheninherent zu ignorieren führt zu jenem Kommunismus, den wir hatten: die große Masse resigniert und wird von wenigen ausgebeutet / unterdrückt.

Dass der enorme Reichtum unserer Gesellschaft auf der Ausbeutung anderer basiert ist unbestritten und daher sicher nicht in diesem Ausmaß für die ganze Welt erreichbar. Weshalb aber die "soziale" Marktwirtschaft als eine sinnvolle Zielvorstellung eine Fehleinschätzung sei, müssen sie näher erklären. Vor allem ihre Alternativen dazu wären interessant.

Ernst Guevara
10
naja.. ich würde mal sagen, dass weniger das streben nach wirtschaftlichem aufstieg den menschen inhärent ist sondern eher das streben nach individuellem glück,

nach zufriedenheit, danach, "sich selbst zu verwirklichen" usw. die wirtschaft ist dazu ein werkzeug, aber kein selbstzweck. nun, bezüglich "sozialer" marktwirtschaft: ich halte dieses ziel deshalb für falsch, weil es übersieht, dass der kapitalismus nicht "reformierbar" ist. die ganzen negativen symptome des kapitalismus (armut, arbeitslosigkeit, ausgrenzung, prekarisierung usw.) leiten sich aus diesem system direkt ab. eben weil der kapitalismus so funktioniert, leben menschen in armut (und nicht, weil der kapitalismus "zu wenig" funktioniert). somit ist ein "sozialer" kapitalismus gar nicht möglich.
zu den für mich denkbaren alternativen siehe zur einführung zum beispiel:
http://deu.anarchopedia.org/Anarchokommunismus

aldus
00
dem menschen inhärent sind seine innereien

alles andere ist in dem sinn ideologie, als historisch und sozial konkrete erfahrungen als zeit- und ortlos auf "den" menschen projiziert werden. mit einem postulierten streben nach individuellem glück stolpern sie schon, wenn sie das verhalten eines hamas-kämpfers erklären wollen; und sobald sie sich in kulturell oder historisch etwas größere entfernung begeben, geht vollends das licht aus. vorschlag: politisch/ökonomische regeln nicht aus mythischen wesenszügen des menschen, sondern aus der art des zusammenlebens ableiten, die wir uns wünschen.

re flexion
00
Naja

Weshalb sollte der Kapitalismus nicht "reformierbar" sein? Gewinnmaximierung des einzelnen geht immer nur im Rahmen des Möglichen. Und diesen Rahmen kann man ja sozial beeinflußen. Wenn dies so unmöglich wäre wie sie beschreiben, hätte es ja nie eine Entwicklung weg vom Manchaster-Liberalismus gegeben.

Zu ihrem Gesellschaftsmodell: "Mit der Zeit wird ein neues Denken des Miteinanders das bürgerliche Konkurrenzdenken ersetzen" ... wer's glaubt wird selig. Hat sich auch in der Urkirche auf Dauer nicht durchgesetzt. Auch alle anderen Sekten / Kommunen / "Lebensgemeinschaften" sind über kurz oder lang zerbrochen.
Als globale Gesellschaftsform ist es bestenfalls eine Utopie.

Ernst Guevara
01
ja, klar ist es eine utopie. aber auch die bürgerliche revolution hat einmal ganz klein angefangen. von der utopie zur verwirklichung ist es ein langer schwieriger weg,

aber die französische und die amerikanische revolution haben gezeigt, dass es doch möglich ist, diesen weg zu gehen und dass eine utopie nicht zwangsläufig "unmöglich" umzusetzen ist. wenn die französischen revolutionärInnen nicht gewagt hätten, den ersten schritt zu setzen, dann würden wir heute immer noch von pfaffen und königen unterdrückt werden.
zum punkt "reform": aber die reform wird nie soweit gehen, dass sie die grundlagen des systems in frage stellt. ein bisschen mehr lohn hier, eine krankenversicherung da sind zwar schon fortschritte, aber es ist alles letztlich nur symptom- und keine ursachenbekämpfung. die ursache liegt darin, dass der profit des einen durch die ausbeutung der arbeitskraft des anderen geschaffen wird.

Hans Müller1
 
10
Das ist eine Utopie die sich verwirklichen lässt

wenn man an etwas Nicht-Materielles glaubt. Marx aber ist ein Materialist und beraubt sich so selbt der einzigen möglichen Grundlage diese Utopie zu schaffen.

opti
52
märchenerzähler unter sich

irgendwie klingt es witzig
die größten und erfolgreichsten märchenerzähler und eintreiber von kapital in der geschichte kritisieren den "erfolgreichen" märchenerzähler-nachwuchs aus der finanzwelt

witherabbitt
 
02
Eine wunderbare Analyse!


Nach Albers wird von Vielen die Allgemeine Zweckrationalität Max Webers zum soziologischen Feigenblatt der Naturalisierung von Markt, Gesellschaft und Menschenbild. Die fundierte Stellungnahme von Herrn Chalupka bietet ein nötiges Korrektiv zur behübschenden Ökologisierung der irrationalen Marktbewegungen, die zum hysterischen Orakel der von der Bildungspolitik quasibiologisierten Gesellschaft geworden sind.

aldus
08

aber ihr kommentar scheint mir ein bisserl abgehoben. wollen sie nicht verstanden werden?

witherabbitt
 
00

Was verstehn's denn nicht? Weshalb fragen Sie nicht gezielt nach? Gefällt Ihnen die Rolle des koketten Nichtverstehens am Besten beim Nichtverstehen?

basilfawlty
07

sehr klug. Allerdings bin ich überzeugt, dass "die Politik" garkeine Lektionen lernen kann, dass "die Politiker" nur versuchen, "ein gescheitertes System weiterzuerhalten", und dass eine demokratische Wende ebensowenig von "den Politikern" kommen wird wie von Godot.
Die Entmündigung der Bürger durch den Neoliberalismuszwang ist ein Hauptgrund für die gegenwärtige Ohnmacht der Bürger, verglichen zb mit der lebendigen Basisdemokratie 1977 Zwentendorf, oder 1984 Hainburg. Spätestens seit 2008 wäre eine Aubesetzung nach §278b sogar ein terroristischer Akt. Aber auch die Entkriminalisierung politischen Engagements wird nicht von Godot kommen.

Engl
03
Brauchen eine globale Ethik der Ökonomie

Ja!

...und sie muß angewendet werden. Das ist das Problem.

Mike Freeman
00
… und das nicht Einhalten einer solchen Ethik muss schwerwiegende rechtliche Konsequenzen haben …

… ähnliche Konsequenzen die ein Kapitalverbrechen wie Mord nach sich zieht stelle ich mir dabei vor.

NO : ID
 
00
"ethik" gab es in zahlreichen börsennotierten unternehmungen -> nennt sich "corporate socaial responsibility", nur gebracht hat diese "ethik" nichts

"ethik" als solche allein steht immer auf wackligen beinen.

da könnte man den kategorischen imperativ zum "wirtschaftsrecht" erklären, dies allein wird wohl nicht funktionieren. und mit der phrase "globale ethik" wäre ich sehr vorsichtig. zumal das wort "global" schon kapitalistische vorprägung hat: The word ‘globalisation’ first acquired prominence as an advertising strategy for ‘American Express’ whilst eulogising the global reach of their credit cards (Harvey, 2000).

Quellenangabe/Publikationstitel: Barriers to capital and the systemic enclosure of natural and mental forces, manufacturing the language of "need and want"

derdon
00

Nachdem Zusammenbruch des Kapitalismus haben die 7 Todsünden wieder Hochkonjunktur. Maßlosigkeit und Gier als die zwei Hauptursachen für die Katastrophe und schnell vergessen die Meisten, dass sie im Fahrwasser des Kapitalismus zu dem geworden sind was sie sind, gewissermaßen mitschuldig. Ja was sind wir eigentlich? Was ist aus uns geworden? Wir wollten die Welt verbessern, Ausbeutung und Imperialismus stoppen, die böse USA... Wo sind die großen humanitären Projekte der EU? Wo das politische Engagement für den Frieden der Welt? Eine Wertedebatte muss geführt werden!

Leichtes Fressen haben hier nicht nur Populisten, auch die Religion hat es ja schon immer gesagt...

Frank'n'furter
01
Stark

"...war der Genuss des Reichtums, waren Gewinne nie Ziel, sondern es ging verkürzt gesagt darum, durch wirtschaftlichen Erfolg die eigene Erwählung durch Gott bestätigt zu bekommen."

Wie war das noch mit Kamel, Nadelöhr, dem Reichen und dem Himmelreich?

Oder gab's da mal ein Update, das ich verschlafen habe...

aldus
00

anscheinend. denn den zusammenhang, den chalupka hier im sinn hat, gibt's seit mindestens einem halben jahrtausend (und - so unwahrscheinlich es für turbokapitalistisch verdorbene ohren klingt - auch heute noch).

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.