Dörfler wünscht sich einen "Vierer vorne"

5. Jänner 2009, 11:06
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Kärntner Landeshauptmann will "klaren ersten Platz" erreichen - Sozialthemen im Mittelpunkt des Wahlkampfes - Strutz will Latte tiefer legen

Klagenfurt - Gerhard Dörfler will bei der Landtagswahl am 1. März den Posten des Regierungschefs in Kärnten verteidigen, den er am 11. Oktober vergangenen Jahres nach dem Unfalltod von Jörg Haider übernommen hat. Als Wahlziel definierte er im Gespräch mit der APA einen "Vierer vorne" sowie einen "klaren ersten Platz". Erreichen will er dies vor allem, indem Sozialthemen in den Mittelpunkt des Wahlkampfes gestellt werden.

Er sei "das verlässlichste Angebot für Kärnten", begründete Dörfler, warum ihn die Kärntner Bevölkerung wählen sollte. Was er sage bzw. ankündige, das werde auch umgesetzt. Der 53-Jährige, der am 23. Oktober 2008 vom Landtag mit 19 gegen 17 Stimmen zum Landeshauptmann gewählt wurde, will den politischen Weg Haiders fortführen: "Ich wollte immer neben Jörg Haider Politik machen, das Schicksal hat es anders gewollt." Nun hoffe er, dass ihm auch die Kärntner Bevölkerung diese Aufgabe zuteilen werde.

Zentrale Fragen seien momentan angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise die Themen Arbeit und Soziales. Dörfler: "Aufgrund der Entwicklung ist es notwendig, alle Maßnahmen unter das Motto 'Arbeit und leistbares Leben' zu stellen, dafür müssen wir als Politiker kämpfen." Die Kritik der anderen Parteien an der Budgetentwicklung des Landes weist der Regierungschef zurück: "Ich lasse mir die Budgets nicht schlechtreden." Es gebe den Zukunftsfonds, mit dessen Millionen man wichtige Vorhaben finanzieren könne. Dazu zählt er Pendlerbeihilfen ebenso wie die Finanzierung des Gratiskindergartens.

"Kleiner Mann im Mittelpunkt"

Dörfler will auch "den kleinen Mann" immer im Mittelpunkt sehen. Daher werde er etwa in den Bereichen Asylpolitik, zweisprachige Ortstafeln und Sicherheit die Linie Haiders weiterführen, dies betrachte er als "Auftrag der Bevölkerung". Dörfler verteidigt auch die umstrittene "Sonderanstalt" für Asylwerber auf der Saualm als gute Möglichkeit, den Menschen "professionelle Betreuung" zu bieten und sie so von weiteren Straftaten abzuhalten.

Das BZÖ-Regierungsteam mit ihm, seinem Stellvertreter Uwe Scheuch und Landesrat Harald Dobernig will Dörfler nicht ändern. Ob es im Landtag neue Gesichter geben wird, sei noch offen. "Die Bezirke haben das Recht, ihre Listen zu erstellen, das will ich ihnen nicht streitig machen", meinte er. Dabei könnte es durchaus auch Quereinsteiger geben, die er als Bereicherung sieht: "Es ist eine gute Mischung nötig, und Quereinsteiger bringen oft einen neuen Blickwinkel, ich war ja selbst einer."

Dörfler ist überzeugt davon, dass sein BZÖ am 1. März deutlich vorne sein wird, es gilt, 42,4 Prozent zu verteidigen. Die SPÖ schätzt er auf 30 bis 33 Prozent ein (2004: 38,4 Prozent). Die ÖVP werde auf elf bis 13 Prozent kommen, den Grünen gibt er "fünf bis sieben" Prozent. Dass die FPÖ - trotz des neuen Spitzenkandidaten und Ex-BZÖlers Mario Canori - in den Landtag kommt, hält er für nicht sehr wahrscheinlich. Im Ö1 Morgenjournal-Interview zögert Generalsekretär Martin Strutz, den Vorgaben seines Chefs beizupflichten. Er wolle sich auf keinen Prozentsatz festlegen. Zwar liege man in allen Umfragen über 40 Prozent, aber man könne nicht wissen, was sich noch alles entwickelt.

Kärnten im Jahr 2019 stellt sich Dörfler so vor: "Das Bildungsbundesland Nummer Eins, denn wir brauchen gebildete, neugierige Zukunftsmenschen. Das Land, das die Nummer Eins beim Anteil an Elektroautos ist, wo es Ganzjahrestourismus geben wird und Gesundheit, Natur und hochwertiger Tourismus im Mittelpunkt stehen."

Dörfler wünscht sich einen Bart

Sich selbst in zehn Jahren sieht Dörfler "einen Pickup besitzen und viel in der Natur sein". Wahrscheinlich werde er einen Bart tragen und viele Bücher gelesen haben. Die Politik werde er dann wohl hinter sich gelassen haben. Auf die Frage, ob er glaube, von der "Droge Politik" ablassen zu können, meinte er: "Die Politik darf keine Droge sein, denn alles was Sucht ist, das ist nicht gut. Es gibt aber sehr wohl die Faszination des Machens und Umsetzens." (APA)

 

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