Unter Hausarrest verteilt Madoff seine Juwelen

7. Jänner 2009, 13:24
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Weil der mutmaßliche Milliarden- Betrüger Juwelen zur Seite schaffen wollte, soll über ihn jetzt U-Haft verhängt werden

Im größten Betrugsfall der Finanzgeschichte droht dem unter Hausarrest stehenden Broker Bernard Madoff womöglich doch die Untersuchungshaft. Der 70-Jährige soll laut Staatsanwaltschaft die Kautionsauflagen gebrochen und versucht haben, Juwelen und anderen Besitz im Wert von einer Million Dollar beiseite zu schaffen. Der zuständige Richter in New York kündigte eine Entscheidung darüber noch im Laufe dieser Woche an.

Unterdessen wird die Schar der Betroffenen des Madoff'schen Schneeballsystems immer länger. Die Leidtragenden sind über die ganze Welt verstreut; die Liste liest sich wie ein Who's who der internationalen Finanzbranche.

Madoff selbst bezifferte die potenziellen Verluste bereits auf bis zu 50 Mrd. Dollar. Laut einer Zusammenstellung des Wall Street Journal (WSJ) summieren sich die bisher bekanntgewordenen Investitionen in Madoff-Fonds jedoch auf annähernd 30 Milliarden Dollar.

Bank Medici an prominenter Stelle

Die Wiener Bank Medici findet sich mit einem potenziellen Schaden von mehr als zwei Mrd. Dollar an prominenter vierter Stelle der WSJ-Liste. Die Wiener Privatbank, zu 25 Prozent im Eigentum der Bank Austria und zu 75 Prozent in den Händen von Aufsichtsratschefin Sonja Kohn, hat mehr oder weniger ihr gesamtes Geld in Madoff-Fonds investiert.

Am stärksten betroffen ist die weltweit tätige US-amerikanische Investmentgesellschaft Fairfield Greenwich Group, die nach eigenen Angaben mit 7,5 Mrd. Dollar mehr als die Hälfte der von ihr verwalteten 14,1 Mrd. Dollar in Madoff-Fonds investiert hat. Die US-Managementgesellschaft Tremont Group Holdings hat mit 3,3 Mrd. Dollar ebenfalls mehr als die Hälfte ihrer Assets in Finanzvehikel von Madoff-Gesellschaften investiert. An dritter Stelle der potenziellen Opfer steht die spanische Banco Santander. Sie dürfte mit 2,33 Mrd. Euro bzw. umgerechnet 3,16 Mrd. Dollar betroffen sein.

Der Chefprüfer der US-Börsenaufsicht SEC, David Kotz, hat eine schonungslose Untersuchung des Verhaltens der eigenen Behörde zugesagt. Laut Wall Street Journal wurden die Geschäfte Madoffs in den letzten 16 Jahren insgesamt achtmal untersucht; zweimal wurde Madoff von der SEC persönlich befragt. Doch die SEC will nichts bemerkt haben. (dpa, AFP, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.1.2008)

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    Bernard Madoff muss vielleicht doch in U-Haft. Kappen und T-Shirts mit seinem Firmenlogo erfreuen sich derzeit auf Versteigerungsplattformen im Internet großer Beliebtheit.

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