Apotheken und Ärzte halten Kleinstädte lebendig

6. Jänner 2009, 17:19
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Wer aber einen Facharzt braucht, muss lange warten

Wien - Aus der Perspektive von Werner Luks sehen die Themen der stockenden Gesundheitsreform anders aus als von den Wiener Schreibtischen. Seine Perspektive ist die eines Apothekers in einer Stadt mit 5708 Einwohnern: Ybbs an der Donau. Da kennt der Apotheker den Arzt, der die Rezepte ausstellt, da kann er schnell anrufen und fragen, ob er nicht auch ein wirkungsgleiches Generikum hergeben kann, wenn ein teures Medikament verschrieben ist. So lässt sich die Aut-Idem-Regelung längst zum allgemeinen Nutzen leben.

Viele Bereiche der Gesundheitsversorgung sind ähnlich unkompliziert: In den Regionen funktioniert manches besser als in der Großstadt. Patienten ein Medikament daheim vorbeizubringen ist für Luks etwa ein selbstverständlicher Service - "wenn ich eh mit meinem Hund im Waldviertel spazierengehe, kann ich ja bei den Leuten vorbeischauen und ihnen bringen, was sie brauchen" .

Vieles aber ist schwieriger: Mitarbeiter zu finden, zum Beispiel. "Wenn ich einen Pharmazeuten anstellen will, muss ich ihm entsprechende Bezahlung und ein entsprechendes Wohnungsangebot bieten - wer kommt sonst schon gerne von Wien nach Ybbs, so schön es hier ist?" , erzählt Luks.

Lieber in Wien warten

Wer in Wien studiert hat, schätzt meist die Großstadt - und bleibt dann gerne dort. Das hat auch der Direktor der oberösterreichischen Ärztekammer Felix Wallner beobachtet: "In Wien bleiben die Leute hängen - auch junge Mediziner aus Oberösterreich, die bei uns problemlos einen Turnusplatz bekämen, warten lieber auf einen in Wien." Die Situation in der Bundeshauptstadt sei überhaupt nicht mit der in den Ländern vergleichbar, meint Wallner: "Bei uns gibt es eben längere Wege zu den Fachärzten, da wartet man länger auf einen Termin - und wenn man auf einen Termin bei einem Augenarzt einen Monat länger wartet, ist das auch nicht so schlimm." Die Kammer bemühe sich aber, durch ein "Wartezeiten-Monitoring" zu erheben, in welchen Gebieten die Ärztedichte zu gering ist.

Allerdings gelte es dann, die richtigen Fachärzte für die Region zu finden - und diese müssten dann auch von der Bevölkerung, die "ihren" bisherigen Arzt gewohnt ist, angenommen werden. Besondere Engpässe sieht Wallner im Bereich der psychiatrischen Stellen, wo es zu wenig ausgebildete Fachärzte gebe - regional fehlten aber auch Urologen, HNO- und eben Augenärzte.

Dazu kommt der Wettbewerb zwischen den Regionen. Das Salzkammergut gilt für niedergelassene Ärzte als attraktiver als das Innviertel. "Was für den Wiener der Facharzt ist, ist für die Innviertler das Krankenhaus der barmherzigen Schwestern in Ried" , fasst der Marktforscher David Pfarrhofer eine Studie zusammen, die erklärt, warum in der Bevölkerung der Erhalt von Spitalsstandorten so wichtig genommen wird. Er hat Verständnis dafür, dass regionale Politiker auch ökonomisch kaum vertretbare Spitalslösungen verteidigen - sie würden sonst nicht wiedergewählt. Dabei hat die Patientenfrequenz in Spitalsambulanzen zwischen 1996 und 2005 speziell in Niederösterreich und Kärnten um bis zu 36 Prozent zugenommen - nur in Wien war sie mit minus 28,6 Prozent rückläufig. Bei Fachärzten war die stärkste Zunahme der Patientenfrequenz im Burgenland (+38,6 Prozent) und Tirol (+33,6 Prozent).

Spitäler, Facharztpraxen und Apotheken haben für die Klein- und Mittelstädte aber noch eine andere Bedeutung: "Wir sind hier einer der wenigen innenstädtischen Frequenzbringer" , sagt Luks über seine 1536 gegründete Apotheke. (Conrad Seidl/DER STANDARD Printausgabe, 7. Jänner 2009)

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