Beschmutzter Kosmos

4. Jänner 2009, 19:08
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Man hätte gerade zu dieser von Unkenrufen begleiteten Jahreswende auf ein wenig mehr Glücksversprechen gehofft

Man hätte gerade zu dieser von Unkenrufen begleiteten Jahreswende auf ein wenig mehr Glücksversprechen gehofft, als das Fernsehen letztendlich hergab. Schließlich bedürfen wir in Zeiten wie diesen jeder positiven Verheißung. "Glück auf halber Treppe", "Alles, was Glück bringt" und "Gib dem Glück eine Chance!" - mehr war da aber nicht. Und auch dem war mitunter nicht ganz zu trauen.

Hingegen machten sich im TV-Programm vom Wochenende Stimmen breit, die zum Räsonnieren Anlass gaben. Nur eine Sendung nannte sich klipp und klar "Bergauf". Sogar Arte servierte am Samstagnachmittag "Tiefschläge". "Die Welt dreht sich verkehrt" - diese Behauptung wurde zwar ins Fantasy-Reich verbannt, und man musste sie natürlich nicht so persönlich nehmen. Auch die "Spurensuche in Ruinen" bezog sich nicht zwingend auf Börsendaten aus dem letzten Halbjahr. Nur "Die verlorene Welt", "Alone in the Dark" oder "Angst vor der Krise" - da konnte man schon nachdenklich werden. Wer aber Sonntagfrüh, nachdem er die Hellseherstunde "Die Prophezeiungen 2009" am Vorabend nicht verdauen konnte, um 4.15 Uhr bei "Mein Leben & Ich" strandete, hatte echt verloren.

Und deshalb fühlte man sich in diesen Tagen beim Wiener Community-Sender Okto besonders gut aufgehoben. Dieser hält nämlich nichts auf diffuse Weissagungen, sondern verschreibt sich - im soeben angebrochenen Internationalen Jahr der Astronomie - Handfestem. In der Sendung "SuperNova" blickte Astronom Franz Kerschbaum auf die Geschichte des Teleskops ab Galilei. Und das Schöne daran: Die Sternenbilder, in die man blickte, ergaben keinen Sinn, da die Kameralinse selbst mit derartig vielen Dreckspritzern besprenkelt war, dass sie ihrerseits wie eine zweite Folie des Kosmos wirkte. Damit war noch keine Zukunft ausgehebelt, aber eine neue Perspektive gegeben. (Margarete Affenzeller/DER STANDARD; Printausgabe, 5.1/6.1.2009)

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