Suche nach der "Frau ohne Gesicht"

4. Jänner 2009, 19:44
37 Postings

Seit Jahren macht die Polizei in Deutschland, Österreich und Frankreich Jagd auf eine Verbrecherin, von der man nur die DNA kennt, die sie an den Tatorten hinterlässt

Die Unbekannte soll mehrere Morde begangen haben.

***

Saarbrücken/Heilbronn - Sie mordet, bricht ein und hinterlässt seit 1993 ihre DNA-Spuren an den Tatorten. Einmal ist es ein halb gegessener Keks, der gefunden wurde, ein anderes Mal hat die Frau eine benutzte Heroinspritze zurückgelassen. Ihr Radius reicht von Deutschland über Österreich bis nach Frankreich. Bloß gesehen wurde die "Frau ohne Gesicht" noch von niemandem. Zwei Komplizen, ein Pole und ein Serbe, die in Österreich festgenommen wurden und deren DNA-Spuren ebenfalls an den Tatorten gefunden worden waren, schwiegen bisher eisern.

Mittlerweile suchen mehrere Sonderkommissionen nach der Unbekannten, auf die eine Ergreiferprämie von 150.000 Euro ausgesetzt ist - bisher ohne Erfolg. Nun sollen zwei weitere mögliche Komplizen aus Frankreich nach Deutschland ausgeliefert werden. Die Auslieferung der beiden Männer im Alter von 26 und 33 Jahren hatte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken betrieben.Wie eine Sprecherin des saarländischen Landeskriminalamtes am Samstag sagte, sollen sie mit der Unbekannten mehrere Einbrüche verübt haben.

"Phantom von Heilbronn"

Die Polizei hofft, dass die Männer Auskunft über das "Phantom von Heilbronn" geben. Unter anderem wird die Frau verdächtigt, im April 2007 in Heilbronn eine 22-jährige Polizistin erschossen und deren Kollegen schwer verletzt zu haben. Den beiden wurde aus nächster Nähe in den Kopf geschossen. Der 24-jährige Polizist kann sich an die Tat nicht mehr erinnern.

DNA-Spuren der Frau waren zuletzt auch im Auto einer 45-jährigen Krankenpflegerin in Weinsberg bei Heilbronn gesichert worden. Deren Leiche hatten Spaziergänger Ende Oktober 2008 gefunden. Ob die 45-Jährige ermordet wurde, ist noch nicht bekannt.

Die unbekannte Frau selbst wird mit mindestens 38 Straftaten - darunter sechs Morden - in Deutschland, Frankreich und Österreich in Verbindung gebracht. Die Polizei weist allerdings darauf hin, dass die Frau "durchaus auch als Mann wahrgenommen" werden könnte. Denn einmal wurde das Phantom bei einem Einbruch von einem Nachbarn beobachtet, dieser will allerdings einen Mann gesehen haben.

Wechselnde Komplizen

Fest steht, dass die "Frau ohne Gesicht" mit wechselnden Komplizen arbeitet. Einmal ist sie mit hochprofessionellen Verbrechern unterwegs, dann wiederum tut sie sich mit Gelegenheitskriminellen zusammen. In Österreich wurde der genetische Fingerabdruck der Frau in einem Fluchtauto festgestellt, das im Juli 2007 nach einem Einbruch in ein Elektrogeschäft in Mauthausen in Oberösterreich benutzt worden war. (Bettina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD-Printausgabe, 5.1.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Kollegen gedenken der jungen Polizistin aus Heilbronn. Die 22-Jährige wurde im April 2007 durch einen Kopfschuss umgebracht. Die Täterin soll auch in diesem Fall die "Frau ohne Gesicht" sein.

Share if you care.