Die Autobranche zittert vor 2009

6. Jänner 2009, 19:01
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Markteinbrüche im Dezember, für eine Besserung gibt es keine Anzeichen

Paris/Frankfurt/Tokio - Die weltweite Talfahrt der internationalen Autoindustrie geht ungebremst weiter. Das Jahr 2008 war eines der schlimmsten für die Branche seit Jahrzehnten, wenn nicht überhaupt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Boden dürfte aber noch nicht erreicht sein, da Wirtschaftsforscher für die ersten sechs Monate 2009 eine weltweite Rezession prognostizieren.

Die Anzeichen dafür sind eindeutig: In Japan gingen die Verkaufszahlen im Dezember um mehr als ein Fünftel zurück. Auf dem weltgrößten Automobilmarkt, den USA, meldeten die Platzhirsche General Motors und Ford ein Minus von jeweils gut 30 Prozent. Der japanische Weltmarktführer Toyota räumte einen Rückgang um 37 Prozent auf dem amerikanischen Markt ein.

Ford verkaufte 2008 mit 1,9 Millionen Fahrzeugen in den USA ein Fünftel weniger Neuwagen als ein Jahr zuvor. Doch der Konkurrenz geht es offenbar noch schlechter. Trotz eines Einbruchs um fast ein Drittel im Dezember reklamierte Ford, der Marktanteil sei noch gewachsen. Für das neue Jahr rechnen Experten für alle US-Hersteller mit noch schlechteren Zahlen.

Deutsche Autobauer

Die deutschen Autobauer, in den USA nur Nischenanbieter, verzeichneten dort 2008 zwar Absatzrückgänge, diese hielten sich aber in Grenzen. Der dort vor einem Jahr eingeführte Kleinwagen Smart hübschte bei Daimler die Bilanz auf. Dank des über Erwarten erfolgreichen Zweisitzers hinkten die US-Verkaufszahlen nur um 1,5 Prozent hinter dem Vorjahreswert her, obwohl Mercedes-Benz ein Minus von 11,2 Prozent hinnehmen musste. Im Dezember brach der Absatz von Mercedes-Benz in den USA um 32 Prozent ein.

Volkswagen verzeichnete 2008 mit der eigenen Marke ein Minus von 3,2 Prozent. Die VW-Oberklassemarke Audi setzte 2008 in den USA 6,1 Prozent weniger Autos ab.

Die Sportwagen und die Geländewagen von Porsche litten besonders unter dem zeitweiligen Benzinpreisschock der Amerikaner und der heraufziehenden Konjunkturkrise. Der Absatz brach 2008 um 25,2 Prozent ein.

Rabatte, Tricks

Zum Listenpreis gehen derzeit europaweit so gut wie keine Neuwagen an den Kunden. Händler werben aggressiv mit Rabatten oder nutzen sogenannte Tageszulassungen, um praktisch neue Fahrzeuge als Gebrauchtwagen zu verkaufen. Das verschönert die Statistiken. In Österreich wird diese Methode seit Jahren eingesetzt, so viele Tageszulassungen wie im Vorjahr waren aber - wie berichtet - noch nie zu verzeichnen.

In Frankreich sanken die Verkäufe von Neuwagen im Dezember um 15,8 Prozent. Im Gesamtjahr gingen die Neuzulassungen um 0,7 Prozent zurück. Eine Abwrackprämie, die in Deutschland diskutiert und auch vom österreichischen Handel seit längerem gefordert wird, dürfte den französischen Markt vor Schlimmerem bewahrt haben: Wie der Branchenverband berichtete, hat sich jeder dritte Neuwagenkäufer die Prämie gesichert. Der Staat schießt den Käufern von umweltfreundlichen Neuwagen 1000 Euro zu.

Schlechtestes Ergebnis seit 1996

Im Gesamtjahr 2008 wurde in Italien ein Zulassungsrückgang von 11,86 Prozent gemeldet. Insgesamt wurden 2,16 Mio. Autos zugelassen, was das schlechteste Ergebnis seit 1996 ist.

Für Österreich werden in der kommenden Woche die Jahresabschlusszahlen von Statistik Austria veröffentlicht, dank der Tageszulassungen wird ein nur moderater Rückgang in den offiziellen Zahlen erwartet.

In Japan brach die Zahl der verkauften Autos, Lastwagen und Busse im Dezember zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent ein. So schlechte Absatzzahlen hatte es dort noch nie gegeben. Auch das ganze Jahr 2008 wird den Herstellern als eines der schlechtesten seit Jahrzehnten in Erinnerung bleiben: Die Zahl der verkauften Wagen sank um 6,5 Prozent auf 3,21 Millionen. Weniger Fahrzeuge hatte die Branche zuletzt vor 34 Jahren abgesetzt. (dpa, Reuters, szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.1.2008)

 

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    Die Aussichten sind trist, nicht nur für den GM-Händler in Daly City (US-Bundesstaat Kalifornien), sondern für die gesamte Automobilbranche weltweit.

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