Die Tournee ist erst am Kulm vorüber

6. Jänner 2009, 17:56
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Die Skispringer schauen auf ein paar Flüge in Bad Mitterndorf vorbei. Der Weltcup dürfte am Wochenende 100.000 Menschen an den Kulm locken. Und Wolfgang Loitzl kommt heim

 
Bischofshofen / Bad Mitterndorf - Hubert Neuper ist gar nicht böse, dass er plötzlich nicht mehr der berühmteste Bad Mitterndorfer ist. Als Organisator des Skifliegens am Kulm hätte dem ehemaligen Sieger der Vierschanzentournee (1979/80 und 1980/81) gar nichts Besseres passieren können, als die Erfolge des Bad Mitterndorfers Wolfgang Loitzl bei der Vierschanzentournee. Gut besucht wäre das Spektakel auf der weltweit größten Naturflugschanze von Freitag bis Sonntag so oder so gewesen, Loitzls Wandel vom Mit- zum Skispringer hat aber den letzten Kick gegeben. Neuper erhofft sich an die 100.000 Besucher in der Region Bad Mitterndorf / Tauplitz.

Dass Loitzl die Fliegerei bisher nicht sonderlich gemocht hat, spielt gar keine Rolle. "Es hat immer geheißen, ich bin kein Fliegertyp. Aber das hat sich zu meinen Gunsten geändert" , glaubt der bald 29-Jährige. Es sei das erste Mal, dass er "in einer Bombenform" zum Kulm anreise. 2005, als zum bisher letzten Mal in Bad Mitterndorf um Weltcup-Punkte geflogen wurde, belegte Loitzl die Plätze 20 und 24, weshalb er im Jahr darauf, als es ebenda um den einschlägigen WM-Titel gegangen ist, gar nicht erst mit von der Partie war. Den einzigen Spitzenplatz als Skiflieger belegte Loitzl im Februar 2004. Da half er - nicht untypisch für seine Karriere, bevor ihm der Knopf aufging - in der Mannschaft mit, bei der Skiflug-WM die Bronzemedaille zu erbeuten.

Suche nach Gegnern

Ob Loitzl weit fliegt, dürfte für das Abschneiden der Österreicher am Kulm relativ unerheblich sein. Die Favoriten stellt der ÖSV, der in Gregor Schlierenzauer und der Mannschaft (ohne Loitzl) seit Februar des Vorjahres (Oberstdorf) die regierenden Weltmeister hat. Mit freiem Auge ist nur der Schweizer Simon Ammann als ernsthafter Herausforderer auszumachen, zumal die Norweger, sonst immer begnadete Flieger, bei der Vierschanzentournee in ein ordentliches Formtief hüpften.
Der Osloer Björn Einar Romören etwa, der 2005 in Planica den immer noch gültigen Weltrekord (239 Meter) aufstellte, hat sich nach Garmisch-Partenkirchen, wo er die Qualifikation verpasste, zusammen mit einigen Kollegen von der Tournee verabschiedet, um auf kleineren Schanzen wieder in Schwung zu kommen. Ob's bis zum Fliegen am Kulm gelingt, ist äußerst fraglich.

Auf selbigem hält der Deutsche Sven Hannawald mit 214 Metern, geflogen 2003, den Schanzenrekord. Seit Hubert Neuper senior den Erstflug auf dem Bakken mit seiner aktuellen, sogenannten Hillsize von 185 Metern wagte (jene Weite, die dem Athleten 120 Weitenpunkte bringt. Jeder Meter mehr oder weniger schlägt sich mit 1,2 Punkten plus oder minus zu Buche), gab es zehn österreichische Siege am Kulm - von jenem durch Rudi Dietrich (1950 mit 103 Metern) bis zum Erfolg von Andreas Widhölzl (2005; 206,5 Meter).

Mangels weiterer österreichischer Weltcup-Bewerbe in dieser Saison gilt dem ÖSV das Fliegen auf dem Kulm als dritter Saisonhöhepunkt, eingebettet zwischen Tournee und WM in Liberec. Sportdirektor Anton Innauer sprach vor Jahreswechsel gar von einer Fünfschanzentournee, die auf seine Athleten warte. (Sigi Lützow - DER STANDARD PRINTAUSGABE 7.1. 2009)

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