Detroit-Autoshow: Stimmung wie bei einer "Totenmesse"

6. Jänner 2009, 19:08
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Die Autobranche hält ab Sonntag die Naias 2009, die North American International Autoshow ab

Detroit - "Motown" verfällt bereits seit Jahren, so wie die Krise der Autobranche, von der die Stadt im Nordosten der USA ihren Spitznamen hat, nicht erst gestern begonnen hat. Ganze Blöcke der Backsteinbauten stehen leer, Art-déco-Wolkenkratzer rotten vor sich hin, kaputte Theater und Opernhäuser zeugen von einer glorreichen Vergangenheit. Sie sind stumme Zeugen einer Zeit, als die US-Autoindustrie Nationaldenkmal war.

Gleich den Bauten in Downtown Detroit bröckelt eine ganze Industrie: General Motors und Chrysler mussten vor dem US-Kongress eingestehen, dass sie in Konkurs gehen müssten, sollte der Staat nicht mit Finanzhilfen einspringen. Bei Ford sieht die Sache nicht ganz so schlimm, aber auch alles andere als rosig aus. Noch-US-Präsident George W. Bush dirigierte in letzter Minute Gelder aus dem Bankenhilfspaket um.

Autoshow im Stimmungstief

In dieser Stimmung hält die Autobranche ab Sonntag die Naias 2009, die North American International Autoshow ab. Natürlich in Detroit, in der Cobo Hall, unweit vom GM-Hauptquartier im Renaissance-Center und auch unweit von den verfallenden Vierteln. Früher war die Detroiter Show stets der erste, frühe Höhepunkt eines Autojahres, heuer gleicht die Angelegenheit einer "Totenmesse", wie Beobachter meinen. Wegen der Krise fahren fast alle Aussteller mit angezogener Handbremse: kleinere Stände, weniger Shows und Promis. GM lässt statt teuren Parketts nur Teppich verlegen. Nissan kommt gleich gar nicht mehr.

Der ganze Staat Michigan leidet mit der Branche. Er ist neben Rhode Island der einzige Bundesstaat mit sinkenden Einwohnerzahlen. Mit einer Arbeitslosenquote von über zehn Prozent zählt Detroit landesweit zu den Schlusslichtern. Das Risiko, in der Stadt ermordet zu werden, ist sechsmal so hoch wie in New York. Dass die Opferzahl zuletzt fiel, nennt Bürgermeister Ken Cockrel schon "ermutigend". (szem, dpa, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 7.1.2008)

 

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