Eine Frage des Überlebens

6. Jänner 2009, 19:18
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Wer sich schnell fortbewegt, muss bestimmte Sicherheitsmaßnahmen akzeptieren

Über den Wolken und in den Tälern ist die Freiheit schon lange nicht mehr grenzenlos. Wer zu schnelleren Fortbewegungsmitteln greift und sich in Menschenmassen bewegt, muss bestimmte Sicherheitsmaßnahmen akzeptieren. Denn dort lauern im Unglücksfall Genickbruch und Schädel-Hirn-Trauma. Deshalb schnallen wir uns beim Starten und Landen in Flugzeugen an. Für Autos gelten Gurtenpflicht, Geschwindigkeitsbegrenzung, strenge Regeln. Motorradfahrer müssen Helme tragen.

Kein vernünftiger Mensch stellt das infrage. Warum sollte es auf den Bergen beim Skifahren anders sein? Angesichts der Verletztenzahlen - 60.000 pro Jahr - und der täglichen Horrormeldungen von den Skipisten mutet es sogar seltsam an, dass einige Bundesländer erst jetzt daran denken, die Einführung einer Helmpflicht - zumindest für Kinder - "einer Prüfung zu unterziehen". Das hätte längst geschehen müssen. Dazu hätte es den Unfall des Ministerpräsidenten aus Thüringen mit einer Toten nicht gebraucht. Wer wissen will, dass Skifahren längst nicht mehr gemütliches individuelles Freizeitvergnügen ist, sondern in Spitzenzeiten ein gefährliches, der muss sich nur ein, zwei Tage in beliebte Skizentren begeben: Es ist im Gewurl der Pistenegoisten fast schon schwierig, Kollisionen mit anderen zu vermeiden.

Das Tragen von Skihelmen würde jedes Jahr hunderten Menschen schwerere Kopfverletzungen und Tod ersparen. Immerhin. Es müsste sogar noch mehr geschehen: besser gesicherte Abfahrten, Maßnahmen gegen Raser und Alkohol auf Brettern. Aber dafür ist die Ich-Gesellschaft nicht reif. (Thomas Mayer/DER STANDARD, Printausgabe, 7. Jänner 2009)

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