Fünf Bundesländer für Helmpflicht

6. Jänner 2009, 14:08
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Salzburg, Kärnten und Vorarlberg erwägen Einführung - Oberösterreichs Pühringer eher dafür als dagegen - Niederösterreich für Pflicht für Kinder

Wien - Skihelme können Leben retten. Nach mehreren schweren Unfällen in der heurigen Saison, unter anderem jener des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus in der Steiermark, erwägen bereits drei Bundesländer, eine Helmpflicht auf den Skipisten einzuführen, wie eine APA-Umfrage ergeben hat. Salzburg, Vorarlberg und Kärnten prüfen die Möglichkeit einer gesetzlichen Regelung, Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer äußerte sich vorsichtig positiv.

Regelungen prüfen

Die Salzburger Landeschefin Gabi Burgstaller lässt Möglichkeiten gesetzlicher Regelungen für eine vorgeschriebene Skihelmpflicht für Kinder bis 14 Jahren prüfen und will generell dieses Thema vermehrt im Bewusstsein der Wintersportler verankern, wie sie der APA mitteilte. Für eine Helmpflicht für Kinder bis 14 Jahren spreche beispielsweise das überdurchschnittliche Risiko für Kopfverletzungen bei Kindern.

Bereits seit dem Schuljahr 2007/2008 gibt es in Salzburg bei Schulveranstaltungen eine Skihelmpflicht. LHStv. Wilfried Haslauer appellierte an die Eigenverantwortung der Gäste, aber auch der einheimischen Skifahrer, beim Skifahren einen Helm zu benützen.

Pflicht für Kinder

In Niederösterreich soll die Helmpflicht für Kinder und Jugendliche auf Skipisten rasch eingeführt werden, erklärte Landeshauptmann Erwin Pröll am Montagabend in der ORF-Sendung "Niederösterreich heute". Er habe Klubobmann Klaus Schneeberger den Auftrag gegeben, so bald wie möglich eine entsprechende Novelle des NÖ Sportgesetzes in die Wege zu leiten.

Dem parlamentarischen Ablauf nach könnte das Gesetz noch vor den Osterferien in Kraft treten, so Pröll. Er appellierte gleichzeitig an die Eltern, ihre Kinder im Interesse ihrer Sicherheit bereits jetzt nicht ohne Helm auf die Piste zu lassen. Pröll verwies darauf, dass sich pro Jahr 60.000 schwere Unfälle auf den Skipisten ereignen. Der Unfall seines deutschen Amtskollegen sei ein tragischer Höhepunkt - es sei höchste Zeit, Maßnahmen zu setzen.

 

Das Land Kärnten will ebenfalls zumindest für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren eine Helmpflicht für Skipisten einführen. Wie Landeshauptmann Gerhard Dörfler auf APA-Anfrage erklärte, sollen die entsprechenden rechtlichen Schritte geprüft werden, um ein Landesgesetz ausarbeiten zu können. Die Helmpflicht könnte schon für die kommende Wintersaison eingeführt werden.

Kärntner SPÖ dagegen

Gegen eine verpflichtende Einführung ist die Kärntner SPÖ, Gesundheits- und Sportlandesrat Peter Kaiser meinte, es gebe bei Schulskikursen ohnehin bereits diese Verpflichtung. Ihm sei es wichtig, dass auch die Erwachsenen zum Skihelm greifen, dafür müsse man an der Bewusstseinsbildung arbeiten.

In Vorarlberg hat Sportlandesrat Sigmund Stemer bereits am Sonntag angekündigt, die etwaigen gesetzlichen Möglichkeiten für eine Helmpflicht prüfen zu lassen. Vor allem müsse geklärt werden, ob die Einführung der Helmpflicht überhaupt in die Zuständigkeit des Landes falle.

Steiermark "bestmöglich gesichert"

Keine konkreten Pläne wälzte man vorerst in der Steiermark: Aus dem Büro des Sportlandesrates Manfred Wegscheider hieß es, dass das Thema Skihelme immer wieder diskutiert würde. Ein Tragen von Skihelmen sei sicherlich ratsam. Wegscheider war am Montag auf Urlaub und nicht persönlich erreichbar. Seitens seines Ressorts hieß es aber, dass die steirischen Skipisten bestmöglich gesichert seien.

Der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer stellte als Sportreferent gegenüber der APA fest: "Ich bin dafür dass man das Thema Sicherheit auf den Skipisten angeht, aber es nicht nur auf die Diskussion um eine Helmpflicht beschränkt". Auch die Kennzeichnung von Gefahrenstellen und kreuzungsfreie Trassen seien entscheidend im Zusammenhang mit Unfällen. Eine Helmpflicht habe Vor- und Nachteile - die Vorteile lägen auf der Hand. Vorsicht sei bei einer General-Reglementierung geboten, "wobei ich eher für eine Helmpflicht bin, als dagegen."

Tiroler Bergrettung gegen Pflicht

Die Tiroler Bergrettung ist gegen eine gesetzliche Schutzhelm-Pflicht im Berg- und Skisport. "Statt mehr gesetzlichen Vorschriften im Berg- und Skisport brauchen wir mehr Problem- und Risiko-Bewusstsein. Eine gesetzliche Helmpflicht für Skipisten wirkt dabei eher kontraproduktiv als fördernd", teilte Peter Veider, Ausbildungsleiter und Geschäftsführer der Tiroler Bergrettung in einer Aussendung mit.

Es sei besser, die touristische Kommunikation umzustellen. Dass in den Bergen einige Gefahren lauern, würde von der Tourismuswerbung in Europa vielerorts verschwiegen. Die Tiroler Bergrettung hat laut eigenen Angaben im bundesweiten Vergleich jedes Jahr die meisten Einsätze zu verzeichnen, bei Lawinen oder allen anderen Arten von Berg- und Skiunfällen.

 

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    Vier Bundesländer erwägen die Einführung der Helmpflicht, Oberösterreich ist "eher dafür".

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