Patt zwischen Höhe, Gewinn und Kulturerbe

5. März 2003, 13:42
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Wien-Mitte zwischen Architektur, Welterbe und konkreten wirtschaftlichen Interessen von Investoren und Eigentümern

Wien-Mitte wird als Debatte um Architektur und Welterbe wahrgenommen. Es geht aber um konkrete wirtschaftliche Interessen privater Investoren und der Grundstückseigner. Jeder schaut auf sein Geld.


Wien - "Wenn wir so bauen können wie geplant, dann können wir das Projekt auch finanzieren." Christa Danner, Sprecherin der Bauträger Austria Immobilien (BAI), bekräftigt den Willen des Unternehmens, an den viel diskutierten vier Türmen über der Bahnhofsverbauung Wien-Mitte festhalten zu wollen.

Branchenintern kolportierte Gerüchte, wonach erst 40 Prozent des Projekts ausfinanziert seien, "kann ich so nicht bestätigen", weist Danner zurück. Der Stand der Investitionsverhandlungen gilt dem Unternehmen als Verschlusssache, "weil bis Mitte März noch Gespräche laufen". Vor allem jene mit der Stadt: wie nämlich der Turmbau mit dem Unesco-Welterbe "Innere Stadt" vereinbar ist. Denkmalschützern, Parteigängern, Unesco und Icomos ist der Bau zu wuchtig und mit bis zu 97 Metern zu hoch.

Die Debatte dreht sich also seit Monaten um das Projekt von BAI und dem portugiesischen Partner Sonae Immobiliaria. Es soll um 300 Millionen Euro auf 28.000 Quadratmetern ein Bahnhofs- und Einkaufszentrum errichtet werden. Dazu kommen auf 29.000 Quadratmeter Büros und ein Hotel - in den Türmen.

Pacht, nicht Subvention

Andererseits stellt sich auch für die ÖBB, die Grundstückseigentümer jener Fläche sind, die Frage der Wirtschaft- lichkeit. Bahn-Sprecher Gary Pippan wünscht sich, dass "da oben gebaut wird". Denn nicht nur, dass von weiteren Verhandlungen der Pachtvertrag zwischen ÖBB und BAI abhängt - da geht es um Einnahmen von jährlich 700.000 Euro, die zu lukrieren wären. Eine Reduktion der Pachtsumme, um das Turmprojekt bei geringerer Bauhöhe rentabel zu halten - davon will man bei den ÖBB nichts wissen. Man habe eine exquisite Innenstadtlage anzubieten, dafür sollen auch marktübliche Preise gezahlt werden. Die ÖBB würden nicht "einen privaten Investor quersubventionieren", pocht der Sprecher auf Wirtschaftlichkeit.

Die ÖBB kann sich dort einen Bahnhofsumbau nur leisten, wenn eine Baulösung wie die geplante - alle Einkaufs-, Freizeit- und Bahninfrastruktur in einem Gebäude - realisiert wird. Müsste diese in verschiedenen Gebäuden untergebracht werden, seien die veranschlagten Kosten von acht Millionen Euro nicht zu halten, argumentiert Pippan. Ob letztlich "da oben Hochhäuser stehen, ist uns egal," meint er zur Architekturdebatte.

Unterdessen arbeitet die Wiener FP daran, einen Baustopp gegen den bereits in Bau befindlichen Citytower zu erreichen. Abermals betonte der stellvertretende Klubobmann Heinz Christian Strache, dass Anrainerrechte im Bauverfahren verletzt worden seien. Es soll deshalb die Baubewilligung beim Verwaltungsgerichtshof beeinsprucht werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2003)

Von Andrea Waldbrunner
  • Der Citytower neben "Wien-Mitte" im Wachstum
    foto: standard/cremer

    Der Citytower neben "Wien-Mitte" im Wachstum

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