
Touristen suchen keine dichten Wälder sondern den sogenannten Waldrandeffekt als Landschaftselement.
vergrößern 608x383St. Pölten - Waldsterben? Das war einmal. Vom Dorfsterben, da könnte man eher berichten. Martin Ploderer zum Beispiel. Er ist geboren und aufgewachsen in Rotmoos, einer Ortschaft im Salzatal am nördlichen Abhang des Hochschwabs, die in seiner Kindheit Heimstatt für 90 Bewohner geboten hat. "Heute leben da noch genau drei Leute. Und das ist kein Einzelfall. Es gibt in unserer Region viele Orte wie Neuhaus, Nestelberg und Taschelbach am Zellerrain, wo es kaum noch Bewohner gibt", erzählt Ploderer.
Und was kommt, wenn der Mensch geht? Es kommt der Wald, der in vielen Gegenden Österreichs die natürliche Bodenbedeckung wäre - hätten ihn nicht Bauern vor Jahrhunderten gerodet und im Acker- und Grünland umgewandelt. Aber es sind eben vor allem die bäuerlichen Betriebe, die keine Nachfolger finden. Wo die jungen Leute eine bessere Zukunft in höherer Bildung und dementsprechenden Arbeitsplätzen in regionalen oder überregionalen Zentren sehen, werden Landwirtschaften aufgegeben, Flächen an Nachbarn weitergegeben und in erheblichem Maße aufgeforstet.
Ploderer sieht das durchaus kritisch: "Bei uns ist jetzt schon 80 Prozent der Fläche Wald, viel mehr geht nicht mehr." Vor allem: Es wäre nicht mit dem Tourismus verträglich. Touristen suchen keine dichten Wälder sondern den sogenannten Waldrandeffekt als Landschaftselement. Und Ploderer weiß, wie wichtig der Tourismus ist, schließlich ist er Bürgermeister von Lunz am See. Diese Gemeinde hatte bei der Volkszählung 2001 noch 2045 Einwohner, aktuell sind es nur mehr 1850. Und das liegt im Trend: Pro Jahrzehnt verliert Lunz rund 200 Bewohner.
Wenn's so weitergeht, Herr Bürgermeister, dann gibt es im Jahr 2100 in Lunz gar niemand mehr? Nein, so weit werde es nicht kommen, ist Ploderer überzeugt. Da ist ja zunächst einmal der Tourismus: Ploderer kommt gerade "vom schönsten Eislaufplatz der Welt", wie er es nennt, dem Lunzer See, der solide zugefroren ist. Er erzählt genauso begeistert vom Schigebiet Maiszinken, der derzeit optimale Pistenverhältnisse aufweise. Nein, sagt Ploderer, es gebe hier nicht nur Probleme, "wir haben hier auch Vorteile". Und, nicht zu vergessen: Lunz am See hat gut 400 Zweitwohnsitzer, die zwar für den im Finanzausgleich wichtigen Bevölkerungsschlüssel nicht mitzählen - die aber sehr wohl Geld in die lokale Wirtschaft pumpen.
Pendeln muss jeder
Diese Zweitwohnsitzer sind oft sehr gut verwurzelt mit der Gemeinde - denn viele sind von hier. Und irgendwann abgewandert, weil das Pendlerdasein doch nicht ideal ist.
Aber Pendler sind hier ohnehin die meisten: Lunz hat keinen einzigen Großbetrieb, viele Arbeitnehmer pendeln in Nachbargemeinden ein. Andererseits beschäftigen die lokalen Gewerbebetriebe - darunter ein Autohaus, eine Schlosserei, ein Zimmermann, Gastronomiebetriebe und ein Tischler - etliche Bewohner von Nachbarortschaften.
Pendeln müssen auch die Schüler, wenn sie eine höhere Bildung anstreben. Der neue Winterfahrplan kam wie ein Schock: "Um - immer noch mit ein paar Minuten Verspätung - zum Unterricht nach Waidhofen zu kommen, hätten unsere Schüler hier um fünf Uhr 28 wegfahren müssen."
Ploderer, selber ein Lehrer, organisierte Proteste - und einen Autobus als "Notwehraktion": Jetzt kommen die Kinder immerhin pünktlich zur Schule.
Das jedoch wäre eigentlich nicht Aufgabe der Gemeinde, die sich von Bund und Bundesbahn im Stich gelassen fühlt. Der Bund hatte zugesagt, dass die Ybbstalbahn saniert und beschleunigt werde - aber das Gegenteil passiere.
"Ruinieren uns vorsätzlich"
Am Stammtisch hört Ploderer das auch von den Eisenbahnern, "die sagen: Die Trotteln ruinieren uns vorsätzlich." Also zuckelt die Ybbstalbahn weiterhin auf ihrer landschaftlich schönen Strecke dahin - wer kann, nimmt das Auto und fährt aus dem Tal hinaus.
Zurück bleiben schrumpfende Gemeinden, nicht nur im Ybbstal. Derweil wachsen die freien Flächen, die agrarisch nicht genutzt werden, langsam mit Wald zu. Immerhin mit einem in seiner Substanz immer gesünderen und in seiner Baumarten-Zusammensetzung immer vielfältigeren Wald. In diesem läge noch Potenzial, wenn mehr Holz genutzt würde. Deswegen war die Bahn vor 110 Jahren ursprünglich gebaut worden. (Conrad Seidl/DER STANDARD-Printausgabe, 5.1.2009)
vermutlich bringt es nicht viel, da der Artikel alles andere als Aktuell ist, aber wem der Erhalt der Ybbstalbahn (um die es u.a. in diesem Artikel geht) ein Anliegen ist, möge sich an folgender Resolution beteiligen: http://www.probahn.at/thema_ybb... asp?site=1
Was in dem Beitrag nicht erwähnt wurde: in dieser Frage geht es auch ganz wesentlich um die Rolle des Waldes als langfristigem CO2-Speicher -- und eben nicht nur um landwirtschaftliche Strukturen und den
"Waldrandeffekt", den Touristen angeblich wünschen.
Der zunehmende Waldbestand in Österreich ist auf jeden Fall positiv zu sehen und ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.
das ist für mich die Frage. Die kleinbäuerlichen Strukturen, meist mit Milch- oder Fleischwirtschaft (Ackerbau gibts ohnehin fast nur mehr im Flachland), brechen weg. Das liegt nicht nur daran, dass sich kein Nachfolger finden würde. In vielen Betrieben wird nur mehr aus "Tradition" daran festgehalten - Leben lässt sich davon kaum mehr. DAS reicht aber der folgenden Generation zumeist nicht mehr. Das heisst dann, Alternativen suchen oder zusperren. Auf jeden Fall ists aber zumeist aus mit Rindern, und damit braucht man auch keine Almen usw. mehr - also all das, was "wir" (und die Touristen) an "unserer" schönen Kulturlanschaft offenbar so lieben.
Also? Bauern als per EU-Förderung entlohte "Landschaftserhalter" für den Tourismus?
der Ybbstalbahn!!
Unglaublich wie bewusst man in den unfähigen Manageretagen der ÖBB den Nahverkehr sterben lässt!
Das es auch anders geht zeigt die Pinzgaubahn: kaum privatisiert (verländert: SLB) schon gehts wieder aufwärts: neue Frachtkunden, Rollwagenverkehr ist plötzlich wieder möglich, Fahrplan kundengerecht gestaltet, usf.
Vielleicht sollte die ÖBB die Ybbstalbahn und die Mariazellerbahn und auch gleich die "Krumpen" übernehmen, ein Wahnsinn wenn man diese Verkehrsadern absterben liesse!!
Sie meinen wirklich, dass sich für 1850 Einwohner eine Bahnlinie erhalten laesst?
Die Ybbstalbahn und die Mariazellerbahn haben "transporttechnich keinen Auftrag" - sorry, aber es ist eine Illusion wenn man meint alleine mit einer leistungsfähigen Bahn laesst sich eine Region "puschen".
Gutes Beispiel dafür ist die Region entlang der Nordbahn/March. Die Nordbahn ist zweigleisig, elektrisch und hat einen exzellenten Streckenverlauf. Die Region (Dürnkrut, Hohenau, Bernhardsthal) selbst hat aber auch mit einem Bevölkerungsrückgang zu kämpfen...
Verkehrs-Infrastruktur (Straße und Bahn) ist wichtig, aber Infrastruktur alleine bringt nichts.
Die ÖBB machen seit Jahrzehnten kein Hehl daraus, sämtliche ihrer Schmalspurbahnen einstellen/verschenken/abgeben zu wollen. Bloß: Der Bund/Eigentümer/Gesetzgeber ließ das (nicht zuletzt wg. Länder-Begehrlichkeiten) nur vereinzelt zu. Erwin Prölls NÖVOG lässt sich einerseits als großartige Regionalbahn-Retterin abfeiern, andererseits fahren die NÖ-Schwarzen konzertierte Aktionen zur Einstellung der Ybbstalbahn (s. auch hier: http://www.schmalspur-modell.at/viewtopic... hp?t=3078)
Liegt teilw. auch an der Vorgangsweise bei der "Stadterweiterung".
z.B. hat der Grossraum Vancouver eine ähnliche Bevölkerungszahl wie der Grossraum Wien. Die Stadt Wien hat aber 3 x so viele Einwohner wie Vancouver.
Steht man an der Stadtgrenze so ist auf beiden Seiten davon in Wien nix (d.h. Felder, Wälder oder z.B. Hermannskogel). In Vancouver ist auf beiden Seiten der Grenze dicht verbautes Gebiet.
da ändert sich dann die einstellung der stadtbevölkerung zur jagd schnell wenn die Sau erst mal im garten war. wenn die türe offen ist, gehen die auch ins haus (kein scherz). da habe ich mich bei manchen videos im deutschen fernsehen schon halb tot gelacht. die besitzer haben im übrigen auch fest auf die jäger geschimpft. ab diesem erlebnis wollten sie gleich jedes wildschwein tot sehen. zuerst noch über die archaische jagd herziehen und kaum sind sie selbst dran, wollen sie sie gleich ausrotten. so sanns, die städter (wohne selbst in wien).
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