Reaktionen: "Wenn alle in die Ballungszentren umziehen"

4. Jänner 2009, 20:44
4 Postings

Regionalentwicklung wird auf derStandard.at diskutiert

Wien - Der erste Bericht über die "Weißen Flecken auf Österreichs Landkarte" in der Samstag-Ausgabe des STANDARD hat im Internet eine lebhafte Diskussion um regionale Disparitäten und Entwicklungsmöglichkeiten losgetreten. Im Forum von derStandard.at ruft Poster "Poglet" zu einem provokanten Gedankenspiel über den ländlichen Raum auf: "Wie würde Österreich aussehen, wenn alle in die Ballungszentren umziehen?" Eine mögliche Antwort: "Dann gäbe es noch lebendigere Ballungszentren. Und dazwischen viel Natur und Landwirtschaft. Auch nicht schlecht."

"Poglet" kontert: Ich "empfehle Ihnen einen Reise durch die Provence, insbesondere nördlich/östlich von Aix auf Landstraßen bis Marseille. Wenn sie die entvölkerten Landstriche und die Probleme der überfüllten Städte mit eigenen Augen gesehen haben, dann werden Sie wissen, was ich meine." Und präzisiert auf Nachfrage: "Man reist durch traumhafte Landschaft, malerische Dörfer, Gutshöfe etc. und hat das Gefühl amerikanischer Geisterstädte im Genick, denn da ist einfach niemand. Von den Randbezirken Marseilles hält man sich in der Dunkelheit tunlichst entfernt." Poster "Threonin" fragt sich daraufhin, ob "in einem kleinen Land wie Österreich" die Landwirtschaft nicht ohnehin von städtischen Zentren aus betrieben werden könnte.

Einen weiteren Ansatz liefert ein "Stefan Weinberger": "Wenn alle in die Zentren ziehen, gibt's nimmer viel Landwirtschaft ... Insgesamt betrachtet wäre es natürlich fein, wenn nur die am Land leben, die es wirklich 'müssen' (z. B. wesentlich weniger Verkehrsprobleme, weniger Umweltbelastung, ...), für diejenigen wäre es aber wohl nicht so toll (keine Infrastruktur, wenige Sozialkontakte ...)"

Dabei sind es gerade die Sozialkontakte, die für manche die "ländliche Idylle" hinterfragenswürdig machen. Poster "Önorm" spottet: "Weiße regionale Flecken ... in welchem ich zu wohnen pflege, haben durchaus ihren Vorteil! Der ganze Ort weiß zum Beispiel, wann man zu Silvester heimgekommen ist, und in welchem Zustand."

Poster "Kontrahent1" berichtet, dass er sich vor 14 Jahren in einem damals noch infrastrukturell gut erschlossenen Ort niedergelassen hat. Wenn "zuerst die Post und PSK schließt, dann der Nahversorger und sich in den Anbindungen der Öffis trotz gegenteiligen Ankündigungen weder preislich noch qualitativ etwas tut, überlegt man natürlich, ins 'Ballungszentrum' zurückzugehen. Werbung für Kabel-TV über Festnetz und ähnliche Annehmlichkeiten empfindet man als Hohn!" (red/DER STANDARD-Printausgabe, 5.1.2009)

Share if you care.