"Das werde ich länger nicht begreifen"

6. Jänner 2009, 20:17
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Wolfgang Loitzl siegt mit perfekter Vorstellung auch in Bischofshofen und gewinnt als erster Österreicher seit neun Jahren die Tournee

Bischofshofen - Wolfgang Loitzl hat die Vierschanzen-Tournee gewonnen. Der 28-jährige Steirer gewann am Dreikönigstag auch die Konkurrenz in Bischofshofen - nach den Erfolgen in Garmisch-Partenkirchen sowie Innsbruck bereits sein dritter Tagessieg in Folge.

Mit souveränen Sprüngen auf 142,5 m und 141,5 m sowie der Gesamtnote von 301,2 Punkten setzte sich Loitzl überlegen vor Simon Ammann (284,4/137,5-140,5), dem Russen Dimitri Wassiljew (279,2/138,0-138,5) sowie seinem Teamkollegen Gregor Schlierenzauer (279,1/138,5-136,0), der in der Gesamtwertung Dritter wurde, durch. Die Wertungsrichter bewerteten Loitzels Sprünge, die einer Demonstration nahe kamen, neun Mal mit der Höchstnote 20,0.

"Das habe ich natürlich nicht erwartet", meinte der Souveräne. "Es ist so viel passiert in den letzten Tagen, das werde ich länger nicht begreifen können. Ich bin in den berühmten Lauf hineingekommen, es ist dann alles von selber gegangen. Ich kann es noch gar nicht ganz fassen."

Ende eines langen Wartens

Loitzl sorgte für den ersten Tournee-Gesamtsieg für Österreich seit neun Jahren, damals hatte Andreas Widhölzl die Traditionsveranstaltung für sich entschieden.  Er ist nun nach Sepp Bradl (1953), Willy Pürstl (1974/75), Hubert Neuper (1979/80 und 1980/91), Ernst Vettori (1985/86, 1986/87), Andreas Goldberger (1992/93 und 1994/95) sowie Widhölzl der siebente Österreicher, der die Vierschanzen-Tournee gewonnen hat.

Durchgang eins brachte Loitzl dem Sieg mit einem Satz auf 142,5 m und den Traumnoten von fünfmal 20 bereits nahe. "Ich war eigentlich sehr relaxt und sicher. Das war ein Traumsprung. Das war ein sehr guter Sprung vom Tisch bis zur Ausfahrt, die Benotung ist berechtigt. Ich glaub, jetzt hab ich's", strahlte Loitzl zur Halbzeit ein gerüttelt Maß Selbstvertrauen aus. "Der Sprung war der beste der ganzen Tournee von ihm. Heute hat er auch eine Portion Frechheit gebraucht", lächelte ÖSV-Sportdirektor Toni Innauer, der bereits 1976 in Oberstdorf mit der Idealnote ausgezeichnet worden war.

Ammann büßte nach dem ersten Sprung weitere zwölf Punkte auf den Steirer ein. Auch Schlierenzauer sprang weiter als der Schweizer und im Gesamtklassement ein wenig näher. Im zweiten Durchgang bewies Loitzl mit einem Sprung auf 141,5 m erneut, dass er derzeit einfach nicht zu fassen ist und vollendete sein Werk mit Bravour.  Ammann verteidigte seinen zweiten Gesamtrang gegenüber Schlierenzauer letztlich sicher.

Loitzl hatte schlussendlich 32,6 Punkte Vorsprung auf Ammann. "Wuff hat auf ganzer Linie überzeugt, ich bin froh, dass ich in Oberstdorf gewonnen habe. Ich bin nicht überglücklich, aber zufrieden", sagte der fünffache Saisonsieger aus der Schweiz in gewohnt fairer Manier.

Weltcup-Titelverteidiger Thomas Morgenstern schaffte es diesmal, anders als in Garmisch und Innsbruck, als 16. nicht in die Top Ten. Der Tournee-Zweite des Vorjahres setzte im ersten Durchgang bei 130 m (15.) auf, sein Finalsprung auf 129 m brachte keine Resultatsverbesserung. "Das war ein kleiner Rückschritt, ich bin nicht zufrieden", sagte der 22-jährige Kärntner, der in der Gesamtwertung auf Rang acht landete.

Martin Koch, in Garmisch Fünfter, klassierte sich nach Sprüngen auf 130,5 und 134,5 m auf Platz neun. Lokalmatador Markus Eggenhofer (127/125,5) machte als 24. neuerlich Weltcup-Punkte. Balthasar Schneider, Bastian Kaltenböck (beide 121,5) und Daniel Lackner (121) hatten es nicht ins 30er-Finale geschafft. (red/APA)

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    Wolfgang Loitzl wird von den Kollegen Simon Ammann und Gregor Schlierenzauer auf Schultern getragen. Die Herren bevölkerten danach auch das Siegespodest der Vierschanzentournee.

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