Asiatische Bohne für gute Hormone

4. Jänner 2009, 18:41
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Wer sich 2009 gesünder ernähren will, sollte Soja-Produkte essen - Das Pflanzeneiweiß senkt die Cholesterinwerte, hilft beim Abnehmen und wirkt präventiv sogar gegen Krebs

n den heimischen Supermärkten gibt es einen klaren Trend: Im letzten Jahr ist die Palette der Soja-Produkte gewachsen: Es gibt verschiedene Arten von Sojamilch, Pudding, Joghurt, Aufstriche, Fruchtdrinks, aber auch Würstel und diverse Tofu- und Miso-Produkte werden angeboten. "Die Laktose-Unverträglichkeit nimmt in der westlichen Welt zu, außerdem gibt es immer mehr Beweise, dass Soja gegen eine Reihe von westlichen Life-Style-Erkrankungen präventiv wirkt", sagt Yukio Yamori, Ernährungsexperte der WHO. Sein Spezialgebiet sind kardiovaskuläre Erkrankungen. Der Verzehr von Soja, ist Yamori überzeugt, sei eine Möglichkeit, sich zum Beispiel vor Arteriosklerose zu schützen.

Soja aus Österreich

Mitte Dezember fand an der Universität für Bodenkultur (Boku) das Symposium "35 Jahre Sojabohne und Sojaforschung" statt. Mitveranstalter war der Verein "Soja aus Österreich". Historisch spielte die Boku übrigens bei der Verbreitung der Soja-Bohne in der westlichen Welt eine wichtige Rolle. Im Zuge der Weltausstellung 1873 kamen die Samen der in Asien seit mehr als 5000 Jahren als Eiweißlieferant genutzten Pflanze nach Wien. Es war der Agrarwissenschafter Friedrich Haberlandt, der den Anbau der Pflanze in hiesigen Breiten erforschte. 1877 publizierte er sein Standardwerk "Die Sojabohne", das vor allem in den USA sehr schnell zur Grundlage für den Soja-Anbau wurde. In Europa blieb Soja fast ausschließlich eine Futterpflanze in der Tierzucht.

Wertvolle Bohne

Dabei ist die Bohne gerade für den Menschen ein überaus wertvolles Nahrungsmittel. Sie besteht zu 34 Prozent aus Pflanzeneiweiß, zu 28 Prozent aus Kohlehydraten und Ballaststoffen. Zudem enthält Soja viel pflanzeneigenes Öl mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Phosphor, Eisen, Kalium, Magnesium und vor allem die sogenannten Isoflavone, die chemisch-strukturell den körpereigenen Östrogenen und Androgenen ähneln. Sie werden als Phytoöstrogene bezeichnet.


Krankheiten verhindern

Vor allem den in der Sojabohne enthaltenen Isoflavone Genistein und Daidzein werden zur Vorbeugung von hormonabhängigen Krebserkrankungen wie bestimmten Formen von Brustkrebs und Prostatakrebs eine stark präventive Wirkung zugeschrieben. "Genistein hemmt körpereigene Botenstoffe, welche für die Krebsentstehung verantwortlich sind, stabilisiert die DNA und reduziert zellschädigende Verbindungen, weiters hemmt es die Gefäßneubildung und Zellwucherung", fasst Petra Rust vom Department für Ernährungswissenschaften der Universität Wien die Erkenntnislage zusammen.

Die Tatsache, dass in asiatischen Ländern, in denen Soja zum täglichen Speiseplan gehört, hormonbedingte Krebsarten um das Zehnfache geringer sind als in den westlichen Industrienationen, spricht für diese These. Während Asiaten täglich 15 bis 40 Milligramm Isoflavone durch Sojaprodukte zu sich nehmen, wird in den westlichen Industrieländern der Eiweißbedarf zu zwei Dritteln durch tierisches Eiweiß gedeckt. Dadurch werden zu viele gesättigte Fettsäuren sowie reichlich Cholesterin aufgenommen. Es ist erwiesen, dass damit das Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall steigt. Soja als pflanzlicher Eiweißlieferant kann helfen, den Cholesterinspiegel zu senken.

Der Wiener Gynäkologe Markus Metka betonte die antientzündliche Wirkung von Soja-Produkten, die an einem erhöhten Interleukin 6-Spiegel gemessen werden kann. "Bereits nach vier Wochen Ernährungsumstellung auf Soja sinkt der IL6 dramatisch", berichtet er und das wiederum sei bei vielen chronischen Zivilisationserkrankungen sehr erstrebenswert.

Etwa auch bei Diabetes. Leila Azadbakht von der Universität Isfahan im Iran hat an 41 Diabetes 2-Patienten untersucht, wie sich der Soja-Verzehr auf die Herz-Nierenfunktion auswirkt. Sie konnte feststellen, dass Patienten, die regelmäßig Soja-Produkte essen, ein geringeres Risiko für kardiovaskuläre Probleme hatten und zudem eine bessere Nierenfunktion. Derzeit organisiert Azadbakht eine Studie bei Frauen mit Adipositas. Ihre These: Soja-Produkte wirken sich positiv aus, da sie Heißhun- gerattacken reduzieren.

Pflanzlicher Hormonersatz

Phytoöstrogene können aber auch bei einer Reihe von Östrogen-abhängigen Erkrankungen stabilisierende Wirkung haben. Etwa als eine Art pflanzlicher Hormonersatztherapie für Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schlaflosigkeit während der weiblichen Menopause bzw. als Vorbeugung von Osteoporose.

Worüber sich die Forscher in Wien einig waren: Die Wirkung von Soja auf den Menschen muss besser untersucht werden. Einstweilen gilt es für Matthias Krön, Obmann des Vereins "Soja aus Österreich" allerdings, Soja hierzulande populärer zu machen. In einer Umfrage gaben 38 Prozent der Befragten an, zumindest gelegentlich Soja-Produkte zu verwenden. Dem Verein geht es unter anderem aber auch darum, die Mehrwertsteuer von Sojamilch und Kuhmilch anzupassen. Worum es noch geht? Die Österreicher müssten mit Soja kochen lernen. (Karin Pollack, DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2009)

Siehe

Interview: "Soja als Ergänzung zu Kuhmilch"

Buchtipp: Elisabeth Fischer, Irene Kührer: Soja. Der leichte Genuss. 191 Seiten. 19,90 Euro. Kneipp Verlag, Wien 2008.

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    Pflanze statt Tier als Eiweißlieferant: Soja hat vor allem gesundheitsfördernde Wirkung. Allein: Die Österreicher essen zu wenig davon.

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