Robert Jungbluth 1928-2009

5. Jänner 2009, 10:37
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Der gebürtige Wiener war viele Jahrzehnte der mächtigste und innovationsfreudigste Theatermanager Österreichs

Wien - Kaum einer prägte die Wiener Theaterlandschaft wie er. Und keiner wusste besser Bescheid, was hinter den Kulissen vor sich ging. Am 3. Jänner, zwei Tage vor seinem 81. Geburtstag, starb Robert Jungbluth, viele Jahrzehnte der mächtigste und innovationsfreudigste Theatermanager Österreichs, nach schwerer Krankheit.

Der Theaterbegeisterte, der von 1942 bis 1944 die Schauspielschule Otto besucht und erste Bühnenerfahrungen als Statist im Burgtheater gesammelt hatte, war nach seiner Lehrerausbildung beim Wiener Stadtschulrat für das Ressort "Freizeitgestaltung" verantwortlich. Zu diesem gehörte auch das Theater der Jugend. 1963 wurde Jungbluth Konsulent für die Wiener Festwochen, 1965 übernahm er die Direktion des Theaters an der Wien, ab 1968 leitete er (mit Rolf Kutschera) die Stadthalle: Er organisierte unter anderem Eisrevuen, Boxveranstaltungen, Jazz- und Popkonzerte, die Blumenschau und das Musical Hair.

Von 1971 an zog Jungbluth als Generalsekretär des damaligen Bundestheaterverbandes (Staats- und Volksoper, Burg- mit Akademietheater), für dessen Unabhängigkeit er ab 1982 erfolgreich eintrat, die Fäden. Die Effizienz der Mittel war noch keine maßgebliche Größe. Er organisierte Gastspiele von "Burg und Oper" in Japan und Amerika, er überredete Herbert von Karajan, an die Staatsoper zurückzukehren, was er als "Lebenstriumph" bezeichnete.

Zum Jahresende 1986 teilte "Ju" mit, dass er seinen bis 1993 verlängerten Vertrag bereits 1988 kündigen und als kaufmännischer Direktor des Theaters in der Josefstadt fungieren werde. Er hielt Otto Schenk und Helmuth Lohner den Rücken frei, er kämpfte um die Autonomie des Privattheaters und setzte sich für dessen mittlerweile erfolgte Sanierung ein. 1999 legte Jungbluth zwar die Geschäftsführertätigkeit zurück, weil er das Wien-Gastspiel von Peter Steins Faust (2001) organisierte. Die graue Eminenz aber blieb er. Bis zum Schluss. (trenk / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.1.2009)

 

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    Robert Jungbluth

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