Jobchancen ohne Garantie

6. März 2003, 13:20
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Auch bei den Akademikern steigt die Arbeitslosigkeit - Zuwächse gab es bei Absolventen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, der Informatik und von Fachhochschulen. Dennoch seien Letztere empfehlenswert, so das AMS, und ein Studium nach wie vor der beste Jobgarant.

Die Zeiten, in denen ein Jus-Absolvent fix mit einer Anstellung rechnen konnte, sind vorbei: Die Zahl der als arbeitslos gemeldeten Rechtswissenschafter hat gegenüber dem Vorjahr um 29,4 Prozent zugenommen - mit 739 arbeitslosen Juristen führen sie die Statistik an.

Der stärkste Anstieg fand jedoch bei den Wirtschaftswissenschaftern statt: Im Herbst gab es 245 arbeitslose Betriebswirte mehr als im Jahr davor. Auch die Anzahl der Informatiker ohne Job stieg um 120 Prozent - allerdings nur auf insgesamt 88 Personen. Hier ist für Maria Hofstätter, Leiterin der Qualifizierungsforschung beim AMS Österreich, die Statistik leicht irreführend: "Gerade in der Informationstechnologie, aber auch bei Werbung und Marketing, gab es ja vor ein, zwei Jahren einen regelrechten Boom, der jetzt eben wieder zurückgeht." Dennoch seien die Chancen hier nach wie vor gut und Studien in diese Richtung daher empfehlenswert. Das gilt für sie auch für die Fachhochschulen.

Arbeitslos nach der FH

Trotz des drastischen Anstiegs der Arbeitslosigkeit von FH-Absolventen: "Schließlich hat auch die Zahl der FH-Absolventen zugenommen." Dennoch: Waren im September 2001 noch 132 Fachhochschulabsolventen arbeitslos, so waren es ein Jahr darauf schon 304. Das entspricht einer Steigerung um 230 Prozent, und die Rate steigt weiter: Mit Jänner 2003 waren 321 FH-Absolventen als arbeitslos gemeldet.

Ein Klacks ist das nur im Vergleich zur Arbeitslosigkeit von Uni-Akademikern: 6766 waren es im Jänner 2003. Wobei das häufig nur Einstiegsschwierigkeiten seien, so Hofstätter. Bei den Juristen lasse sich aber ein Negativtrend erkennen: "Da ist es schwierig, wir haben ein Stagnieren bis leichtes Sinken im öffentlichen Bereich." Justistisches Wissen werde eher zugekauft, zudem seien auch Wirtschafter schon juristisch vorgebildet. Juristen müssen sich um Zusatzqualifikationen im IT-Bereich oder der Personalberatung bemühen.

Die Geisteswissenschafter, in den letzten Jahren führend in der Statistik der Akademikerarbeitslosigkeit, haben diese Lektion anscheinend gelernt. Sie haben den ersten Platz jetzt an die Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften abgegeben: Im September 2002 waren 1979 rechtlich-wirtschaftliche und 1931 geisteswissenschaftliche Akademiker arbeitslos. "Die Geisteswissenschafter sind flexibler geworden", sagt Hofstätter. Zudem würde oft schon während des Studiums Berufserfahrung gesammelt.

Generell rät die Arbeitsmarktexpertin zur Hochschulbildung: "Garantie gibt es keine, auch Führungsjobs sind nicht mehr so breit gesät wie früher, aber für einen interessanten Job ist das Studium häufig Voraussetzung." Und: Je weniger qualifiziert, desto arbeitsloser: 44,4 Prozent aller Arbeitslosen haben nur einen Pflichtschulabschluss, 41,5 eine Lehre absolviert. Nur 2,2 Prozent der Arbeitslosen haben einen Uniabschluss.

Barometer des AMS

Welche Branchen künftig Erfolg versprechen, erfahren Best-Besucher am AMS-Messestand. Und im Internet: Das neue Qualifikationsbarometer des AMS liefert allgemeine Trends und Stelleninserate. Und es zeigt an, welche Ausbildungen Konjunktur haben und welche eher in Richtung Arbeitslosigkeit führen. (Heidi Weinhäupl , DER STANDARD, Printausgabe vom 1./2.3.2003)

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