"Soja als Ergänzung zu Kuhmilch"

4. Jänner 2009, 18:51
76 Postings

Wer hat Soja am Speiseplan? Gespräch mit dem WHO-Experten Yukio Yamori über die globale Verwendung, epidemiologische Erkenntnisse und die präventive Wirkung von Isoflavonen

STANDARD: Warum ist Soja gesund?

Yamori: Soja wird in China seit 5000 Jahren gegessen. Es enthält viele gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe wie ungesättigte Fettsäuren und vor allem Isoflavone, die gut für den Körper sind. Buddhistische Mönche haben Soja nach Japan gebracht. Wir haben viele verschiedene reine und fermentierte Sojaprodukte. Man vermutet, dass sie ein Grund für die Langlebigkeit der Japaner sind.

STANDARD: Kann Sojamilch Kuhmilch ersetzen?

Yamori: Sojamilch kann ein vollwertiger Ersatz für Kuhmilch sein. Idealerweise sollte Soja aber eine Ergänzung sein, etwa so, dass man Sojamilch in ein Jogurth mischt. Damit versorgt man den Körper mit wichtigen Isoflavonen.

STANDARD: Wie schützen Isoflavone vor Krebs?

Yamori: Wir haben dafür eine epidemiologische Vergleichsstudie in 61 Nationen durchgeführt. Je weniger Soja traditionell am Speiseplan standen, umso höher waren die Brustkrebs- und Prostatakrebsraten. Wir haben im Labor untersucht, wie Brustkrebszellen mit Isoflavonen interagieren. Sie blockieren die Rezeptoren für Östrogen, was dazu führt, dass sich die Brustkrebszellen nicht vermehren können.

STANDARD: Es gibt Gerüchte, dass zu viel Soja für eine verminderte Fruchtbarkeit von Frauen verantwortlich sein könnte?

Yamori: Dafür gibt es keinerlei Evidenz, man müsste das ja vor allem in Ländern wie Japan und China beobachten können. Und das ist nicht der Fall.

STANDARD: Welche Menge an Soja ist empfehlenswert?

Yamori: 70 bis 75 Milligramm täglich, das entspricht etwa 200 Milliliter Sojamilch. Seine gesundheitsfördernde Wirkung entfaltete Soja am besten als natürliches Lebensmittel - also nicht als Isolat, sondern in reiner oder fermentierter Form, etwa als Miso.

STANDARD: Kann man mit Soja abnehmen?

Yamori: Es gibt eine Studie in Brasilien, wo seit Generationen japanische Emigranten leben, die die traditionelle Lebensweise aufgegeben haben. Viele von ihnen sind fettleibig, haben Diabetes. Sie profitieren von einer Diät, die Soja-Produkte enthält. Sie konnten innerhalb von acht Wochen ihr Gewicht reduzieren. (Karin Pollack, DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2009)

  • Zur Person
Yukio Yamori ist WHO-Experte im Beraterteam für kardiovaskuläre
Erkrankungen. Er arbeitet an der Mukogawa Women's University in
Nishinomiya in Japan.
    foto: standard/andy urban

    Zur Person

    Yukio Yamori ist WHO-Experte im Beraterteam für kardiovaskuläre Erkrankungen. Er arbeitet an der Mukogawa Women's University in Nishinomiya in Japan.

Share if you care.